• 06.11.2011
      04:55 Uhr
      Legenden Uwe Seeler | NDR Fernsehen
       

      Die Dokumentation zeigt unter anderem unveröffentlichtes 8mm-Material aus dem Privatarchiv der Familie Seeler und den Original-Vertragsentwurf von Inter Mailand aus dem Jahre 1961.

      Nacht von Samstag auf Sonntag, 06.11.11
      04:55 - 05:40 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Die Dokumentation zeigt unter anderem unveröffentlichtes 8mm-Material aus dem Privatarchiv der Familie Seeler und den Original-Vertragsentwurf von Inter Mailand aus dem Jahre 1961.

       

      Stab und Besetzung

      Regie Henning Rütten
      Autor Henning Rütten
      Redaktion Silvia Gutmann

      Uwe Seeler hat unzählige Mosaiksteine geliefert, die ihn zum Mythos machen: Er war schon mit 17 Nationalspieler, er köpfte das berühmteste Tor der Fußballgeschichte und erzielte 43 Treffer in 72 Ländersielen. 40 Jahre später ist Uwe Seeler immer noch viel unterwegs. Empfänge, Jubiläen, Sportartikelmesse. Und kaum ein Termin vergeht, ohne dass spontan der alte Schlachtruf aufbrandet, begleitet von rhythmischem Klatschen: "Uwe, Uwe, Uwe". Warum ist ausgerechnet der Mann, der nicht Weltmeister wurde, weder 1954 noch 1974, bis heute einer von Deutschlands populärsten Fußballern geblieben?

      "Uns Uwe" ist sein Spitzname. Einer von uns - so hat es eine ganze Generation von Fußballfans empfunden. Seeler hat Fußball gearbeitet. Er lag im Schlamm, er schmiss sich in den Schnee, er kroch und hechtete so lange über das Gras, so lange es noch eine minimale Chance gab, den Ball zu erreichen und ins Tor zu bekommen. Egal mit welchem Körperteil. Diese Art Fußball zu spielen, machte ihn zur Identifikationsfigur. "Uwe Seeler wurde zum Idol, weil er hundertprozentig in seine Zeit passte. Er verkörperte die Werte, für die die junge Bundesrepublik stand: ehrliche Arbeit, Einsatz, Fleiß", sagt der langjährige Fußballreporter Rudi Michel.

      Aber Seeler hat nicht nur gerackert. Er war Artist. Er hat Tore geschossen, wie man sie vorher noch nicht gesehen hatte. Fallrückzieher, Flugkopfbälle: Von Kindesbeinen an hatte Seeler trainiert, den Ball zielgenau zu treffen, auch wenn er quer in der Luft lag. "Die Menschen kamen im ganzen Bundesgebiet in die Stadien, um Uwe Seeler zu sehen. Sie wussten, wenn Seeler mitspielt, passiert immer etwas Außergewöhnliches, und auf den Plakaten stand: Zu Gast: Der Hamburger SV mit Uwe Seeler", erinnert sich sein Mitspieler Gerhard Krug.

      April 1961. Uwe Seeler fährt in Hamburg die Alster entlang. Sein Ziel ist das Hotel Atlantic. Hamburgs feinste Adresse. Ein smarter italienischer Fußballtrainer ist seinetwegen angereist und hat Seeler zu einem Gespräch in eine Luxussuite gebeten. Helenio Herrera will Seeler zu Inter Mailand holen. Eine Million Mark soll es alleine als Prämie für die Unterschrift geben. "Das Angebot war sensationell. Nicht nur die eine Million, von der die Zeitungen schrieben. Die Nebengeräusche waren nochmal genauso gut", erzählt Seeler. Und dazu Auto, Villa, deutsche Schule für die Kinder. Aber Seeler schickt den Mann mit dem Geldkoffer wieder nach Hause. "Es kam aus dem Bauch heraus. Die wären noch viel höher gegangen mit ihrem Angebot. Aber nach drei Tagen habe ich gesagt: Schluss, aus, ich bin Hamburger und bleibe in Hamburg." Damit ist Uwe Seeler endgültig ein Volksheld. Er bleibt in Deutschland, wird zum Inbegriff des HSV und zum Sinnbild des fairen Sportmanns.

      1966 führt er als Kapitän die deutsche Nationalmannschaft nach der Niederlage zur Loge der Queen. Sein damaliger Gegner Bobby Charlton ist noch heute angetan: "Uwe hat es verstanden, der deutschen Mannschaft Haltung zu verleihen. Das war Sportsgeist wie ich ihn selten wieder erlebt habe."

      Uwe Seeler hat unzählige Mosaiksteine geliefert, die ihn zum Mythos machen: Er war schon mit 17 Nationalspieler, er köpfte das berühmteste Tor der Fußballgeschichte, Seeler erzielte 43 Treffer in 72 Ländersielen, er spielte mit gebrochener Nase. Für diese Leistungen wird Uwe Seeler verehrt. Mindestens genauso aber für sein Verhalten abseits des Spielfeldes. Seeler fuhr nie schnelle Autos, wechselte nie die Frau, er wohnt seit mehr als 45 Jahren in seinem Bungalow in Norderstedt. Er steht für Bodenständigkeit und hanseatisches Understatement. Keine Allüren, keine Eskapaden. "Es macht mir Freude, in diesen Dingen altmodisch zu sein", sagt Uwe Seeler. "Das Schönste auf der Welt ist, normal zu sein", so ist sein Lebensmotto. Und man findet keine Belege dafür, dass er es nicht ernst meint.

      Die Dokumentation zeigt unter anderem unveröffentlichtes 8mm-Material aus dem Privatarchiv der Familie Seeler und den Original-Vertragsentwurf von Inter Mailand aus dem Jahre 1961. Als Zeitzeugen und Wegbegleiter kommen unter anderem zu Wort: Ilka Seeler, Sir Bobby Charlton, Franz Beckenbauer, Rudi Michel, Willi Schulz, Max Lorenz, Freddy Quinn und Rosi Mittermaier.

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      Nacht von Samstag auf Sonntag, 06.11.11
      04:55 - 05:40 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

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