• 11.02.2013
      20:15 Uhr
      SWR extra Der Papst tritt ab | SWR Fernsehen BW
       

      Papst Benedikt XVI. hat seinen Rücktritt angekündigt. Er werde sich am 28. Februar von der Spitze der katholischen Kirche aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen, kündigte das Kirchenoberhaupt überraschend in Rom an. Die Kardinäle reagierten völlig überrascht, Politiker in aller Welt zollten der Entscheidung "allerhöchsten Respekt". Ein neuer Nachfolger soll bis Ostern feststehen.

      Moderation: Clemens Bratzler

      Montag, 11.02.13
      20:15 - 20:45 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Neu im Programm
      Stereo

      Papst Benedikt XVI. hat seinen Rücktritt angekündigt. Er werde sich am 28. Februar von der Spitze der katholischen Kirche aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen, kündigte das Kirchenoberhaupt überraschend in Rom an. Die Kardinäle reagierten völlig überrascht, Politiker in aller Welt zollten der Entscheidung "allerhöchsten Respekt". Ein neuer Nachfolger soll bis Ostern feststehen.

      Moderation: Clemens Bratzler

       

      Papst Benedikt XVI. gibt sein Amt auf

      Papst Benedikt XVI. wird am 28. Februar zurücktreten. Das kündigte das katholische Kirchenoberhaupt bei einer Vollversammlung der Kardinäle in einer auf Lateinisch gehaltenen Rede an.

      "Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben", sagte der Deutsche vor Kardinälen in Rom. Daher verzichte er auf das Amt des Bischofs von Rom, sodass am 28. Februar um 20.00 Uhr der Stuhl des Heiligen Petrus vakant sein werde.

      Vatikan: Neuer Papst wird vor Ostern gewählt
      Vatikansprecher Federico Lombardi kündigte an, dass ein Nachfolger bis Ostern feststehen solle: "Wir sollten Ostern einen neuen Papst haben", sagte er. Das Konklave zur Wahl des neuen Kirchenoberhauptes könne 15 bis 20 Tage nach dem Rücktritt beginnen.

      Kardinäle völlig überrascht
      Das Konsistorium in Rom - jene Versammlung von Kardinälen, bei der Benedikt XVI. zuvor seinen Rücktritt angekündigt hatte, reagierte völlig überrascht. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel hat diese Versammlung Ihre bewegende Botschaft gehört", sagte Kardinal Angelo Sodano laut Radio Vatikan "Wir haben sie mit Fassungslosigkeit und beinahe ungläubig gehört", betonte Sodano. Benedikt habe seinen Pontifikatsdienst "mit so viel Liebe und Demut" geleistet.

      Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch zeigte sich zutiefst bewegt: "Wir deutschen Bischöfe danken dem Heiligen Vater für seinen Dienst auf dem Stuhl Petri und sind erfüllt von großem Respekt und von Bewunderung für seine Entscheidung", teilte Zollitsch in Freiburg mit. Der Pontifex gebe aller Welt ein leuchtendes Beispiel wirklichen Verantwortungsbewusstseins und lebendiger Liebe zur Kirche.

      Merkel: "Allerhöchster Respekt" für Entscheidung
      Bundeskanzlerin Angela Merkel zollte Papst Benedikt XVI. für seinen Rücktritt höchsten Respekt und würdigte ihn als einen der bedeutendsten religiösen Denker der Gegenwart: "Wenn der Papst selbst jetzt nach reiflicher Prüfung zum Entschluss gekommen ist, seine Kraft reiche nicht mehr für die Ausübung des Amtes, so hat das meinen allerhöchsten Respekt", sagte sie. "In unserem Zeitalter immer längeren Lebens werden viele Menschen nachvollziehen können, wie sich auch der Papst mit den Bürden des Alterns auseinandersetzen muss." Merkel würdigte, dass Benedikt der XVI. den Dialog der Kirchen gefördert sowie Juden und Muslimen die Hand gereicht habe. Seine Rede vor dem Deutschen Bundestag im Jahr 2011 sei eine Sternstunde des Parlaments gewesen.

      Frankreich: "Höchst achtbarer" Schritt
      Frankreichs Staatschef François Hollande würdigte den angekündigten Rücktritt als "höchst achtbaren" Schritt. Frankreich würdige "den Papst, der eine solche Entscheidung trifft", sagte Hollande in Paris vor Journalisten.

      Großbritanniens Premierminister David Cameron bedauerte den Schritt Benedikt XVI.: "Millionen Menschen werden ihn als geistliches Oberhaupt vermissen. "Er hat unermüdlich daran gearbeitet, die Verbindungen zwischen Großbritannien und dem Heiligen Stuhl zu stärken.

      "Mein Bruder wünscht sich im Alter mehr Ruhe"
      Der Bruder von Joseph Ratzinger, Georg, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: Sein Arzt habe dem Papst geraten, keine transatlantischen Reisen mehr zu unternehmen. Auch das Gehen bereite seinem Bruder zunehmend Schwierigkeiten. Der Papst ermüde rascher, sagte sein Bruder Georg weiter. Der 89-Jährige nannte den Rücktritt seines Bruders einen "natürlichen Vorgang". "Mein Bruder wünscht sich im Alter mehr Ruhe." Georg Ratzinger sagte weiter: "Ich war eingeweiht."

      Papst seit 2005
      Es ist das erste Mal seit Jahrhunderten, dass ein Papst von seinem Amt zurücktritt. Papst Benedikt XVI. war im April 2005 zum Nachfolger des verstorbenen Johannes Paul II. gewählt worden. Zuvor war der Deutsche als Joseph Kardinal Ratzinger Präfekt der Glaubenskongregation. In einem 2010 veröffentlichten Interviewbuch hatte das katholische Kirchenoberhaupt geäußert, es sei für einen Papst "eine Pflicht" zurückzutreten, wenn er seine Ämter nicht mehr bewältigen könne: "Wenn ein Papst zur klaren Erkenntnis kommt, dass er physisch, psychisch und geistig den Auftrag seines Amtes nicht mehr bewältigen kann, dann hat er ein Recht und unter Umständen auch die Pflicht zurückzutreten."

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