• 21.09.2014
      10:15 Uhr
      Deutsche Lebensläufe: Hannah Arendt - Eine Jüdin aus Deutschland Ein Film von Simone Reuter | SWR Fernsehen RP
       

      1906 in der Kantstadt Königsberg geboren, macht die Jüdin Hannah Arendt schon als Schulkind Erfahrungen mit dem Antisemitismus. Dabei fühlt sie sich ganz als Deutsche - nur am Verhalten einzelner Mitschüler und Lehrer merkt sie, dass sie "anders" ist. Als junge Philosophiestudentin lernt sie das Denken beim philosophischen Jungstar Martin Heidegger. Sie lebt das Schicksal einer deutschen Jüdin, verlässt Deutschland, entscheidet sich für eine Existenz als Außenseiterin. Immer zeigte sie sich handelnd und sprechend als leidenschaftliche, unbeeindruckbar selbstständige Denkerin.

      Sonntag, 21.09.14
      10:15 - 11:15 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo

      1906 in der Kantstadt Königsberg geboren, macht die Jüdin Hannah Arendt schon als Schulkind Erfahrungen mit dem Antisemitismus. Dabei fühlt sie sich ganz als Deutsche - nur am Verhalten einzelner Mitschüler und Lehrer merkt sie, dass sie "anders" ist. Als junge Philosophiestudentin lernt sie das Denken beim philosophischen Jungstar Martin Heidegger. Sie lebt das Schicksal einer deutschen Jüdin, verlässt Deutschland, entscheidet sich für eine Existenz als Außenseiterin. Immer zeigte sie sich handelnd und sprechend als leidenschaftliche, unbeeindruckbar selbstständige Denkerin.

       

      "Ich war wirklich der Meinung, dass der Eichmann ein Hanswurst ist, und ich sage Ihnen: Ich habe sein Polizeiverhör, 3600 Seiten, gelesen und sehr genau gelesen, und ich weiß nicht, wie oft ich gelacht habe, aber laut! Diese Reaktion nehmen mir die Leute übel. Dagegen kann ich nichts machen. Ich weiß aber eines: Ich würde wahrscheinlich noch drei Minuten vor dem sicheren Tode lachen." Als Hannah Arendt dies 1964 in für sie typischer Deutlichkeit während eines Fernsehinterviews mit Günter Gaus bekannte, galt sie als eine der umstrittensten Intellektuellen ihrer Zeit.

      1906 in der Kantstadt Königsberg geboren, macht die Jüdin Hannah Arendt schon als Schulkind Erfahrungen mit dem Antisemitismus. Dabei fühlt sie sich ganz als Deutsche - nur am Verhalten einzelner Mitschüler und Lehrer merkt sie, dass sie "anders" ist. Eine Erfahrung, die ihr später zur Maxime wird. Als junge Philosophiestudentin lernt sie das Denken beim philosophischen Jungstar Martin Heidegger und wird seine Geliebte. Auch nach der Trennung wird er die Liebe ihres Lebens bleiben. Dass sich Heidegger 1933 als Rektor der Freiburger Universität vorübergehend mit den Nazis einlässt, wird daran nichts ändern.

      Hannah Arendt lebt das Schicksal einer deutschen Jüdin, verlässt Deutschland, entscheidet sich für eine Existenz als Außenseiterin, als "Paria", wie sie es nennt. In ihren Augen ist das die einzige Lebensform, die ihr als Jüdin möglich ist. Israel, ein Staat, den sie seit seiner Gründung kritisierte, kommt für sie nicht in Frage. Im New Yorker Exil schreibt sie ihre wichtigsten Bücher und Artikel, wird zum "opinion leader". Nach Deutschland kehrt sie nach dem Krieg regelmäßig zurück - Nun wird sie mit Preisen geehrt.

      In ihrem Standardwerk "Ursprünge und Elemente totaler Herrschaft", wagt sie mitten im Kalten Krieg einen Vergleich des Naziterrors mit dem Sowjetregime, der beiden totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts. In ihrer Schrift "Vita activa" hat sie die in ihren Augen verhängnisvolle Aufwertung der Rolle der Arbeit in der modernen Massengesellschaft analysiert: Arbeiten, Herstellen, Handeln - nur im verantwortlichen Handeln ist Sinn erlebbar. "Handelnd und vertrauend offenbaren die Menschen jeweils wer sie sind."

      Hannah Arendt, die 1975 mit der Zigarette in der Hand an einem Herzinfarkt starb, hat sich handelnd und sprechend offenbart: als leidenschaftliche, unbeeindruckbar selbstständige Denkerin. Über ihre Erlebnisse mit Hannah Arendt sprechen in Simone Reuters dichtem Portrait u. a. Daniel Cohn-Bendit und Joachim Fest.

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