• 15.11.2013
      22:00 Uhr
      Nachtcafé Das große Glück des Gebens | SWR Fernsehen RP
       

      Die Gäste:

      • Marion Kracht, Schauspielerin
      • René Zeyer, Journalist
      • Marion Lieser, Geschäftsführerin der Hilfsorganisation Oxfam
      • Rosemarie Sieß-Vogt, Lehrerin
      • Elombo Bolayela, SPD-Abgeordneter und ehemaliger Flüchtling
      • Johann Lafer, Gourmetkoch und Unternehmer
      • Bettina Hilliger
      • Dr. Manuel Bobrich, Arzt

      Freitag, 15.11.13
      22:00 - 23:30 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

      Die Gäste:

      • Marion Kracht, Schauspielerin
      • René Zeyer, Journalist
      • Marion Lieser, Geschäftsführerin der Hilfsorganisation Oxfam
      • Rosemarie Sieß-Vogt, Lehrerin
      • Elombo Bolayela, SPD-Abgeordneter und ehemaliger Flüchtling
      • Johann Lafer, Gourmetkoch und Unternehmer
      • Bettina Hilliger
      • Dr. Manuel Bobrich, Arzt

       

      Das Ausmaß des verheerenden Taifuns auf den Philippinen ist immens: Tausende Tote, Hunderttausende obdachlos, zerstörte Städte und Dörfer. Doch die Welt schaut nicht nur tatenlos zu - auch Deutschland unterstützt die Menschen im Katastrophengebiet. Hilfe, die dringend benötigt wird und auch ankommt. Eine Selbstverständlichkeit ist es für die einen, die die hehren Ideale der Nächstenliebe mit Hingabe leben. Und das nicht nur in Katastrophenzeiten, sondern auch im Alltag. Aber ist Geben wirklich seliger denn Nehmen? Von wegen, sagen die anderen, die soziales Engagement als pures Kalkül mit der Hoffnung auf Gegenleistung in Form von gesellschaftlicher Anerkennung abtun. Was gibt uns das Geben? Übernimmt der Bürger dadurch nicht Aufgaben, die eigentlich der Staat ausfüllen sollte - und nimmt ihn somit aus seiner Verantwortung? Wo ist die Grenze zum Helfersyndrom?

      Die Gäste:
      Schauspielerin Marion Kracht engagiert sich seit vielen Jahren mit Herzblut für das Kinderhilfswerk Plan International und die Berliner Tafel. Sie ist sich sicher: "Helfen macht glücklich." Rein finanzielle Unterstützung reicht ihr aber lange nicht. Um sich selbst ein Bild von der Not der Bedürftigen zu machen, fliegt sie jedes Jahr nach Afrika oder verteilt selbst Essen an die Armen.

      Der Journalist René Zeyer hält diese Art der Armutsbekämpfung für gescheitert. Der Autor ist überzeugt, dass die großen Hilfsorganisationen mit ihrer Hilfe unter dem Deckmantel der Nächstenliebe die Not der Menschen eher vergrößern: "Wir müssen die Menschen fordern, sich selbst zu helfen. So aber werden Bedürftige nur zu unmündigen und abhängigen Empfängern."

      Die Geschäftsführerin der Hilfsorganisation Oxfam Marion Lieser kann diese Vorwürfe nicht nachvollziehen. Ihr ganzes Leben schon kämpft sie als Entwicklungshelferin gegen die Armut in der Welt. "Der Anblick unterernährter Kinder ist für mich bis heute unerträglich", sagt die dreifache Mutter. Für sie ist klar: "Die reichen Länder können sich nicht aus der Verantwortung stehlen, wenn eine Milliarde Menschen vom Hungertod bedroht sind."

      Rosemarie Sieß-Vogt hat zum Thema "Geben" ein zwiespältiges Verhältnis. Einerseits kann sich die Rottenburgerin mit dem Asylbewerberheim in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft nicht anfreunden. "Es ist laut geworden und ich fühle mich nachts nicht mehr sicher", sagt die Lehrerin. Andererseits hat ein junges Mädchen einer iranischen Flüchtlingsfamilie ihr Herz erobert. Ihr will sie eine gute Zukunft ermöglichen und gibt ihr Deutschunterricht.

      Ein Flüchtling war auch Elombo Bolayela. Mit Hilfe einer Schleuserbande kam er vom Kongo nach Deutschland, legte eine Bilderbuch-Karriere hin und schaffte es zumersten schwarzen SPD-Abgeordneten Deutschlands. Noch heute ist er seiner neuen Heimat sehr dankbar: "Es war ein großes Glück, Hilfe zu bekommen. Ohne die Unterstützung vieler Menschen hier in Deutschland hätte ich das nie geschafft."

      Auch Johann Lafer fühlt sich in der Geberrolle wohl. Der Gourmetkoch und Unternehmer unterstützt finanziell mehrere Hilfsprojekte, stellt sich aber auch selbst in der Schulkantine an den Herd und verköstigt hungrige Kinder. Für ihn steht fest: "Geben ist seliger als Nehmen. Wer im Wohlstand lebt, hat auch die Verpflichtung, abzugeben. Unsere Gesellschaft muss wieder näher zusammenrücken."

      Bettina Hilliger hat nicht nur sechs eigene Kinder großgezogen, sie kümmert sich auch um fremde. Über 50 Pflegekindern, die in ihren eigenen Familien missbraucht oder misshandelt wurden, hat sie in den letzten zwei Jahrzehnten ein Zuhause gegeben. "Meine Mutterliebe ist für jedes Kind groß. Ich bin selbst in einem harmonischen Elternhaus aufgewachsen. Das möchte ich an andere weitergeben."

      An der Bar:
      Dr. Manuel Bobrich kann das Ausmaß der Taifun-Katastrophe auf den Philippinen nicht tatenlos aus der Ferne hinnehmen. Der junge Arzt ist im Einsatzteam der Hilfsorganisation Humedica und wird ehrenamtlich vor Ort Verletzte behandeln: "Diese Menschen brauchen dringend unsere Hilfe. Ich bin mit dem Herzen bei der Sache, bekomme dafür aber auch viel Dankbarkeit zurück."

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