• 17.11.2018
      00:00 Uhr
      Nachtcafé - Das Beste Dialekt - peinlich und provinziell? | SWR Fernsehen BW
       

      Prollig, peinlich und provinziell - die Liste der Vorurteile, mit denen sich Dialektsprecher hierzulande konfrontiert sehen, ist lang.
      Gäste:

      • Wolfgang Niedecken, Kölsch-Rocker und BAP-Sänger
      • Ingrid Amon
      • Hans Triebel
      • Alice Hoffmann, alias Hilde Becker
      • Jürgen Heyer
      • Steffen Merten
      • Prof. Ludwig Eichinger

      Moderation: Wieland Backes

      Nacht von Freitag auf Samstag, 17.11.18
      00:00 - 01:30 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

      Prollig, peinlich und provinziell - die Liste der Vorurteile, mit denen sich Dialektsprecher hierzulande konfrontiert sehen, ist lang.
      Gäste:

      • Wolfgang Niedecken, Kölsch-Rocker und BAP-Sänger
      • Ingrid Amon
      • Hans Triebel
      • Alice Hoffmann, alias Hilde Becker
      • Jürgen Heyer
      • Steffen Merten
      • Prof. Ludwig Eichinger

      Moderation: Wieland Backes

       

      Prollig, peinlich und provinziell - die Liste der Vorurteile, mit denen sich Dialektsprecher hierzulande konfrontiert sehen, ist lang. Vor allem die Sachsen scheinen ein besonders hartes Los gezogen zu haben: Seit Jahren schon zählt Sächsisch zu den unbeliebtesten Dialekten Deutschlands. Unerotisch soll es klingen, doch bevor sich der Rest der Deutschen hämisch freut: Auch beim schwäbischen "Grüß Gottle" und bairischen "Pfiat di" rümpfen viele die Nase. Kein Wunder also, dass so manche Mundart vom Aussterben bedroht ist?
      Nein, gerade die Sachsen und Bayern lieben ihren Dialekt innig und auch die Berliner berlinern leidenschaftlich gerne. Angesichts dieser Anfeindungen pflegen die meisten ihre Muttersprache sogar umso mehr. Dabei müsste manches Vorurteil gegenüber Dialekten schwinden, wenn wir uns bewusst machen, dass immerhin 60 Prozent aller Deutschen Dialektsprecher sind - völlig unabhängig vom Bildungsgrad.

      Warum polarisieren Dialekte so häufig? Woher stammen diese Vorurteile? Macht man auf Hochdeutsch leichter Karriere? Oder macht uns gerade die viel verschmähte Mundart erst so richtig charmant und unverwechselbar?

      Die Gäste: Für Wolfgang Niedecken käme es nie in Frage, auf Hochdeutsch zu singen. Es wäre dem BAP-Sänger sogar peinlich. "Kölsch ist meine Muttersprache, alles andere wäre nicht authentisch", so Niedecken. Generell findet der fast 60-Jährige Dialekte weder peinlich noch provinziell, solange sie nicht verkitscht und für altes Gedankengut missbraucht würden. Gleichwohl befürchtet er, dass selbst seine eigenen Enkel schon in 20 Jahren seine Lieder nicht mehr verstehen würden.

      "Wer kein Hochdeutsch kann, signalisiert, dass er ungebildet ist", findet Ingrid Amon, renommierte Sprechtrainerin aus Wien. Sie selbst spricht fehlerfreies Schriftdeutsch - ein wesentlicher Bestandteil ihres Erfolgs als Coach auch über die Grenzen ihrer Heimat hinaus. Einfach respektlos findet sie es, wenn Menschen auf der ganzen Welt nur ihren Dialekt sprechen und die anderen über den Sinn ihrer Worte rätseln lassen.

      Dagegen setzt sich Hans Triebel entschieden zur Wehr. Für ihn ist Bairisch das einzig Wahre - aus diesem Grund fühlt sich auch der Landwirt aus Oberbayern verpflichtet, seine Muttersprache vor dem drohenden Untergang zu retten. Mit verschiedenen Aktionen ringt Triebel um überregionale Aufmerksamkeit - zuletzt mit dem Aufstellen von Verbotsschildern: "Bei mir ist Tschüss-freie Zone. Man sagt "Tschüss" von Flensburg bis Milano, dabei ist "Pfüa` di" doch viel schöner!"

      Alice Hoffmann bedauert sehr, dass sie ohne eigenen Dialekt aufgewachsen ist. Seit ihrer TV-Rolle als "Hilde Becker" in der ARD-Comedy-Serie "Familie Heinz Becker" jedoch gilt die Kabarettistin als die Saarländerin schlechthin. Heute sagt die glückliche Wahl-Saarbrückerin: "Keinen Dialekt zu haben, ist eine emotionale Verarmung - denn im Hochdeutschen lässt sich vieles nicht ausdrücken."

      Als Schwabe im Außendienst genoss Jürgen Heyer innerhalb Baden-Württembergs große Vorteile, doch jenseits der schwäbischen Landesgrenzen erfuhr er für seinen Dialekt nur Spott und Hohn: "Wenn ich mich in Sitzungen zu Wort gemeldet habe, wurde ich regelrecht gemobbt und nachgeäfft." Erst ein Hochdeutschkurs für Schwaben brachte Abhilfe und sorgte wieder für entsprechende Anerkennung seiner Leistungen. Niemals dagegen würde der Thüringer Steffen Merten seinen Dialekt aufgeben - auch wenn er es mit dieser Einstellung sicher nicht einfach hat. Seit elf Jahren lebt der Busfahrer in Baden-Württemberg - doch bis heute hat der 46-Jährige keinen einzigen Schwaben zum Freund. Dafür erschuf Merten ein Stück Heimat für all jene, denen es ebenso geht: Er gründete den Ossitreff-BW und veranstaltet regelmäßig Ostrock-Konzerte.

      Prof. Ludwig Eichinger ist Leiter des Mannheimer Instituts für Deutsche Sprache. Selbst in der bayrischen Provinz aufgewachsen, weiß er: "Peinlich ist der Dialekt nur, wenn man ihn am falschen Ort spricht." Dennoch erkennt er eine positive Entwicklung in der Einstellung den Dialekten gegenüber. In Umfragen fand der 61-järige heraus: "Die Toleranz gegenüber Dialekten ist heute viel größer als noch vor zehn Jahren."

      An der Bar: Wenn Barack Obama auf Schwäbisch die Einhaltung der Kehrwoche fordert oder sich Abgeordnete im Bundestag wegen "gelbem Sprudel statt Spezi" anfeinden, dann steckt er dahinter: Dominik Kuhn, der Erfinder der legendären Serie "Welt auf Schwäbisch". Millionen Fans lieben mittlerweile seine Versionen von Hollywood-Blockbustern und Politdebatten mit Spätzle-Charme, die der Reutlinger selbst synchronisiert.

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      Nacht von Freitag auf Samstag, 17.11.18
      00:00 - 01:30 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 24.02.2020