• 30.01.2015
      07:30 Uhr
      Auschwitz war auch meine Stadt Film von Konstanze Burkard | rbb Fernsehen
       

      "Als ich mit dem Zug nach Auschwitz fuhr, da guckte ich aus dem Fenster und sah in der Ferne lauter so gestreifte Häufchen, wie Kartoffelkäfer. Bloß größer. Und das wusste ich nicht, dass das Häftlinge waren. Das war meine erste Begegnung mit Häftlingen, die in Auschwitz stationiert waren", erinnert sich Johanna Scherzberg, die mit 19 Jahren ihr strenges Elternhaus in Thüringen verließ und 1942 als kaufmännische Angestellte der IG Farben nach Auschwitz zog.

      Freitag, 30.01.15
      07:30 - 08:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      "Als ich mit dem Zug nach Auschwitz fuhr, da guckte ich aus dem Fenster und sah in der Ferne lauter so gestreifte Häufchen, wie Kartoffelkäfer. Bloß größer. Und das wusste ich nicht, dass das Häftlinge waren. Das war meine erste Begegnung mit Häftlingen, die in Auschwitz stationiert waren", erinnert sich Johanna Scherzberg, die mit 19 Jahren ihr strenges Elternhaus in Thüringen verließ und 1942 als kaufmännische Angestellte der IG Farben nach Auschwitz zog.

       

      "Als ich mit dem Zug nach Auschwitz fuhr, da guckte ich aus dem Fenster und sah in der Ferne lauter so gestreifte Häufchen, wie Kartoffelkäfer. Bloß größer. Und das wusste ich nicht, dass das Häftlinge waren. Das war meine erste Begegnung mit Häftlingen, die in Auschwitz stationiert waren", erinnert sich Johanna Scherzberg, die mit 19 Jahren ihr strenges Elternhaus in Thüringen verließ und 1942 als kaufmännische Angestellte der IG Farben nach Auschwitz zog.

      Auschwitz hieß bis Kriegsbeginn Oswiecim und war die Heimat des Juden Josef Jakubowicz. Er verbrachte hier eine unbeschwerte Kindheit, bis die Nazis kamen und der 14-Jährige als Zwangsarbeiter das Konzentrationslager Auschwitz bauen helfen musste - ohne zu ahnen, welchem Zweck es einmal dienen würde. Sein Elternhaus wurde abgerissen, weil es den Blick auf das Lager verstellt hätte, seine Familie deportiert. Josef wurde durch acht Konzentrationslager getrieben und überlebte wie durch ein Wunder. Im Nachbarhaus lebte Karol Parcer, Josefs Freund unter den Christen. Seine Familie musste ihr Haus räumen für die SS-Offiziere. Aus Brzezinka, dem Dorf, in dem die beiden Jungen zur Schule gegangen waren, wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, in dem Josefs Eltern und fast seine ganze Familie ermordet werden sollten - wenige Meter von dem Ort entfernt, der einmal ihr zu Hause war. Karol hat die Schreckensherrschaft der Deutschen in Auschwitz erlebt und die Stadt nie verlassen. Für die Deutsche Johanna Scherzberg waren die Jahre in Auschwitz eine produktive Zeit, eine Aufbauzeit. Sie saß im Vorzimmer des Betriebsleiters Walter Dürrfeld und ist vermutlich die letzte Zeitzeugin, die erzählen kann, wie sich das Leben der deutschen "IG Farben"-Mitarbeiter in Auschwitz in Sichtweite zum Massenmord an den europäischen Juden im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau abgespielt hat.

      Aus der Perspektive dieser drei Zeitzeugen erzählt die Dokumentation, wie aus der Stadt Oswiecim, die wegen ihrer reichen jüdischen Kultur einmal als das polnische Jerusalem galt, die "deutsche Musterstadt" Auschwitz wurde. Eine Stadt, in der tausende deutsche Siedler, SS-Angehörige und Angestellte der IG Farben in Saus und Braus lebten, während gleich nebenan millionenfach gemordet wurde. Anhand der ganz persönlichen Lebensgeschichten von Johanna Scherzberg, Josef Jakubowicz und Karol Parcer wird der Verlauf der historischen Ereignisse zwischen dem 1. September 1939, dem Tag des Überfalls auf Polen, bis zum 27. Januar 1945, dem Tag, an dem die Konzentrationslager von Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit wurden verdeutlicht.

      Am 27. Januar 2015, genau vor 70 Jahren, erreichte die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz und befreite die überlebenden Inhaftierten. International ist dieser Tag dem Gedenken an die Opfer des Holocaust gewidmet. Aus diesem Anlass sendet der WDR in einer "Langen Nacht der Erinnerung" Filme, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln Lebenswege von Menschen während des NS-Terrors schildern. Es sind Geschichten, die nicht in erster Linie von einer schrecklichen Zeit erzählen, sondern vom Überleben, von Hoffnung und von stillen Helden.

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      Freitag, 30.01.15
      07:30 - 08:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

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