• 17.01.2014
      22:00 Uhr
      Nachtcafé Weniger ist mehr - zurück zu mehr Bescheidenheit? | SWR Fernsehen BW
       

      Zu Gast bei Wieland Backes:

      • Claudine Wilde
      • Ise Bosch
      • Prinz Oliver Leopold von Anhalt
      • Wolfgang Hamacher
      • Valentin Thurn
      • Sepp Eisenriegler
      • Christian Huff
      • An der Bar: Dr. Hans Günther Ullrich

      Freitag, 17.01.14
      22:00 - 23:30 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

      Zu Gast bei Wieland Backes:

      • Claudine Wilde
      • Ise Bosch
      • Prinz Oliver Leopold von Anhalt
      • Wolfgang Hamacher
      • Valentin Thurn
      • Sepp Eisenriegler
      • Christian Huff
      • An der Bar: Dr. Hans Günther Ullrich

       

      Mein Sportwagen, meine Jacht, meine Villa - für viele Menschen ist nichts erstrebenswerter als ein Leben im Luxus. Aber ist Besitz Beweis für ein erfolgreiches und erfülltes Leben? Alles Schnee von gestern, sollte man meinen. Denn Teilen statt Kaufen liegt total im Trend. Das Auto oder auch die Wohnung werden heute nicht mehr alleine genutzt - per Internet finden sich problemlos Interessierte, die mitfahren oder auf Zeit mitwohnen wollen. Selbst den Inhalt seines Kühlschranks kann man online an den Mann bringen, bevor der Urlaub losgeht. Eigentum scheint für die junge Generation kein Gradmesser mehr für Lebenszufriedenheit zu sein.
      Sie entrümpeln ihr Leben mit der Vision von einer besseren Welt. Effizienter Konsum nennt sich das Ganze. Dieser Trend ist bereits auch bei vielen Unternehmen angekommen. Sie produzieren bewusst in Maßen und nicht in Massen. Und erschließen sich damit ganz neue Käuferschichten, für die das Gefühl der Exklusivität mehr Gewicht hat als der Preis. Liegt im Verzicht heutzutage der wahre Luxus? Entfernt uns das Streben nach Besitz und Reichtum von uns selbst? Was gewinnen wir, wenn wir ganz bewusst verzichten?

      Die Gäste:
      Die Schauspielerin Claudine Wilde stand früher oft im Rampenlicht und war auf roten Teppichen und Filmgalas zuhause. Die Kehrseite des Glamourlebens waren jedoch auswärtige Drehwochen und einsame Abende in Hotelzimmern. Heute lehnt die alleinerziehende zweifache Mutter ganz bewusst auch lukrative Rollenangebote ab, um mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können. In ihrer Wahlheimat Südfrankreich hat sie sich ein zweites finanzielles Standbein als Masseurin geschaffen. Ihre Erkenntnis: "Zeit ist viel wertvoller als Luxus."

      Ise Bosch kam mit dem sprichwörtlichen goldenen Löffel im Mund auf die Welt. Die Enkelin des legendären Firmengründers Robert Bosch könnte im Luxus in den Tag hineinleben, stattdessen will sie ihr Vermögen sinnvoll einsetzen. Sie unterstützt eine Frauenstiftung, engagiert sich für die Rechte von Schwulen und Lesben und hat ein Erbinnen-Netzwerk geschaffen: "Geld ist für mich reines Arbeitsmittel. Ich spende viel und planvoll mit Strategie."

      Prinz Oliver Leopold von Anhalt hingegen gönnt sich jede Extravaganz. Der Selfmade-Millionär und Adoptivsohn von Prinz Frédéric von Anhalt kam als ungelernter Croupier nach Amerika, fuhr als Chauffeur die Reichen und Schönen durch Los Angeles und verdiente ein Vermögen mit dem Export von US-Nobelkarossen. Später gründete er zwei florierende Nachtclubs. Heute lebt er seinen Traum in einer riesigen Villa in Beverly Hills, frönt seinen teuren Hobbys und sagt: "Ich belohne mich ständig, das habe ich mir verdient."

      Wolfgang Hamacher empfindet solch ein Leben als sinnlos. Der "Einsteiger in die Natur" lebt als Konsumverweigerer äußerst spartanisch. Zwölf Jahre wohnte der Minimalist im Wald, heute in einer kleinen spartanischen Hütte. Wasser holt er sich vom Brunnen, Gesellschaft leisten ihm nur seine Ziegen, ein Hund und ein Esel. Dieses Leben macht ihn zufrieden: "Ich bin glücklich, ich habe alles, was man wirklich braucht."

      Der Dokumentarfilmer Valentin Thurn deckte in seinem Film "Taste the Waste" auf, dass mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel auf dem Müll landen: "Jeder Deutsche wirft im Jahr 80 Kilo Essbares in die Tonne, täglich wird ein Fünftel mehr Brot als benötigt gebacken, nur damit die Regale bis abends voll sind!" Um dieser Wegwerfmentalität entgegenzutreten, gründete Thurn die Internet-Plattform "Foodsharing", über die man übrig gebliebene Lebensmittel verschenken kann.

      "Nicht nur Nahrungsmittel, auch Elektrogeräte werden hierzulande viel zu schnell entsorgt", kritisiert Sepp Eisenriegler. Der Wiener gründete deshalb ein Reparatur- und Service-Zentrum, in dem jedes erdenkliche Haushaltsgerät wieder funktionsfähig gemacht wird. Der Sozialökonom ist zudem überzeugt, dass viele Geräte bereits von Herstellerseite mit einer bewusst kurzen Lebensdauer produziert werden. "Es ist skandalös, mit welchen Tricks uns die Industrie zwingen will, neue Geräte zu kaufen."

      "Wenn nicht mehr konsumiert wird, bricht unsere Wirtschaft zusammen.", sagt hingegen Unternehmer Christian Huff. Die Konsumkritik kann Deutschlands größter Importeur von Werbe- und Kleinartikeln überhaupt nicht nachvollziehen, denn er setzt auf günstige Massenproduktion. Dank seinem unermüdlichen Geschäftssinn lebt er sehr gut von der Billigware aus Asien und gönnt sich privat gerne etwas mehr, wie etwa einen Rolls-Royce.

      An der Bar:
      16 Jahre lang arbeitete Dr. Hans Günther Ullrich in führender Position, hatte teilweise 1200 Mitarbeiter unter sich und ein sechsstelliges Jahresgehalt. Doch die Sinnhaftigkeit seines Jobs kam ihm immer mehr abhanden. Als er von der Konzernleitung angehalten wurde, zur Kostenreduzierung deutsche Stellen ins Ausland zu verlagern, weigerte er sich. Es folgte die Kündigung für Dr. Ullrich ein glücklicher Wendepunkt in seinem Leben: Er ließ sich zum Priester ausbilden und sagt jetzt: "In unserer heutigen Zeit ist es wichtig, die immateriellen Dinge zu betonen. In der kapitalistischen Welt geht es nur noch um Geld."

      Das Nachtcafé ist keine Arena für Exhibitionisten und Voyeure. Zynismus und Krokodilstränen haben keinen Platz, wohl aber Menschen aller Art, die den Zuschauern etwas zu erzählen haben.

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