• 12.11.2010
      18:10 Uhr
      MENSCH LEUTE Hilfe im Morgengrauen - Pflegeeinsatz auf dem Lande | SWR Fernsehen RP
       

      6.30 Uhr in Minheim an der Mosel. Morgenbetrieb bei Familie Becker. Ehemann Werner und die drei Töchter wickeln das Frühstücksprogramm ab, wie ein eingespieltes Team.

      Freitag, 12.11.10
      18:10 - 18:40 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      6.30 Uhr in Minheim an der Mosel. Morgenbetrieb bei Familie Becker. Ehemann Werner und die drei Töchter wickeln das Frühstücksprogramm ab, wie ein eingespieltes Team.

       

      Sie wissen: Ihre Mutter hat ein volles Programm vor sich, seit sie Unternehmerin ist: Edith Becker, Chefin eines ambulanten Pflegedienstes. Gleichzeitig mit ihr schwärmen bis zu zwei Dutzend Frauen im Morgengrauen aus, um Patienten den Einstieg in den Tag zu erleichtern. Da ist Herr Brösch, der selbst Mutter und Bruder bis zum Schluss gepflegt hat und nun der Letzte seiner Landwirtsfamilie in Kesten ist. Oder das Ehepaar aus Piesport, bei dem der Mann seit dem letzten Krankenhausaufenthalt schwer pflegebedürftig ist. Und Kerstin Lang, junge Mutter einer Tochter, deren angeborene Muskelschwäche sie auf die Pflege angewiesen sein lässt. Sie alle schlafen noch oder warten schon auf die Helferinnen, die den Morgen frisch machen. Ob Kathederversorgung, Kompressionsstrümpfe oder Tablettengabe - die examinierten Pflegerinnen betreiben Einsatz hautnah. Dabei begleiten sie Menschen nicht nur an der Nahtstelle zwischen Nacht und Tag sondern oft auch zwischen Dankbarkeit und Verzweiflung.

      Edith Becker und ihre Frauen beackern ein Feld, das hier im ländlichen Gebiet noch von gesellschaftlichen Zwängen geprägt ist. Denn während in den Städten das Thema Pflege in den meisten Fällen im Zusammenhang mit Kosten, Zeitvertaktung und Heimqualität verbunden ist, heißt die Frage im Umfeld von Edith Becker und ihren Frauen weniger "wie", sondern vielmehr: "ob".

      Der gesellschaftliche Druck hier ist doch viel höher als in der Stadt. Die Zwangsspirale ist enorm, der Bedarf ist riesig. Vor 20 Jahren war klar, die Schwiegertochter oder Tochter auf dem Hof kann die Alten pflegen. Heute muss sie mitverdienen und geht arbeiten. Aber Pflege in fremde Hände geben, das wird raus gezögert bis zum Punkt der Verzweiflung. So sind die Erfahrungen der 41-jährigen Edith Becker. Sie selbst ist aufgrund der eigenen Kinder von der Krankenschwester zur Altenpflegerin geworden, da konnte man sich die Zeit besser einplanen.

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      Freitag, 12.11.10
      18:10 - 18:40 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

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