• 23.03.2019
      00:15 Uhr
      Nachtcafé - Das Beste Alles für die Familie? - Talkshow mit Wieland Backes | SWR Fernsehen BW
       

      Gäste:

      • Miroslav Nemec, Schauspieler
      • Andreas Altmann, Autor
      • Prof. Michael Wirsching, Familientherapeut
      • Amelie Fried, Moderatorin
      • Monika Adler, Hausfrau aus Leidenschaft
      • Sabine Ulbrand, ehemalige Unternehmerin
      • William Verpoorten, Unternehmer
      • An der Bar: Stephan Kelischowsky

      Nacht von Freitag auf Samstag, 23.03.19
      00:15 - 01:45 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

      Gäste:

      • Miroslav Nemec, Schauspieler
      • Andreas Altmann, Autor
      • Prof. Michael Wirsching, Familientherapeut
      • Amelie Fried, Moderatorin
      • Monika Adler, Hausfrau aus Leidenschaft
      • Sabine Ulbrand, ehemalige Unternehmerin
      • William Verpoorten, Unternehmer
      • An der Bar: Stephan Kelischowsky

       

      Man hat sie, man braucht sie, aber sie kann auch gewaltig nerven: die Familie. Gerade an Weihnachten kommt man am besinnlichen Fest im Kreise der engsten Blutsverwandten nicht vorbei.
      Dabei befürchtet jeder dritte Deutsche Krach unter dem Tannenbaum. Auch jenseits solcher Festtage ist die Familie allgegenwärtig. Ob nun die Großeltern bei der Kinderbetreuung einspringen, die Eltern ein Studium finanzieren oder der Sohn trotz anderer Pläne das Familienunternehmen übernimmt: Blut ist dicker als Wasser.

      Doch Verantwortung zu tragen kann auch eine schwere Last sein, etwa bei der Pflege der betagten Schwiegermutter oder des behinderten Bruders. Manche empfinden Familie allerdings auch als Gefängnis und sind froh, ihm zu entfliehen. Welchen Stellenwert hat Familie heute für das eigene Leben? Wo wird sie zur Belastung? Wie weit muss man eigene Interessen zurückstellen, um dem Wohl der Sippe gerecht zu werden? Wann erlischt die Pflicht gegenüber der Familie?

      Die Gäste:

      Schauspieler Miroslav Nemec wuchs unter ärmlichen Verhältnissen im ehemaligen Jugoslawien auf. Um ihm eine bessere Zukunft zu ermöglichen, schickte seine Mutter den damals Zwölfjährigen zu Verwandten nach Bayern. Lange Zeit fühlte er sich von seinen Eltern im Stich gelassen, bis er begriff, dass sie nur das Beste für ihn im Sinn hatten: "Meine Eltern waren für mich immer die wichtigsten Personen in meinem Leben", sagt der Tatort-Kommissar rückblickend.

      Diesen Satz würde Schriftsteller Andreas Altmann für sich nicht unterschreiben, denn er wuchs in einem äußerst´ brutalen und gewalttätigen Elternhaus auf. Sein Vater tyrannisierte die ganze Familie, die Mutter verließ ihn in ihrer Verzweiflung. Auch Altmann ergriff nach Jahren der Demütigung die Flucht und kehrte nie wieder nach Hause zurück. Die Erlebnisse seiner Kindheit machten ihm lange schwer zu schaffen: "Meiner Mutter habe ich später verziehen, doch zur Beerdigung meines Vaters konnte ich nicht gehen."

      Solch eine Entwicklung überrascht den Familientherapeuten Prof. Michael Wirsching nicht: "Das Loyalitätsband, das für den Familienzusammenhalt sorgt, bildet sich in frühester Kindheit und muss im Laufe von Jahren wachsen, um zu einer festen emotionalen Verbundenheit auszureifen." Wenn dies aber aufgrund familiärer Probleme nicht wachsen könne, seien Konflikte programmiert, so der Freiburger Mediziner.

      Amelie Fried macht sich darüber keine Sorgen. Die Autorin und Moderatorin bezeichnet sich selbst als Familienmensch und begeisterte Mutter. Trotzdem wäre ein Leben nur für die Familie für Fried nicht vorstellbar. Sie liebt ihren Beruf und war immer dankbar, beides verbinden zu können: "Ich wäre vor die Hunde gegangen, meine Kinder wären verrückt geworden und auch die Ehe mit meinem Mann hätte womöglich keinen Bestand gehabt, wenn ich nur Hausfrau und Mutter gewesen wäre", sagt Fried heute.

      Monika Adler hingegen lebt als Hausfrau und Mutter ihren Lebenstraum. Seit 27 Jahren sind sie und ihr Mann Paul ein Paar. Bereits während ihres Studiums merkte Monika Adler, dass ihr nicht eine berufliche Karriere, sondern die Gründung einer Großfamilie wichtig ist. Heute ist die 44-Jährige Mutter von acht Kindern: "Ich gebe alles für die Familie, aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich etwas dafür aufgeben muss. Ich bin sehr glücklich mit meinem Leben."

      Auch Sabine Ulbrand gibt alles für ihre Familie, kommt dabei aber an ihre Grenzen. Seit vier Jahren pflegt die ehemalige Unternehmerin ihre Mutter. Geplant war eigentlich, dass sie und ihre drei Geschwister sich gemeinsam um die Pflege kümmern - doch die ließen sie im Stich. Für Sabine Ulbrand, die ein freies und unabhängiges Leben gewohnt war, stellt die Situation eine große Herausforderung dar: "Das Leben, das ich führe, ist wie Einzelhaft für mich. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalte."

      William Verpoortens beruflicher Lebensweg war früh vorgezeichnet. Der Spross der Eierlikör-Dynastie übernahm nach dem Tod des Vaters in fünfter Generation das mittlerweile 135 Jahre alte Familienunternehmen. Während seine Geschwister beruflich andere Wege gehen, war es für ihn keine Frage, den Staffelstab des Vaters zu übernehmen. Druck von Seiten des Elternhauses hat er jedoch nie bekommen: "Ich lasse auch meinen Kindern die freie Wahl, aber hoffe natürlich, dass sie die Firma in sechster Generation weiterführen."

      Das Nachtcafé ist keine Arena für Exhibitionisten und Voyeure. Zynismus und Krokodilstränen haben keinen Platz, wohl aber Menschen aller Art, die den Zuschauern etwas zu erzählen haben.

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      Nacht von Freitag auf Samstag, 23.03.19
      00:15 - 01:45 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 17.09.2019