• 14.07.2017
      22:00 Uhr
      Nachtcafé Wenn Medizin uns krank macht | SWR Fernsehen RP
       

      Wer krank ist, geht davon aus, dass er bei seinem Arzt in den besten Händen ist. Doch nicht jede Behandlung ist im Sinne des Patienten. Mediziner sind nicht nur Heiler, sondern auch ein Rad in einem Gesundheitssystem, hinter dem ein Milliardenetat steht. Im Vordergrund steht nicht immer das Patienteninteresse, häufig aber die Rendite. So sorgt die Medizinindustrie zwar für viel Fortschritt und mehr Lebensqualität, aber auch dafür, dass zahlreiche überflüssige Untersuchungen und unnötige Operationen gemacht werden. Zu Gast sind u.a. Schauspieler Uwe Fellensiek, Bestsellerautorin Barbara Rütting und SWR-Filmemacher Frank Wittig.

      Freitag, 14.07.17
      22:00 - 23:30 Uhr (90 Min.)
      90 Min.

      Wer krank ist, geht davon aus, dass er bei seinem Arzt in den besten Händen ist. Doch nicht jede Behandlung ist im Sinne des Patienten. Mediziner sind nicht nur Heiler, sondern auch ein Rad in einem Gesundheitssystem, hinter dem ein Milliardenetat steht. Im Vordergrund steht nicht immer das Patienteninteresse, häufig aber die Rendite. So sorgt die Medizinindustrie zwar für viel Fortschritt und mehr Lebensqualität, aber auch dafür, dass zahlreiche überflüssige Untersuchungen und unnötige Operationen gemacht werden. Zu Gast sind u.a. Schauspieler Uwe Fellensiek, Bestsellerautorin Barbara Rütting und SWR-Filmemacher Frank Wittig.

       

      Wer krank ist, geht davon aus, dass er bei seinem Arzt in den besten Händen ist. Doch nicht jede Behandlung ist im Sinne des Patienten. Denn Mediziner sind nicht nur Heiler, sondern auch ein Rad in einem Gesundheitssystem, hinter dem ein Milliardenetat steht. Im Vordergrund steht nicht immer das Patienteninteresse, häufig aber die Rendite. So sorgt die Medizinindustrie zwar für viel Fortschritt und mehr Lebensqualität, aber auch dafür, dass zahlreiche überflüssige Untersuchungen und unnötige Operationen gemacht werden. Gesunde werden so zu neuen Kunden.

      Doch jeder Arzt ist verpflichtet, ohne Einfluss ökonomischer Interessen zu behandeln. Er sollte deshalb auch Heilmethoden anwenden, die eine nachweisbare Wirkung erzielen. Die Anhänger von Globuli sind überzeugt, dass der Königsweg zur Gesundung die Homöopathie ist. Inwiefern wissenschaftliche Studien dies untermauern oder ob der Placebo-Effekt einen heilsameren Effekt hat, als man im Allgemeinen glaubt, an dieser Frage entzünden sich medizinische Glaubenskriege.

      Auch Vorsorgeuntersuchungen, die auf den ersten Blick dem Patienten ausschließlich nützen, haben ihre Tücken, können fehlinterpretiert werden und machen in manchen Fällen Gesunde voreilig zu Kranken. Auf wen kann man sich verlassen, damit man als Patient vom Arztbesuch profitiert und nicht nur dessen Kontostand? Wie erkennt man, dass man eventuell Opfer unnötiger Behandlungen wird? Welche Heilmethoden sind gefährlich? Antworten bei Michael Steinbrecher im Nachtcafé.

      2009 wurde Schauspieler Uwe Fellensiek an der Bandscheibe operiert. Keine große Sache, beruhigten ihn seine Ärzte. Doch nach dem Eingriff hatte der Serienstar aus "Notruf Hafenkante" wochenlang höllische Schmerzen. Nach einer weiteren OP saß er im Rollstuhl und erhielt die niederschmetternde Diagnose: Krankenhauskeime. Es folgte ein Leidensweg, der ihn auch die Serienhauptrolle kostete: "Ich dachte immer, ich bin unverwundbar. Aber diese Erfahrung brachte mich an meine Grenzen."

      Ums Krankenhaus macht Barbara Rütting schon ihr ganzes Leben einen großen Bogen. Auch von Vorsorgeuntersuchungen hält die Bestsellerautorin wenig. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters und einer vererbten Rheumaerkrankung geht es der Gesundheitsberaterin besser denn je: "Es wird viel zu schnell mit der chemischen Keule zugeschlagen. Dabei ist gesunde Ernährung entscheidend. Dieser ganzen Apparatemedizin vertraue ich überhaupt nicht."

      Johannes Bruns glaubt an den hohen Leistungsstandard und an die Qualität der modernen Medizin. Die aktuelle Kritik, in Deutschland werde aus reiner Profitgier zu viel und unnötig operiert, weist der Chirurg zurück und macht sich für ein besseres Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient stark. Der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft ist überzeugt: "Krebs-Früherkennung kann in vielen Fällen Leben retten. Wir haben viele vernünftige Maßnahmen, die man auch nutzen sollte."

      Edith Schuligoi nahm regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen bei ihrem Gynäkologen wahr. Zysten am Eierstock stellte der Arzt fest und riet ihr dringend zur Operation. Und so unterzog sich die Österreicherin einer Eierstockentfernung, die aufgrund des abrupten Hormonverlusts fatale Folgen hatte. "Nach diesem Eingriff konnte ich kaum noch arbeiten, meine Familie und Ehe litten extrem. Wie sich später zeigte, war die OP völlig unnötig, da mein Krebsrisiko bei unter einem Prozent lag", so die Lehrerin.

      In solchen Maßnahmen sieht SWR-Filmemacher Frank Wittig reine Profitgier. Der preisgekrönte Medizinjournalist legt mit seinen Recherchen den Finger in die Wunde, kritisiert Ärzte und Pharmaindustrie: "Der Nutzen ist bei fast allen Früherkennungsmaßnahmen sehr klein, dafür wird aber viel Schaden angerichtet. Beschwerdefreie Menschen werden zu Kranken gemacht und nehmen sinnlos Medikamente, etwa weil ihre Blutwerte von Normen abweichen."

      Jahrelang war Natalie Grams felsenfest überzeugt, dass Homöopathie der Schlüssel zur sanften Krankheitsbekämpfung sei. In Heidelberg führte sie eine Praxis für Alternativmedizin und war lange uneingeschränkte Naturheilkundlerin. Doch umso intensiver sie sich mit Studien über die Wirksamkeit von Homöopathie beschäftigte, desto mehr kamen ihr Zweifel. Vor gut einem Jahr zog sie die Reißleine und schloss ihre Praxis: "Ich konnte doch meine Patienten nicht länger betrügen".

      Täglich Psychopharmaka, damit die Pfleger problemlos arbeiten können. So erging es dem Vater von Hartfried Pietz. Als der 84-Jährige ins Altenheim kam, musste der Sohn feststellen: "Er war wie ausgewechselt, nur noch im Dämmerzustand, nahm extrem viel ab." Erst nach seinem Tod brachte ein Blick in die Heimakte Licht ins Dunkel. Darin stand, welcher Medikamentencocktail mit heftigen Wechsel- und Nebenwirkungen seinem Vater verabreicht wurde.

      Das Nachtcafé ist keine Arena für Exhibitionisten und Voyeure. Zynismus und Krokodilstränen haben keinen Platz, wohl aber Menschen aller Art, die den Zuschauern etwas zu erzählen haben.

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