• 22.10.2020
      22:40 Uhr
      Urteil im Halbstundentakt Richterin am Sozialgericht | MDR FERNSEHEN
       

      Morgens 7:30 Uhr: Ein Kleintransporter rollt in den Hof des Dresdner Sozialgerichts und liefert -wie jeden Tag- über 100 Briefe, Päckchen und Ordner. Im Jahr 2019 waren es 13.750 neue Klageverfahren und 750 Eilverfahren, die allein in Dresden von nur 46 Richterinnen und Richtern bearbeitet werden mussten. Wenn Richterin Friederike von Wedel um 8:00 Uhr ihre Post abholt, bleibt ihr nur wenig Zeit bis zur ersten Verhandlung.

      Moderation: Nadja Storz

      Donnerstag, 22.10.20
      22:40 - 23:08 Uhr (28 Min.)
      28 Min.

      Morgens 7:30 Uhr: Ein Kleintransporter rollt in den Hof des Dresdner Sozialgerichts und liefert -wie jeden Tag- über 100 Briefe, Päckchen und Ordner. Im Jahr 2019 waren es 13.750 neue Klageverfahren und 750 Eilverfahren, die allein in Dresden von nur 46 Richterinnen und Richtern bearbeitet werden mussten. Wenn Richterin Friederike von Wedel um 8:00 Uhr ihre Post abholt, bleibt ihr nur wenig Zeit bis zur ersten Verhandlung.

      Moderation: Nadja Storz

       

      Morgens 7:30 Uhr: Ein Kleintransporter rollt in den Hof des Dresdner Sozialgerichts und liefert -wie jeden Tag- über 100 Briefe, Päckchen und Ordner. Im Jahr 2019 waren es 13.750 neue Klageverfahren und 750 Eilverfahren, die allein in Dresden von nur 46 Richterinnen und Richtern bearbeitet werden mussten. Wenn Richterin Friederike von Wedel um 8:00 Uhr ihre Post abholt, bleibt ihr nur wenig Zeit bis zur ersten Verhandlung.

      Allein an diesem Tag wird sie vier gerichtlichen Auseinandersetzungen vorsitzen. Auf ihrem Schreibtisch türmen sich die Akten. Jedes Schriftstück muss gelesen, jeder Sachverhalt gründlich geprüft, Gutachter eingeschaltet werden. Das kostet Zeit und hat Auswirkungen auf diejenigen, die auf eine Verhandlung, eine Entscheidung warten.

      So ist das nicht nur in Dresden am Sozialgericht. Auch in Leipzig stapeln sich die Klagen. Die Rechtsanwältin Nannette von Zitzewitz hat Mandanten, die oft Jahre auf einen Termin am Sozialgericht warten. Sie muss immer wieder vertrösten, erklären und auch in ihrer Kanzlei werden die unerledigten Fälle mehr und mehr.

      "Im Namen des Volkes" Recht sprechen - lange hat Friederike von Wedel darauf hingearbeitet. Nach ihrem Jura-Studium begann sie die Ausbildung zur Richterin. Drei Jahre war sie Proberichterin, bevor sie zunächst als Betreuungsrichterin am Amtsgericht ihre Laufbahn begann.

      Statt in Gerichtssälen in spektakulären Fällen zu entscheiden, fällt sie viele ihre Urteil hinter dem Schreibtisch? Eine Arbeit, die auch das private Leben beeinflusst. Die Zweifel: "Entscheide ich richtig?" - sind immer da. Zum Beispiel wenn sie einer alleinerziehenden Mutter den Zuschuss zu ihrem Harz IV-Satz streichen muss, obwohl sie weiß, dass diese Mutter nur mit Unterstützung der TAFEL überleben kann.

      Die Reportage fragt: Wie weit geht die moralische Verantwortung einer Richterin? Was ist ein angemessenes Strafmaß und wie wird man damit fertig, wenn man menschlich anders entscheiden möchte, juristisch aber die Hände gebunden sind? Und wie geht es denen, die manchmal jahrelang auf eine Entscheidung warten?

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      Donnerstag, 22.10.20
      22:40 - 23:08 Uhr (28 Min.)
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