• 28.01.2022
      22:00 Uhr
      Nachtcafé Pillen, Drinks und Drogen - der tägliche Kick | SWR Fernsehen RP
       

      Drogen – das verbinden die meisten mit Heroin, Kokain und Ecstasy, mit Bahnhofsviertel und zwielichtigen Dealern. Doch Drogen sind alltäglich und finden sich zuhause im Küchenschrank und auf dem Nachttisch.

      Freitag, 28.01.22
      22:00 - 23:30 Uhr (90 Min.)
      90 Min.

      Drogen – das verbinden die meisten mit Heroin, Kokain und Ecstasy, mit Bahnhofsviertel und zwielichtigen Dealern. Doch Drogen sind alltäglich und finden sich zuhause im Küchenschrank und auf dem Nachttisch.

       

      Stab und Besetzung

      Moderation Michael Steinbrecher

      Drogen - das verbinden die meisten mit Heroin, Kokain und Ecstasy, mit Bahnhofsvierteln und zwielichtigen Dealern. Doch Drogen sind alltäglich und finden sich zuhause im Küchenschrank und auf dem Nachttisch.
      Das Gläschen Wein oder Bier zum Feierabend, der Sekt beim Frühstücksbrunch. Alkohol ist die Gesellschaftsdroge schlechthin. Anerkannt als spaßiges Rauschmittel und selten geächtet in seiner durchaus zerstörerischen Wirkung. Im Gegenteil: Wer in geselliger Runde nicht mit anstößt, der muss sich erklären. Alkoholkonsum ist gesellschaftlich anerkannt. Und immer wieder heißt es, dass er im richtigen Maße sogar gesundheitsfördernd sein soll - trinken also mit gutem Gewissen. Doch 1,6 Millionen Menschen in Deutschland gelten als alkoholabhängig, etwa 74.000 Todesfälle werden jährlich durch Alkoholkonsum verursacht.
      Auch Tabletten begleiten uns durch unseren Alltag: Sei es die Pille gegen Kopf- und Rückenschmerzen oder die Schlaftabletten, um nachts zur Ruhe zu finden. Bei manchen kommen Mittelchen zur Leistungssteigerung hinzu, um den Alltag bewältigen zu können, andere wollen ihrer Libido gezielt auf die Sprünge helfen. Schon Kinder erhalten Ritalin und Menschen in Pflegeheimen nicht selten Psychopharmaka. Kann das alles ohne Folgen bleiben?
      Gehen wir als Gesellschaft zu leichtfertig mit all diesen legalen Suchtmitteln um? Sind Drogen kontrollierbar? Teils notwendig und in Maßen förderlich für Körper und Geist? Oder sind bereits der erste Tropfen und die erste Tablette schädlich und ein gefährlicher Einstieg?

      Die Gäste bei Michael Steinbrecher:

      • Markus Majowski

      Markus Majowski scheint als Schauspieler stets auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen. Und doch begleiteten ihn Drogen seit seiner Jugend. Genauso wie Entzüge und Versuche, dem Kokain zu entrinnen. Die Sucht war immer stärker. „Die Drogen haben mich getröstet”, sagt er heute, aber auch: „Es war ein schleichender Selbstmord.” Erst, als er aus überraschender Ecke unter massiven Druck gesetzt wurde, gelang ihm der endgültige Ausstieg.

      • Tanja Eisele

      Auch Tanja Eisele war jahrelang abhängig: Der Alkohol half der Alleinerziehenden, die Einsamkeit erträglich zu machen. Sie funktionierte im Job, funktionierte als Mutter – aber nur mit seiner Hilfe. „Mein Sohn musste früh die Kinderschuhe ausziehen und hat auf mich aufgepasst“, sagt sie. Ihr Sohn Tim Kranski, der damals als Schulkind ihren Alkoholismus und ihre Stimmungsschwankungen miterlebte, erinnert sich: „Manchmal hatte ich Angst um meine Mutter. Und manchmal hatte ich Angst vor ihr.“

      • Christian Rätsch

      Christian Rätsch dagegen sieht den Rausch als Geschenk und als etwas, das dem Menschen als Bedürfnis angeboren ist: Als Ethno-Pharmakologe ist er Spezialist für Heilpflanzen. Er selbst kifft, seit er zwölf Jahre alt ist, Cannabis ist sein „täglich Brot“, wie er sagt. LSD und Zauberpilze spart er sich hingegen für besondere Anlässe auf. Er ist davon überzeugt: „Wir brauchen diesen täglichen Kick, um zu funktionieren.“

      • Özlem Alarslan

      Der tägliche Wachkick-Effekt war es, der Özlem Alarslan in die Sucht zog: Zehn Jahre lang war sie abhängig von Energydrinks. Wie bei vielen jungen Menschen gehörten die Wachmacher aus der Dose zu ihrem Alltag dazu. Bis die Folgen immer massiver wurden: Herzrasen, Kopfschmerzen, Schwitzattacken und Aggressionen. Und sie endlich entschied: „Das war mein letzter Energydrink.“ Heute sagt sie: „Der größte Vorteil war, dass ich nicht mehr in diesem Gefängnis der Sucht war.“

      • Kerstin Herrnkind

      Hilflos zusehen, wie ihr eigener Bruder 25 Jahre lang in seiner Sucht gefangen war, musste Kerstin Herrnkind. Als sie das erste Mal davon erfuhr, dass ihr Bruder heroinabhängig war, reagierte sie fassungslos: „Diese Horrordroge? Mein kleiner Bruder? Ich konnte es nicht glauben“, sagt sie. Uwe rutschte in eine schwere Drogensucht. Und obwohl Herrnkind alles versuchte, um für ihn da zu sein, konnte sie ihn letztlich doch nicht retten.

      • Tobias Rüther

      Der Psychiater Tobias Rüther weiß, dass Sucht als psy

      chische Erkrankung begünstigt wird durch Umwelt, Familie, Gene und Persönlichkeitsmerkmale. Der Suchtmediziner weiß aus seiner Arbeit aber auch, dass jeder Mensch in eine Abhängigkeit geraten kann: „Es gibt für die meisten Drogen eine sensible Phase im Jugendalter“, sagt er. Das reifende Gehirn sei besonders gefährdet – deshalb sieht Rüther Aufklärung als wichtigstes Instrument, um Drogenmissbrauch vorzubeugen

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