• 19.03.2019
      21:00 Uhr
      Das "Lümmelheim" in Burg - Ungezogen, umerzogen Der Osten - Entdecke wo du lebst | MDR FERNSEHEN
       

      "In den Heimen der DDR wurde mir meine Kindheit und Jugend genommen", sagt der heute 64-jährige Volkmar J. Viele Jahre lebte er in Heimen der DDR. Ab 1968 wurde er für eineinhalb Jahre im größten Jugendwerkhof der DDR in Burg bei Magdeburg untergebracht. Für die Einheimischen war es das "Lümmelheim" - für viele der sogenannten Zöglinge war der in Gut Lüben eingerichtete Jugendwerkhof "August Bebel" einer der schlimmsten Orte ihres Lebens. Autorin Franziska Kruse taucht tief in die bislang eher unbekannte Geschichte und Gegenwart dieses Ortes ein.

      Dienstag, 19.03.19
      21:00 - 21:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      "In den Heimen der DDR wurde mir meine Kindheit und Jugend genommen", sagt der heute 64-jährige Volkmar J. Viele Jahre lebte er in Heimen der DDR. Ab 1968 wurde er für eineinhalb Jahre im größten Jugendwerkhof der DDR in Burg bei Magdeburg untergebracht. Für die Einheimischen war es das "Lümmelheim" - für viele der sogenannten Zöglinge war der in Gut Lüben eingerichtete Jugendwerkhof "August Bebel" einer der schlimmsten Orte ihres Lebens. Autorin Franziska Kruse taucht tief in die bislang eher unbekannte Geschichte und Gegenwart dieses Ortes ein.

       

      Sie waren zwischen 14 und 18 Jahre alt, galten als verhaltensauffällig, nicht systemkonform oder schwer erziehbar. In den Jugendwerkhöfen sollten sie im Sinne der sozialistischen Ideologie zu Gehorsam umerzogen werden - durch strenge Disziplin, einen stark reglementierten Tagesablauf, stetige Arbeit im Handwerk und in der Industrie. "Das Schlimmste war die Angst vor der Bestrafung durch die Gruppe (…) Es kann sich keiner vorstellen, wie schlimm das war", berichtet Volkmar J. Auch Torsten und Nicole E., die Ende der 80er-Jahre im "Lümmelheim" von Burg leben mussten, bestätigen Demütigungen, Körperstrafen und Isolation durch Arrest.

      Doch es gibt auch Zeitzeugen, die ganz andere Erinnerungen an die Zeit im Jugendwerkhof haben. So erzählt die heute 52-jährige Dorit B., die aus einem schwierigen Elternhaus weglief: "Ich hatte Glück mit meiner Gruppe. Es war eine Art Familienersatz. Einige der anderen Mädchen waren wie meine Schwestern, einige Jungen wie meine Brüder."

      Die Geschichte des Gutes Lüben als Erziehungsanstalt beginnt bereits 1912. Noch heute stehen fast alle der alten Gebäude - auch das sogenannte "feste Haus", das ehemalige Gefängnis der Anstalt. Viele Jahre wurden hier "schwer erziehbare" Jugendliche gezüchtigt, so auch im Nationalsozialismus. Es gibt sogar Hinweise, dass einige von ihnen nach "erb- und rassenbiologischen" Gesichtspunkten als "erbkrank" eingestuft und zwangssterilisiert wurden.
      Heute ist das dunkle Kapitel der Heimerziehung auf Gut Lüben Geschichte. Aber eine, die noch weiter aufgearbeitet werden muss. Dafür setzen sich ehemalige Jugendwerkhofbewohner gemeinsam mit dem heutigen Träger ein. Denn seit 1991 befindet sich auf dem riesigen Gelände das Cornelius-Werk, eine Einrichtung der Diakonie. Hier findet ebenso Erziehungsarbeit statt, doch unter ganz anderen Vorzeichen und Bedingungen. Die meisten der Kinder und Jugendlichen hier kommen aus schwierigen Familienverhältnissen. Im Cornelius-Werk sollen sie wieder Halt, Vertrauen sowie praktische und seelische Lebenshilfe bekommen.

      Autorin Franziska Kruse taucht tief in die bislang eher unbekannte Geschichte und Gegenwart dieses Ortes ein. Im Rahmen der Reihe "Der Osten - Entdecke wo du lebst" kommen verschiedene Zeitzeugen zu Wort, die als unerzogen galten und umerzogen werden sollten. Auch durch historische Aufnahmen zeichnet der Film ein Bild von Erziehungsmethoden im Wandel der Zeit.

      Ein Film von Franziska Kruse

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