• 27.10.2013
      23:35 Uhr
      Sportclub Stars Ewald Lienen | Radio Bremen TV
       

      Linksaußen der Liga, Querdenker, Kritiker: Ewald Lienen ist anders als die meisten Fußballprofis. Er engagiert sich in den 1970er- und 1980er-Jahren in der Friedensbewegung, kämpft gegen Kommerz und Kapitalismus. Den Heldenstatus eines Bundesligaprofis lehnt er kategorisch ab. Er weigert sich sogar, Autogramme zu schreiben. In seiner Kritik stehen dabei vor allem die Medien, welche die Spieler zu "Halbgöttern" machen.

      Sonntag, 27.10.13
      23:35 - 00:05 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo HD-TV

      Linksaußen der Liga, Querdenker, Kritiker: Ewald Lienen ist anders als die meisten Fußballprofis. Er engagiert sich in den 1970er- und 1980er-Jahren in der Friedensbewegung, kämpft gegen Kommerz und Kapitalismus. Den Heldenstatus eines Bundesligaprofis lehnt er kategorisch ab. Er weigert sich sogar, Autogramme zu schreiben. In seiner Kritik stehen dabei vor allem die Medien, welche die Spieler zu "Halbgöttern" machen.

       

      Stab und Besetzung

      Autor Marc Hall

      Trotz seiner Kritik am Profifußballgeschäft macht Ewald Lienen insgesamt 333 Spiele in der Bundesliga, erst für Arminia Bielefeld, später dann für Borussia Mönchengladbach. 1979 gewinnt er mit der Borussia den UEFA-Pokal. Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist jedoch für ihn nie ein Thema.

      Eine Absage zu einem Lehrgang sowie eine ablehnende Haltung gegenüber dem Verhalten des DFB bei der Fußball-WM 1978 in Argentinien verhindern eine Karriere als Nationalspieler.

      Ein brutales Foul von Werder Bremens Verteidiger Norbert Siegmann im August 1981 bleibt nicht nur für Ewald Lienen immer in Erinnerung.

      Anfang der 1980er-Jahre will Ewald Lienen ganz aus dem Profigeschäft aussteigen. Doch es kommt alles anders. Lienen verliert mit Immobiliengeschäften viel Geld. Er muss weiterhin spielen, um die finanziellen Verluste auszugleichen. Erst mit 39 Jahren beendet er seine aktive Karriere beim MSV Duisburg.

      Sein früherer Wunsch, das Fußballgeschäft zu verlassen, ist nun Vergangenheit: Ewald Lienen wird Bundesligatrainer. Nach einem Engagement unter Jupp Heynckes auf Teneriffa wird Ewald Lienen 1997 Trainer beim FC Hansa Rostock. Es ist die erfolgreichste Zeit des Vereins seit der Wiedervereinigung. In seinem ersten Jahr verpasst Hansa Rostock nur knapp den Einzug in den UEFA-Pokal. Der Erfolg bleibt jedoch nicht lange. Zahlreiche Spieler werden verkauft, der FC Hansa Rostock rutscht in den Tabellenkeller und Ewald Lienen wird entlassen.

      Erst gefeiert, dann gefeuert! Dieses Szenario passiert Ewald Lienen häufiger im Laufe seiner Karriere. Mit dem 1. FC Köln schafft er erst den direkten Aufstieg in die Bundesliga, wird dann aber in der folgenden Saison wieder entlassen. Auch bei Hannover 96 gilt Lienen zunächst als der große Hoffnungsträger. Insgesamt zehn Mal wird er im Laufe seiner Karriere von einem Verein entlassen.

      Sein letztes Engagement bei AEK Athen wird zur griechischen Tragödie. Lienen führt den Verein, trotz enormer finanzieller Probleme, aus dem Tabellenkeller. Doch zwei Spieltage vor Schluss wird Lienen unter dubiosen Umständen entlassen. Im anschließenden Spiel stürmen die Fans nach einem Rückstand den Platz. Für AEK Athen folgt dann der Zwangsabstieg. Ewald Lienen gilt als akribischer Arbeiter. Bis heute hat er dadurch den Spitznamen "Zettel-Ewald". Mit Klischees hat Ewald Lienen in seiner gesamten Trainerkarriere zu kämpfen. Unter Journalisten gilt er lange als schwierig. "Einer, der zum Lachen in den Keller geht und mit dem bei Interviews nicht gut Kirschen essen ist", heißt es.

      "Sportclub Stars" hat Ewald Lienen in Athen und in seinem Haus in Mönchengladbach zu einem ausführlichen Interview getroffen. Dieser Film über ihn räumt mit den gängigen Klischees auf. Im November 2013 wird Lienen 60 Jahre alt. In vier Jahrzehnten hat er eine erstaunliche Wandlung vollzogen.

      Schon lange nicht mehr hat Lienen einem Journalisten so ein ausführliches Interview gegeben. Interessant ist vor allem, wie er die Zeit 70er- und 80er-Jahre reflektiert. Er bereut nichts, aber heute will er nicht mehr jeden von seiner politischen Meinung überzeugen. Im November wird Lienen 60 Jahre alt. Seit 40 Jahren ist er im Fußballgeschäft tätig. Er hat die Höhen und Tiefen miterlebt und eine erstaunliche Wandlung vollzogen. Vom linken Systemkritiker, über den scheinbar launischen Trainer, hin zu einem Mann, der auch mit 60 Jahren immer noch den Fußball liebt und so lange weiterarbeiten möchte wie möglich.

      Film von Marc Hall

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      Sonntag, 27.10.13
      23:35 - 00:05 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
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