• 11.03.2016
      03:15 Uhr
      Nachtcafé - Das Beste Depression - die neue Volkskrankheit? | SWR Fernsehen RP
       

      Angst um den Job, extremer Leistungsdruck, Geldsorgen, sozialer Stress - die Gründe, weshalb die Zahl depressiver Menschen in Deutschland wächst und wächst, liegen für viele auf der Hand. Vier Millionen Menschen leiden derzeit an einer Depression, jeder Fünfte erkrankt ein Mal im Leben an dieser Krankheit - ein Negativrekord, der für sich spricht?

      • Die Gäste:
      • Sven Hannawald
      • Kathrin Weßling
      • Lara Neumann
      • Holger Senzel
      • Eva Hentrich
      • Prof. Ulrich Hegerl
      • Annette Weddy

      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 11.03.16
      03:15 - 04:45 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

      Angst um den Job, extremer Leistungsdruck, Geldsorgen, sozialer Stress - die Gründe, weshalb die Zahl depressiver Menschen in Deutschland wächst und wächst, liegen für viele auf der Hand. Vier Millionen Menschen leiden derzeit an einer Depression, jeder Fünfte erkrankt ein Mal im Leben an dieser Krankheit - ein Negativrekord, der für sich spricht?

      • Die Gäste:
      • Sven Hannawald
      • Kathrin Weßling
      • Lara Neumann
      • Holger Senzel
      • Eva Hentrich
      • Prof. Ulrich Hegerl
      • Annette Weddy

       

      Skeptiker wenden sich mit einer Vielzahl überdiagnostizierter Fälle gegen eine Überbewertung des Problems und verweisen auf zweifelhafte Fragebögen und Online-Tests, die aus einem kleinen Kummer schnell eine große Depression werden lassen. Und auch die Erschöpfungsdepression "Burn-out" wird mittlerweile in einem Ausmaß attestiert, dass ihre Ernsthaftigkeit fast schon wieder in Frage gestellt werden kann. Gibt es tatsächlich gesellschaftliche Gründe für eine Zunahme an Depressionen? Ist es nicht gerade für unsere Leistungsgesellschaft wichtig, dass Depressionen weiter aus der Tabuzone geholt werden? Und wie gelingt es Betroffenen, das Schweigen zu durchbrechen und sich die richtige Hilfe zu suchen?

      • Sven Hannawald

      Sven Hannawald hat als Skispringer Sportgeschichte geschrieben. Doch auf der Spitze seines Erfolges musste der Olympiasieger und Gewinner der Vierschanzentournee 2005 aufgrund einer Depression seine Karriere beenden. Mit seinem mutigen Outing zu seinem Burnout schockierte er damals die Öffentlichkeit, "doch es ist wichtig, darüber zu reden". Mit Hilfe langjähriger Therapien und eiserner Willenskraft gelang es ihm, die Krankheit schließlich zu besiegen.

      • Kathrin Weßling

      Schon als Teenager galt Kathrin Weßling als die Verrückte, die zum Therapeuten geht. Doch das hält die heute 27-Jährige nicht davon ab, mit ihren Depressionen weiter offen umzugehen: Sie versucht, ihre Krankheit als Teil ihres Lebens zu akzeptieren und beeindruckt mit ihrem autobiographischen Roman, für den sie enormen Zuspruch erfährt: "Ich wusste nicht, dass es so vielen Menschen ähnlich geht wie mir", sagt die junge Autorin.

      • Lara Neumann

      Auch Lara Neumann hat mit ihren erst 13 Jahren ein schweres Päckchen zu tragen: Ihre Mutter leidet unter einer bipolaren Störung. Dabei wechseln sich depressive Tiefs mit manischen Hochphasen ab. Als Kleinkind konnte Lara sich das Verhalten ihrer Mutter oft nicht erklären, sie litt unter Schuld- und Angstgefühlen. Früh wurde sie selbständig, da ihre Mutter immer wieder wochenlang in einer Klinik ist. Sie meint: "Auch die Kinder von psychisch kranken Eltern brauchen Hilfe!"

      • Holger Senzel

      Der Journalist Holger Senzel litt jahrelang unter wiederkehrenden Depressionen und machte eine Therapie nach der anderen. Die brachten allerdings keine Fortschritte und so sah er sich zur Selbsthilfe gezwungen: Diszipliniert stellte er sich 80 Tage lang seinen Alltagsaufgaben, wusch Wäsche, erledigte die Steuer oder räumte auf. Rauchen und Alkohol waren tabu. "So bekam ich tatsächlich wieder Boden unter den Füßen. Ich habe das Leben als solches schätzen gelernt."

      • Eva Hentrich

      Welch Ausmaß Depressionen annehmen können und wie machtlos Angehörige oftmals sind, weiß Eva Hentrich aus Erfahrung. Kurz nach der Geburt ihrer Tochter Jana beging ihr erkrankter Mann Suizid. 21 Jahre später entschied sich die mittlerweile junge Erwachsene für denselben Weg. Sie hatte sich im Internet mit einem anderen lebensmüden Jungen zum gemeinsam Suizid verabredet und erschoss sich auf einem Parkplatz. "Diese Erlebnisse haben mich schwer verwundet und ich bin sicher nicht mehr das Stehaufmännchen von früher."

      • Prof. Ulrich Hegerl

      "Noch nie gab es so viele depressive Menschen wie heute", sagt Prof. Ulrich Hegerl, Vorstand der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Leipzig. Doch statt Alarm zu schlagen, deutet er dies als gutes Zeichen: "Wir haben gleichzeitig immer weniger Suizide. Das spricht für Aufklärung und bessere Hilfe für die Erkrankten."

      • Annette Weddy

      An der Bar: Annette Weddy kämpft gegen die Tabuisierung der Krankheit Depression. Sie selbst leidet seit ihrem 18. Lebensjahr darunter und versuchte all die Jahre, so gut wie möglich zu funktionieren. Dennoch verlor sie bereits zwei Mal ihren Job, als die Erkrankung bekannt wurde. Die Angst war groß, trotzdem machte sie bei ihrem neuen Arbeitgeber alles anders: "Ich brachte schon beim Vorstellungsgespräch die Fakten auf den Tisch. Doch die reagierten gelassen und wollten vor allen Dingen wissen, was ich kann", freut sich Weddy.

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      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 11.03.16
      03:15 - 04:45 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 16.11.2018