• 09.02.2013
      08:00 Uhr
      Schätze der Welt - Erbe der Menschheit Die zweiten Städte: Lyon und Graz (Frankreich/Österreich) | SWR Fernsehen RP
       
      • Lyon: Die Italiener brachten die klappernden Webstühle und rasenden Schiffchen nach Lyon, dazu ihre Lebensart und Architektur. Lyon - das ist begehbare Geschichte. Vom Renaissance-Viertel über eine Brücke zu den Prachtbauten des 17./18. Jahrhunderts, dann hinauf in die riesigen Weber-Häuser des 19. Jahrhunderts. Durch die "traboules" und am seidenen Faden entlang.
      • Die Altstadt von Graz: Graz gilt als die italienischste Stadt Österreichs. Das liegt vor allem an den vielen Architekten die im 16. Jahrhundert aus der Lombardei in die Stadt kamen. Mit einer viertel Million Einwohner ist Graz heute die zweitgrößte Stadt Österreichs.

      Samstag, 09.02.13
      08:00 - 08:30 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo
      • Lyon: Die Italiener brachten die klappernden Webstühle und rasenden Schiffchen nach Lyon, dazu ihre Lebensart und Architektur. Lyon - das ist begehbare Geschichte. Vom Renaissance-Viertel über eine Brücke zu den Prachtbauten des 17./18. Jahrhunderts, dann hinauf in die riesigen Weber-Häuser des 19. Jahrhunderts. Durch die "traboules" und am seidenen Faden entlang.
      • Die Altstadt von Graz: Graz gilt als die italienischste Stadt Österreichs. Das liegt vor allem an den vielen Architekten die im 16. Jahrhundert aus der Lombardei in die Stadt kamen. Mit einer viertel Million Einwohner ist Graz heute die zweitgrößte Stadt Österreichs.

       
      • Lyon - Wenn Schönheit am seidenen Faden hängt: "Kinder schließt die Augen, gleich nach dem Tunnel kommt ... Lyon!" soll der französische Schriftsteller Daudet ausgerufen haben, wenn der Zug Paris-Provence durch die südfranzösische Metropole fuhr. Trist und verkommen muss sich die Stadt damals präsentiert haben.

      Heute führen Tunnel die Reisenden nach Süden gleich an der Stadt vorbei, aber der Ruf hat sich nicht wesentlich gebessert. So bleibt die unbekannte Schöne zwischen den Flüssen Rhone und Saone sich treu: arbeitsam und verschlossen, reich und unprätentiös.

      Dabei gäbe es soviel zu erzählen: von den glanzvollen Zeiten als römisches Kultur- und Handelszentrum, von den quirligen Märkten im 15. Jahrhundert, von des Sonnenkönigs Mätresse und Napoleons Besuchen.... Und dazwischen das Rascheln und Knistern der Seide!

      Die Italiener brachten die klappernden Webstühle und rasenden Schiffchen nach Lyon, dazu ihre Lebensart und ihre Architektur. Seit Beginn des 16. Jahrhunderts wird an der Saone der Faden einer hässlichen Raupe zu changierendem Taft, glänzendem Samt, duftigem Chiffon verarbeitet. Aus Lyon kommt fortan der Stoff, aus dem die Königsträume sind. Gewebt wird hinter schlichten Fassaden, die prachtvolle Höfe verbergen und durch ein Labyrinth von Gängen verbunden sind - traboules.

      Die "traboules" sind wie die Seele der Stadt. Versteckt hinter unscheinbaren Türen, mal schlecht beleuchtet muffig, mal von feierlicher Schönheit wie ein Kreuzgang. Immer sind sie eine Entdeckungsreise, die in einer Straße beginnt und in einer anderen Straße, einer anderen Zeit, einem anderen Licht endet. Hier wurde die Seide unbehelligt von Wind und Wetter zu den Händlern transportiert, hier versteckten sich die Feinde der Jakobiner vor den Häschern der Revolution, hier probten die Weber den Aufstand, hier flohen die Widerstandskämpfer der Résistance vor den Faschisten.

      Lyon - das ist begehbare Geschichte. Vom Renaissance-Viertel über eine Brücke zu den Prachtbauten des 17./18. Jahrhunderts, dann den Berg hinauf in die riesigen Weber-Häuser des 19. Jahrhunderts. Durch die "traboules" und am seidenen Faden entlang.

      • Die Altstadt von Graz - Als ob man zum Frieden käme: "Graz macht den Eindruck, als ob man zum Frieden käme aus dem Krieg", so Franz Grillparzer. Der österreichische Dramatiker hatte recht. Zumindest wenn man am Schlossberg, beim Grazer Wahrzeichen, dem Uhrturm, steht und auf die Stadt hinunter schaut. Hier, in der Hauptstadt der Steiermark, scheinen die Uhren wirklich ein klein wenig langsamer zu gehen als anderswo.

      Auf dem Schlossberg liegen auch die Wurzeln der Stadt, die 1128 erstmals erwähnt wurde. Gradec hieß sie da, zu deutsch "kleine Burg". Im 15. Jahrhundert war Graz die Hauptstadt Innerösterreichs. Der spätere Kaiser Friedrich III. hatte ein Herz für die Stadt und setzte erste bauliche Akzente. So ließ er eine Stadtburg errichten und die Pfarrkirche Sankt Ägydius, den heutigen Dom.

      So friedlich Graz uns heute auch scheint. Es war immer eine wehrhafte Stadt. Zuerst drohte Gefahr durch die Eroberungszüge der Türken, später durch die Truppen Napoleons. Zur Abschreckung bauten die Grazer nicht nur ihre Festungen aus, sie sammelten in all den Jahrhunderten auch Waffen jeder Art. Heute haben sie die größte antike Waffensammlung der Welt.

      Graz gilt als die italienischste Stadt Österreichs. Das liegt vor allem an den vielen Architekten die im 16. Jahrhundert aus der Lombardei in die Stadt kamen. Die vielen Renaissancebauten waren auch ein Grund für die Unesco, die Altstadt von Graz, 1999 zum Weltkulturerbe zu ernennen.

      Mit einer viertel Million Einwohner ist Graz heute die zweitgrößte Stadt Österreichs. Dank seiner Geografie, eine Drehscheibe zwischen West- und Südeuropa. Das zeigt sich auch an der Sonne. Sie scheint hier viel öfter und vielleicht auch ein klein wenig heller als irgendwo sonst in Österreich.

      Die wertvollsten Natur- und Kulturdenkmäler der Welt schützt die UNESCO seit 1972 als "Erbe der Menschheit". Die Fernsehreihe "Schätze der Welt" erzählt von diesen Orten in eindrucksvollen Bildern.

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