• 13.02.2020
      22:20 Uhr
      artour Das Kulturmagazin des MDR | MDR FERNSEHEN
       

      Die Themen:

      • Dresden, 13. Februar 45 und das Trauma
      • "Das Erotik Magazin" aus Leipzig
      • Goitzsche Front - Die Axt aus der Provinz
      • Peter Wawerzineks und der Film "Lievalleen"
      • Kulturkalender

      Donnerstag, 13.02.20
      22:20 - 22:50 Uhr (30 Min.)
      30 Min.

      Die Themen:

      • Dresden, 13. Februar 45 und das Trauma
      • "Das Erotik Magazin" aus Leipzig
      • Goitzsche Front - Die Axt aus der Provinz
      • Peter Wawerzineks und der Film "Lievalleen"
      • Kulturkalender

       
      • Dresden, 13. Februar 45 und das Trauma:

      Die Hoheit über die Erinnerung sei ein Schlachtfeld, schreibt der britische Journalist Sinclair McKay. Man müsse größte Vorsicht walten lassen, um nicht versehentlich Ideologen Schützenhilfe zu geben.

      McKay hat - pünktlich zum 75. Jahrestag - eine Art Tatsachenroman über die Bombardierung Dresdens im Februar 1945 geschrieben, „Die Nacht, als das Feuer kam." Es ist nicht das erste Buch, das zu diesem Thema erscheint. Keine andere deutsche Stadt beschäftigt sich so intensiv mit ihrer Bombardierung, wie Dresden - obwohl es viele andere Städte nicht minder dramatisch traf: Hamburg, Köln, Pforzheim.

      Doch allein in Dresden wird seit 1945 beinahe ununterbrochen um die Deutungshoheit über diese Nacht gerungen. McKay hat nun also - mit aller Vorsicht - ein weiteres Buch geschrieben. Er hat akribisch die deutschen und britischen Archive und Bibliotheken nach Augenzeugenberichten durchsucht. Aus den verschiedensten Berichten von gänzlich unbekannten, bis hin zu berühmten Persönlichkeiten wie Victor Klemperer oder Rudolf Mauersberger, hat er einen erschütternden Tatsachenbericht über die Schrecken und die Abstumpfung des Krieges geschrieben. Die Bombardierung von Dresden, so sagt McKay, sei auch für ihn selbst und viele Briten ein moralischer Schandfleck, für den man sich noch immer schäme. Sein Buch versammelt erstmals in breiter Fülle die zahlreichen Augenzeugenberichte, die im Dresdner Stadtarchiv zusammengetragen wurden.

      • "Das Erotik Magazin" aus Leipzig:

      Einen anderen Zugang zum Thema Erotik, jenseits von rein männlich dominierten Bedürfnissen und jenseits der schnellen Befriedigung im Internet. In gedruckter Form. Diesen Zugang will ein Erotik Magazin aus Leipzig anbieten, hinter dem elf junge Frauen stehen. Sie selbst arbeiten künstlerisch zu diesem Thema und veröffentlichen ihre Arbeiten im Magazin. So wie Jeanne, die in ihren großformatigen Bildern ihren eigenen Körper öffentlich studiert. Oder Ann-Kathrin, deren Fotografie das Cover der letzten Ausgabe zierte. Die Studentin der Bauhaus Universität Weimar fotografiert Freunde, Bekannte und Familie nackt. Zu sehen ist in ihrer Kunst dann immer nur ein Ausschnitt. Das Erotik-Magazin will eine Auseinandersetzung mit Erotik anbieten, die jenseits von konventionellen Bildern, Werbung, Porno und Playboy stattfindet. Der ständigen Verfügbarkeit von Nacktheit und Sex im Netz soll etwas Haptisches, Analoges entgegengestellt werden. Für ihr ein- bis zwei Mal jährlich erscheinendes Heft suchen sie in Open-Calls aus der Kunst-Szene nach Arbeiten zum Thema Erotik. artour hat sich mit den Herausgeberinnen des Magazins getroffen.

      • Goitzsche Front - Die Axt aus der Provinz:

      "Der Osten rockt" - brüllt es am vergangenen Sonntag aus hunderten Kehlen. "Wir werden es euch zeigen, was es heißt ein Ossi zu sein." Auf der Bühne vor dem tobenden Publikum: die Bitterfelder Band Goitzsche Front. Doch das Konzert findet nicht irgendwo im Osten statt, sondern in Frankfurt am Main. Vier Jungs, Anfang 30 haben den Ostrock in die Charts gebracht. Ihre Musik, hart und laut, ihre Texte kämpferisch, bierselig und mit großer Liebe zur DDR und Ostdeutschland. "Männer aus Stahl fahren Autos aus Pappe", heißt es da zum Beispiel oder "Wir sind nicht normal, nein, wir sind aus dem Osten." Mit "Ostgold" ist nun das fünfte Album der Band erschienen, die sich nach dem ehemaligen Tagebau und heutigem Naherholungsgebiet in Bitterfeld benannt hat. Erfolgreich sind sie in Ost und West. Die Musiker verstehen sich als Botschafter für einen Osten, der nicht abgehängt, nicht gebeutelt, sondern lebenswert und selbstbewusst sein will. Ihre Musik soll nach eigener Aussage vor allem eines sein: ehrlich, geradeaus und authentisch. Doch nicht zuletzt waren es auch die Texte über Heimatverbundenheit und Stolz, die Rufe laut werden ließen, Goitzsche Front fische bewusst am rechten Rand. artour hat die Band, die sich gegen diese Vorwürfe vehement wehrt, auf ihrer Tour und in ihre Heimatstadt begleitet.

      • Peter Wawerzineks und der Film "Lievalleen"

      Ein halbes Jahrhundert quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn und seine Schwester in der DDR zurückließ, als sie in den Westen floh. In seinem Roman "Rabenliebe" hat er darüber geschrieben: über das schwarze Loch, das sich durch ihre Abwesenheit für ihn aufgetan hatte, über eine Kindheit in wechselnden Bezugspersonen, die ihn für Jahre verstummen ließ, über die Unfähigkeit zu formulieren, was Heimat für ihn war, über das schreckliche Gefühl der Mutterlosigkeit. 2010 wurde sein Text mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Unmittelbar danach begann er, gemeinsam mit dem Filmemacher Steffen Sebastian die Orte seiner Kindheit aufzusuchen: das Kinderheim, in dem er untergebracht wurde, das Haus der Adoptiveltern, die Psychiatrie, in die seine Schwester gesteckt wurde und in der sie ihre gesamte Kindheit und Jugend verbrachte. Seine Schwester Beate hat ihn auf dieser Spurensuche in die Vergangenheit begleitet. "Lievalleen" ist eine filmische Begegnung zweier Geschwister, die ein Trauma teilen und deren Leben höchst unterschiedlich verlaufen sind.

      • Kulturkalender
      • Sonderausstellung "Choco, Choco, Chocolate - 500 Jahre Kulturgeschichte des Kakao" im Kreismuseum Genthin - bis 19.04.
      • UA "Mili(tanz!)" in der Reihe "Showcase" für zeitgenöss. Tanz in der Oper Chemnitz (15.02.)
      • Marco Tschirpke in Weimar

      "artour" ist das Kulturmagazin für das MDR-Sendegebiet und für Ostdeutschland. "artour" wird in Rostock wie in Weimar geschaut, aber natürlich auch in Hamburg und München. Das Kulturmagazin mit Ostkompetenz greift Themen auf, die die Zuschauer bewegen.
      Von Thälmann bis Theater, von der Kittelschürze bis zum Konzert, von der Off-Bühne bis zur Oper. Themen werden auch mal gegen den Strich gebürstet, egal, ob es sich um eine Kunstausstellung oder einen kulturpolitischen Skandal handelt.

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