• 11.12.2011
      09:35 Uhr
      Nichts als Tanzen - John Neumeiers Hamburg Ballett SWR Fernsehen BW
       

      Die Regisseurin Bettina Pohlmann zeigt die Tänzer kurz vor ihrem Auftritt, bei der intensiven Probenarbeit in Hamburg, begleitet die Compagnie auf einer Tournee nach Peking und konnte auch die sehr seltenen privaten Momente beobachten.

      Sonntag, 11.12.11
      09:35 - 10:30 Uhr (55 Min.)
      55 Min.
      Stereo

      Die Regisseurin Bettina Pohlmann zeigt die Tänzer kurz vor ihrem Auftritt, bei der intensiven Probenarbeit in Hamburg, begleitet die Compagnie auf einer Tournee nach Peking und konnte auch die sehr seltenen privaten Momente beobachten.

       

      Nur noch eine Minute bis zum Auftritt. Auf der großen Bühne der Staatsoper Hamburg ist kein Geräusch zu hören, nur das leise Knatschen der Ballettschuhe. Techniker schleichen mit Kopfhörern über die Bühne, auf Anweisungen wartend. Die Erste Solistin Joëlle Boulogne hat ihren zarten Oberkörper in einen Schal gewickelt und geht eine Schrittkombination durch. Ihr Tanzpartner Sascha Riabko probt eine Drehung. Noch 30 Sekunden, bis der Vorhang sich öffnet. John Neumeier umarmt seine Tänzer, wünscht ihnen viel Glück für die Premiere.

      Das Hamburg Ballett unter der Leitung von John Neumeier zählt zu den besten und beliebtesten Compagnien weltweit. Unter den Solisten ist nur ein Deutscher, die Compagnie ist international besetzt. Wer hier tanzt, gehört zur Ballett-Elite und tritt mehrfach im Jahr auf den großen Bühnen dieser Welt auf.

      Aber der Ruhm hat seinen Preis. Die Tänzer trainieren bis zu sieben Tage in der Woche, verdienen nicht gerade üppig, haben oft Schmerzen und Verletzungen, nur einmal im Jahr Urlaub und kaum Privatleben.

      Der Film "Nichts als Tanzen" geht den Fragen nach: Warum machen sie das? Warum nehmen Tänzer das alles in Kauf? Die Französin Joëlle Boulogne ist die älteste Tänzerin der Compagnie. Sie weiß, dass sie bald ihre Karriere beenden muss. Joëlles Lebensgefährte, ein Koch in Südfrankreich, sieht sich bereits nach einem Haus auf dem Lande um, wo auch Joëlles Familie lebt. Gleichzeitig träumt sie aber davon, irgendwann als Ballettmeisterin für die Compagnie zu arbeiten - und in Hamburg zu bleiben. "Ich habe Angst vor diesem Leben ohne Tanz. Vor einer großen Leere, die dann eintreten wird", sagt sie.

      Einer, der noch alles vor sich hat, ist Paul, Schüler der Neumeier-Ballettschule. Um jeden Tag gleich nach der Schule trainieren zu können, ist der 11-Jährige ins schuleigene Internat gezogen. Seine Eltern sieht er nur an den Wochenenden. Aber auch nur, wenn nicht gerade eine Aufführung ist. Für Paul steht fest: Er will Tänzer werden.

      Die Stars des Hamburg Balletts, Silvia Azzoni und Sascha Riabko, versuchen hingegen, eine Familie zu gründen. Bisher erfolglos. Auch sie spüren ihr Alter immer öfter. Sehnenrisse und Bänderdehnungen gehören mittlerweile zu ihrem Alltag. Silvia möchte am liebsten beides vereinbaren: große Hauptrollen tanzen und Mutter sein. Sie ahnt aber, dass sie auf einen Teil ihres Traumes wird verzichten müssen. "Nichts als Tanzen" ist ein Film über das Innenleben einer der bedeutendsten Ballettcompagnien der Welt.

      Kameramann ist Marcus Winterbauer ("Rhythm Is It!", "Full Metal Village", "Herbstgold"). Ihm gelingt es, die Bewegungen der Tänzer so einzufangen, als würde die Kamera mitschweben.

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