• 31.08.2019
      08:30 Uhr
      DIE REPORTAGE Wetter extrem - Zwischen Sturmflut und Dürre | NDR Fernsehen
       

      Vertrocknete Deiche, rissige Böden wie nach einer Dürre, schwere Sturmfluten, Starkregen und überschwemmtes Marschland: "Wetter extrem" in Norddeutschland. Es ist nicht mehr zu übersehen: Mit dem Klima verändert sich der Norden. Was bedeutet das für die Bewohnerinnen und Bewohner an der Nordseeküste und im Hinterland?

      Samstag, 31.08.19
      08:30 - 09:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.

      Vertrocknete Deiche, rissige Böden wie nach einer Dürre, schwere Sturmfluten, Starkregen und überschwemmtes Marschland: "Wetter extrem" in Norddeutschland. Es ist nicht mehr zu übersehen: Mit dem Klima verändert sich der Norden. Was bedeutet das für die Bewohnerinnen und Bewohner an der Nordseeküste und im Hinterland?

       

      Vertrocknete Deiche, rissige Böden wie nach einer Dürre, schwere Sturmfluten, Starkregen und überschwemmtes Marschland: "Wetter extrem" in Norddeutschland. Es ist nicht mehr zu übersehen: Mit dem Klima verändert sich der Norden. Was bedeutet das für die Bewohnerinnen und Bewohner an der Nordseeküste und im Hinterland?

      Silke und Jörg Backsen, Biobauern auf Pellworm, klagen deshalb gegen die Bundesregierung. Zusammen mit anderen Biobauern und der Umweltschutzorganisation Greenpeace wollen sie erreichen, dass die Regierung ihre Klimaziele umsetzt. Die Familie Backsen mit ihren vier Kindern lebt vom Getreideanbau und von der Viehzucht. Die Dürreperiode 2018 ließ die Felder vertrocknen. Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht ihren Hof. Ob ihre Kinder auf Pellworm noch eine Zukunft haben, ist fraglich. Doch die Bundesregierung verschleppt den Klimaschutz, statt ihn aktiv anzugehen. "40 Prozent CO2 sollten eingespart werden von 1990 bis jetzt. Es gab zig Kabinettsbeschlüsse. Passiert ist nichts. Wir wollen, dass die Regierung endlich handelt", sagt Silke Backsen.

      Die Bewohnerinnen und Bewohner an der Nordseeküste leben seit Jahrhunderten mit dem Meer. Wie verheerend Sturmfluten sind, zeigen die Spuren untergegangener Siedlungen im Watt. Philipp Abresch trifft dort den Klimaforscher Prof. Mojib Latif, Leiter des Forschungszentrums GEOMAR. Vor etwa 700 Jahren ist hier ein ganzes Dorf untergegangen. Nur Fundamente, Brunnenreste und Scherben von altem Geschirr sind noch übrig. Die sogenannte Grote Mandränke war eine Jahrhundertflut. Ein singuläres Ereignis. "Heute ändert sich das Klima mit unglaublicher Geschwindigkeit. Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann müssen wir damit rechnen, dass noch viel mehr Land im Meer versinkt", sagt Mojib Latif.

      Diese Sorge treibt auch die Bewohnerinnen und Bewohner von Cuxhaven um, vor allem im Stadtteil Sahlenburg. In dem vom Tourismus geprägten Ortsteil gibt es keinen Deich. Seit 40 Jahren kämpfen die Einheimischen dafür, bisher vergeblich. Auch hier stehen Existenzen auf dem Spiel, wie Philipp Abresch erfährt. Familienbetriebe wie die Bäckerei Itjen oder das Hotel von Ines und Axel Finck. Beim Orkantief "Xaver" im Jahr 2013 entgingen sie nur knapp einer Überflutung. Dass der Meeresspiegel immer schneller steigt, belegen Messdaten, die das Recherchenetzwerk CORRECTIV ausgewertet hat, und beunruhigt die Itjens sehr. Auch sie wollen, dass die Regierung in Sachen Klimaschutz endlich handelt und Sahlenburg einen Deich bekommt.

      Die Klimakrise im Norden hat viele Gesichter. Landwirt Nico Nommsen auf Pellworm wusste im Dürresommer 2018 nicht, wie er seine Milchkühe und Bullen durchbringen soll und verkaufte in seiner Not Tiere schon vor der Schlachtreife.

      Auch die Bäume von Apfelbauer Jan Plüschau litten unter den anhaltend hohen Temperaturen. Philipp Abresch trifft ihn auf seinem Hof. Das größte Problem: Bei Starkregen droht der gesamten Marsch Land unter. Die Pegel von Nordsee, Elbe und Pinnau steigen. Die Entwässerungstechnik ist alt und marode und für extreme Wetterereignisse, die mit dem Klimawandel einhergehen, nicht gerüstet.

      Viele Menschen haben mittlerweile begriffen, dass umgesteuert werden muss, um die Folgen der Klimaerwärmung in Grenzen zu halten. Veganer etwa versuchen ihren CO2-Fußabdruck zu minimieren, indem sie auf tierische Nahrung verzichten. Denn unbestritten ist: Die Massentierhaltung heizt das Klima weiter an. Der Wursthersteller Rügenwalder Mühle in Bad Zwischenahn in Niedersachsen hat deshalb einen Teil seiner Produktion auf vegane Produkte umgestellt. Philipp Abresch, weder Veganer noch Vegetarier, probiert die Veggie-Varianten. Dabei erzählt Geschäftsführer Godo Röben, wie er versucht, in der Fleischbranche ein Umdenken durchzusetzen. Mut machen Röben die Konsumenten. Immerhin macht das Unternehmen mittlerweile schon 30 Prozent seines Umsatzes mit fleischlosen vegetarischen Produkten.

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