• 07.05.2010
      22:00 Uhr
      Nachtcafé Verdirbt Geld den Charakter? - Moderation: Wieland Backes | SWR Fernsehen RP
       

      Gäste:

      • Walter Gunz
      • Hanna Poddig
      • Vera Dillier
      • Marianne Tritz
      • Susanne Schmidt
      • Gerald Hörhan
      • Sabine Meck

      Freitag, 07.05.10
      22:00 - 23:30 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

      Gäste:

      • Walter Gunz
      • Hanna Poddig
      • Vera Dillier
      • Marianne Tritz
      • Susanne Schmidt
      • Gerald Hörhan
      • Sabine Meck

       

      "Geld verdirbt nicht den Charakter - es macht ihn nur deutlich!" , eine alte Weisheit, die vor allem diejenigen, die völlig unvorbereitet zu viel Reichtum kommen, erst mal auf eine harte Probe stellt. Da ist der Zehn-Millionen-Euro-Lottogewinner, der von heute auf morgen seinen Lebensstil radikal ändert und den seine Familie seitdem nicht wiedererkennt. Dann gibt es die Tochter aus der zahlungskräftigen Fabrikantenfamilie, die - obwohl sie Geldsorgen nie kannte - trotzdem äußerst bescheiden lebt und innere Werte ganz groß schreibt. "Reichtum ist wie Seewasser, je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man", so Arthur Schopenhauer. Geld ist und bleibt für viele ein verlockendes Ziel. Wir haben zwar alle unsere Prinzipien - aber: Alles hat auch angeblich seinen Preis. Haben wir nicht alle irgendwo eine Schwachstelle, wo wir unsere persönlichen Werte verraten, wenn uns nur viel genug geboten wird? Leben wir in einer Gesellschaft, die für Geld fast alles tun würde? Was macht Geld mit den Menschen?

      Die Gäste:

      • "Ich bin doch nicht blöd"! - diesen Slogan erfand Walter Gunz und handelte danach: Mit viel Geschick machte der Media-Markt-Gründer die Elektronik-Fachmarktkette zu einem Imperium und sich zum Multimillionär. Die Zeit des Prassens mit Ferraris und Villen an der Cote D'Azur sind bei ihm vorbei: "Erfolg und Geld sind harte Prüfungen, die auch im Größenwahn enden können" sagt der Bayer, der heute viele Organisationen mit Spenden unterstützt und auf einem Landgut in Marokko lebt.

      • "Streben nach Geld ist mir völlig fremd. Ich möchte in einer Welt ohne Reichtum und dem ständigen Wetteifer nach Wachstum leben", sagt Hanna Poddig. Mit zahlreichen Protestaktionen will die 24-jährige ihre Umwelt zum Nachdenken anregen, Konsumgewohnheiten in Frage stellen. "Unser Reichtum geht immer nur auf Kosten anderer, die dafür ausgebeutet werden", sagt die Vollzeitaktivistin und setzt sich radikal gegen eine Gesellschaft im Überfluss ein.

      • Vera Dillier lebt im Luxus und lässt es sich in St. Moritz gut gehen. Gerne nimmt die Schweizerin in ihrem exklusiven Penthouse ein Entspannungsbad in der vergoldeten Badewanne und gönnt sich dazu ein Schlückchen Schampus. "Der Neid der Anderen tut mir schon lange nicht mehr weh. Mir war Geld schon immer wichtig. Aber ein guter Charakter kann durch Geld nicht verdorben werden", davon ist die Jetset-Millionärin überzeugt.

      • Als Verräterin wurde sie von eigenen Parteifreunden beschimpft, als sich die frühere Grünen-Abgeordnete Marianne Tritz vor zwei Jahren zu einem Wechsel in die Tabakindustrie entschied. Sie selbst bezeichnet diesen Schritt als Weiterentwicklung: "Natürlich freue ich mich, wenn ich mich nach einem Jobwechsel finanziell verbessere Ein schlechtes Gewissen habe ich nicht, denn die Verantwortung für seine Gesundheit trägt jeder Raucher selbst", sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Zigarettenverbandes.

      • Dicke Luft herrscht nach wie vor in der Finanzwelt. Wirtschaftsjournalistin Susanne Schmidt hat selbst lange im Bankensektor in London gearbeitet und vermisst ein Umdenken bei den Bankern nach der Finanzkrise. Die Tochter des Altkanzlers Helmut Schmidt mahnt dringend internationale Regeln für Finanz-und Börsenplätze an und rechnet in ihrem neuen Buch "Markt ohne Moral" mit der Gier der Banker ab.

      • "Dass die Banker Schuld an der Krise sind, ist grober Unfug", sagt Gerald Hörhan. Der Investmentbanker mit Irokesenfrisur sieht die Schuld der Finanzkrise nicht bei den Bankern, sondern bei der Mittelschicht. "Wer sich beim Häuserkauf total übernommen hat, kann die Verantwortung nicht einfach am Bankschalter abgeben", davon ist der Sportwagenliebhaber überzeugt. Er warnt den "kleinen Mann" mit wenig Insiderwissen dringend vor Börsenspekulationen.

      • Wie prägend das Elternhaus im späteren Umgang mit Geld ist, weiß Sabine Meck. Doch genau darin sieht die Professorin für Finanzpsychologie ein großes gesellschaftliches Problem: "Viele Eltern sind keine Vorbilder mehr und leben ihren Kindern ein Leben auf Pump vor. Wer zu einem soliden Umgang mit Geld erzogen wurde, den kann auch ein Millionengewinn nicht aus der Bahn werfen."

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