• 02.02.2021
      21:00 Uhr
      Bernstein aus der Kohlegrube - der Schatz von Bitterfeld MDR FERNSEHEN
       

      Bitterfeld - beim Namen dieser Stadt denken viele an Chemie und Umweltverschmutzung in der DDR. Doch es lagerten auch große Mengen Braunkohle dort. Und noch ein anderer Schatz: Bernstein. Ab Mitte der 1970er-Jahre wurde das festgewordene Baumharz sogar in Größenordnungen abgebaut.
      Aus dem Bitterfelder Bernstein entstanden Broschen, Ketten, Vasen, Schachfiguren - nach Kuwait wurden zum Beispiel Gebetskränze geliefert. Der Stein ist jedoch auch in anderer Hinsicht ein besonderes Mineral: Er enthält viele Inklusen - Einschlüsse von Insekten und Lebewesen.

      Dienstag, 02.02.21
      21:00 - 21:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Bitterfeld - beim Namen dieser Stadt denken viele an Chemie und Umweltverschmutzung in der DDR. Doch es lagerten auch große Mengen Braunkohle dort. Und noch ein anderer Schatz: Bernstein. Ab Mitte der 1970er-Jahre wurde das festgewordene Baumharz sogar in Größenordnungen abgebaut.
      Aus dem Bitterfelder Bernstein entstanden Broschen, Ketten, Vasen, Schachfiguren - nach Kuwait wurden zum Beispiel Gebetskränze geliefert. Der Stein ist jedoch auch in anderer Hinsicht ein besonderes Mineral: Er enthält viele Inklusen - Einschlüsse von Insekten und Lebewesen.

       

      Bitterfeld - beim Namen dieser Stadt denken viele an Chemie und Umweltverschmutzung in der DDR. Doch es lagerten auch große Mengen Braunkohle dort. Und noch ein anderer Schatz: Bernstein. Ab Mitte der 1970er-Jahre wurde das festgewordene Baumharz sogar in Größenordnungen abgebaut - weil ein anderer Lieferant ausfiel: "Wir haben damals unseren Bernstein aus der Sowjetunion bezogen, aber die haben nicht immer so geliefert", erinnert sich Thomas Radtke. Er war zu DDR-Zeiten Lehrling beim VEB Ostseeschmuck in Ribnitz-Damgarten. "Dann wurden schließlich Zeitungsanzeigen geschaltet - auf der Suche nach Bernstein" - und der Betrieb erhielt vor allem aus dem Bitterfelder Raum viele Päckchen.

      Man forschte nach und begann ab Mitte der 70er-Jahre in Bitterfeld, neben der Braunkohle, auch Bernstein abzubauen. Bis zu knapp 50 Tonnen pro Jahr sollten es werden bis zum Ende der DDR. "Bei der Technik musste improvisiert werden", weiß Bergmann Gerhard Liehmann. Er und seine Kollegen experimentierten mit Betonmischern, um den Bernstein aus dem restlichen Gestein herauszuwaschen. Und es wurde eine eigene Aufbereitungsanlage entwickelt, die in einem Patent mündete.

      Aus dem Bitterfelder Bernstein entstanden Broschen, Ketten, Vasen, Schachfiguren - nach Kuwait wurden zum Beispiel Gebetskränze geliefert. Der Stein ist jedoch auch in anderer Hinsicht ein besonderes Mineral: Er enthält viele Inklusen - Einschlüsse von Insekten und Lebewesen. Solche Fundstücke sind es, die Ivo Rappsilber faszinieren. Der Geophysiker beschäftigt sich seit mehreren Jahrzehnten mit dem Bitterfelder Bernstein und lässt Fundstücke mit ihren Inklusen analysieren. "Die Einschlüsse sind eine faszinierende Zeitkapsel, die Einblicke ermöglichen, wie die Bitterfelder Region vor Millionen von Jahren ausgesehen haben könnte."

      Nach der Wende wurde der Bernstein aus Bitterfeld auch für die Westdeutschen interessant. "Anfang der 90er-Jahre bin ich oft nach Bitterfeld gefahren", erinnert sich Carsten Gröhn, der in vielen Ländern auf Bernsteinsuche war. "Das ganze Wochenende war ich dort, mit vielen anderen Sammlern, und wir haben kiloweise Steine aufgelesen und ins Auto verstaut." Noch heute besucht der Hamburger regelmäßig die Stadt in Sachsen-Anhalt.
       
      Wo einst Kohle gefördert wurde, ist inzwischen eine Seenlandschaft entstanden. Bernstein wird dennoch weiter gefördert, aus dem Großen Goitzschesee. Andreas Wendel holt mit einem Schwimmbagger den begehrten Schatz vom Seegrund an die Oberfläche. Er kann sich sogar ein Bernsteinzentrum in der Stadt vorstellen. "Vielleicht", sagt er, "wird Bitterfeld dann als Bernsteinstadt bekannt und lockt noch mehr Touristen an."

      Film von Karin Roxer und Heiko Kunzmann

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