• 13.11.2013
      00:45 Uhr
      Deutschland, deine Künstler Loriot | rbb Fernsehen
       

      Er galt als Feingeist unter den deutschen Humoristen. Als Autor, Regisseur, Schauspieler und Karikaturist war Loriot, der gestern 90 Jahre alt geworden wäre, einer der populärsten deutschen Künstlerpersönlichkeiten. "Versehentlich bin ich nicht zum amerikanischen Präsidenten gewählt worden", sagte Vicco von Bülow bei einem seiner zuletzt selten gewordenen Auftritte anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung über sein Lebenswerk.

      Mittwoch, 13.11.13
      00:45 - 01:30 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      VPS 23:44

      Er galt als Feingeist unter den deutschen Humoristen. Als Autor, Regisseur, Schauspieler und Karikaturist war Loriot, der gestern 90 Jahre alt geworden wäre, einer der populärsten deutschen Künstlerpersönlichkeiten. "Versehentlich bin ich nicht zum amerikanischen Präsidenten gewählt worden", sagte Vicco von Bülow bei einem seiner zuletzt selten gewordenen Auftritte anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung über sein Lebenswerk.

       

      Diese Aussage eines Mannes, dessen Künstlername "Loriot" im gesamten deutschsprachigen Raum ein Schmunzeln hervorruft, zeigt nicht nur, dass er sich bis ins hohe Alter seine Selbstironie bewahrt hatte. Vicco von Bülow, der Mann hinter der Kunstfigur "Loriot", hält uns vielmehr unsere menschliche Unzulänglichkeit vor Augen: unsere Unfähigkeit, miteinander zu kommunizieren. Er hat das Verhalten von Politikern und anderen Machtmenschen entlarvt und kleinbürgerliche Ordnungsprinzipien ad absurdum geführt. Dies alles auf so geschickte und sensible Art, die ihm nie jemand übelnehmen konnte.

      Die eigene Geschichtsschreibung hatte er immer selbst in die Hand genommen. Sein berühmt-berüchtigter Perfektionismus beschränkte sich nicht nur auf die eigene Arbeit als Autor und Regisseur, auch seine Darstellung in den Medien hat Loriot selbst inszeniert. Bereits in den 70er Jahren hat er sich über sogenannte "Künstlerporträts" lustig gemacht und einfach selbst einen Film über seinen Alltag als Zeichner gedreht.

      Abgesehen davon, dass er bereits viele Jahre vor seinem Tod am 22. August 2011 keine Interviews mehr gab, und es dann aber doch ein paar "letzte Interviews mit Loriot" gab, fand er, dass eigentlich alles gesagt sei. Für diesen Film aus dem Jahr 2009 machte er eine Ausnahme, wollte jedoch kein Kamerateam im Haus haben und bat seinen engsten Freund und Mitarbeiter, den Regisseur Stefan Lukschy, das Gespräch mit der Autorin Claudia Müller aufzuzeichnen. Mit bewegender Offenheit gab er Auskunft über den frühen Tod seiner Mutter sowie über Kindheit und Jugend bei der Großmutter.

      Zu Wort kommen enge Vertraute: sein langjähriger Redakteur bei Radio Bremen, Jürgen Breest, sein früherer Regieassistent Stefan Lukschy; die Schauspieler Rudolf Kowalski und Heinz Meier geben offen Auskunft über ihre Zusammenarbeit mit dem "großen Meister". Loriot-Fan Hape Kerkeling kommentiert dessen Humorverständnis, das ihn nicht nur geprägt, sondern auch selbst dazu gebracht hat, Komiker zu werden. Zu sehen ist außerdem noch nie gesendetes Material mit Backstage-Situationen zu seinen Geburtstagssendungen und private Super-8-Filme aus den 70er Jahren, die seinen Alltag im Kreise seiner Familie zeigen, mit zahlreichen Tieren in seinem Haus am Starnberger See.

      "Was unterscheidet einen Künstler von einem Karikaturisten?", fragte Loriot das Publikum am Ende seiner Eröffnungsrede zur Ausstellung über sein Lebenswerk. Seine Antwort bringt sein Selbstverständnis auf den Punkt: "Der Künstler schneidet sich ein Ohr ab, der Karikaturist nicht".

      Zum 90. Geburtstag von Loriot (12.11.1923)

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