• 13.01.2019
      06:30 Uhr
      Sehen statt Hören Wochenmagazin für Hörgeschädigte | SWR Fernsehen BW
       
      • Fabian - Vom Erwachsenwerden und Loslassen.

      Fabian ist Autist. Für seine Eltern damals ein Schock. Für ein gehörloses Kind mit Autismus gibt es kaum unterstützende Angebote, Helga und Kuno haben alles versucht. Schon als Kind kommt Fabian ins Internat. Nach der Schule beginnt für ihn eine schwierige Zeit mit vielen Einrichtungswechseln. Inzwischen ist Fabian erwachsen und scheint endlich angekommen zu sein.

      Sonntag, 13.01.19
      06:30 - 07:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      • Fabian - Vom Erwachsenwerden und Loslassen.

      Fabian ist Autist. Für seine Eltern damals ein Schock. Für ein gehörloses Kind mit Autismus gibt es kaum unterstützende Angebote, Helga und Kuno haben alles versucht. Schon als Kind kommt Fabian ins Internat. Nach der Schule beginnt für ihn eine schwierige Zeit mit vielen Einrichtungswechseln. Inzwischen ist Fabian erwachsen und scheint endlich angekommen zu sein.

       

      Vor sieben Jahren hat Sehen statt Hören Fabian zum ersten Mal getroffen. Damals ist er 19 Jahre alt und lebt in einer Einrichtung für mehrfachbehinderte Gehörlose im thüringischen Schleiz, fast 500 Kilometer von seinen Eltern entfernt. Zu diesem Zeitpunkt hat er bereits Stationen in sechs verschiedenen Einrichtungen hinter sich und Helga und Kuno hoffen, dass sie nun die geeignete Betreuung für Fabian gefunden haben. Doch auch in Schleiz klappt es nicht: Von jetzt auf gleich sollen die Eltern Fabian abholen. Doch wie soll das gehen? Beide sind voll berufstätig und Fabian benötigt eine 1:1-Betreuung.

      Eine lange, schwierige Suche
      Die Suche nach einem Wohnheim für Fabian beginnt – und gestaltet sich äußerst schwierig: Vier Monate lang wird mit viel Aufwand gesucht. Anfangs wohnortnah, später dann bundesweit. Am Ende sind beim LVR (Landschaftsverband Rheinland) drei Mitarbeiter damit beschäftigt einen Platz für Fabian zu finden. Auch der Bundesverband für Autismus kann nicht weiterhelfen. Schließlich kommt Helga und Kuno der Zufall zu Hilfe: Am „Tag der Begegnung“ des Landschaftsverbands Rheinland kommen Fabians Eltern mit der Einrichtung „Josefshaus“ in Kontakt. Die nehmen ihren Sohn schließlich auf.

      Start mit Besuchsverbot
      Seit September 2013 wohnt Fabian zusammen mit anderen Autisten im Josefshaus in Mönchengladbach, eine knappe Autostunde von seinem Elternhaus entfernt. Kuno und Helga sind über die Nähe zu Fabian sehr glücklich und haben sich gleich zu Beginn auf regelmäßige Besuche gefreut. Doch erst einmal verhängt die Einrichtung ein Besuchsverbot. Für Fabian ist es therapeutisch wichtig, nach all den Wechseln erst einmal zur Ruhe kommen. Ganze sechs Monate müssen die Eltern warten, bis sie Fabian endlich in Mönchengladbach besuchen dürfen. Eine harte Zeit für die Eltern. Und für seine Schwester Katja.

      Angekommen
      Heute studiert Katja Medizin an der Universität in Hamburg. Ihren Bruder sieht sie noch vier- oder fünfmal im Jahr. Eigentlich ist ihr das deutlich zu wenig, aber die Entfernung zwischen Hamburg und Mönchengladbach machen häufigere Treffen schwierig. Kuno und Helga besuchen Fabian mittlerweile alle drei bis vier Wochen. Er fühlt sich in der Einrichtung daheim, hat mit Ralf Erdmann einen engagierten und wunderbaren Betreuer gefunden.

      Nach sechs Jahren besucht Fabian zum ersten Mal seine Eltern und feiert mit ihnen seinen 26. Geburtstag. Helga und Kuno freuen sich sehr auf diesen Tag. Und sie müssen akzeptieren, dass Fabian inzwischen erwachsen und in Mönchengladbach zuhause ist. Helga und Kuno sind glücklich über die Entwicklung ihres Sohnes, auch wenn sie ihn vermissen.

      Erfahrungen weitergeben
      Heute ist Fabian ein erwachsener Mann. Und die Eltern haben ihn genauso wie seine Schwester Katja losgelassen – das tut natürlich weh, gehört aber zum normalen Lauf der Dinge.

      Für Helga ist klar, dass sie ihre Erfahrungen mit autistischen Menschen weitergeben möchte. Die Gebärdensprachdozentin vermittelt in ihren Kursen, wie man sich mit Autisten oder geistig behinderten Menschen verständigen kann, egal ob sie taub sind oder nicht. Damit es andere auf ihrem Weg leichter haben, als sie selbst …

      Willkommen bei "Sehen statt Hören" - der einzigen Sendereihe in der deutschen Fernsehlandschaft, die im Bild sichtbar macht, was man sonst nur im Ton hört! Nicht im "Off", sondern im "On" werden hier die Inhalte präsentiert - mit den visuellen Mitteln des Fernsehens, Gebärdensprache und offenen Untertiteln.
      Zielpublikum sind vor allem die etwa 300.000 gehörlosen, spätertaubten oder hochgradig schwerhörigen Zuschauerinnen und Zuschauern in der Bundesrepublik, die ein solches Programm benötigen, das ihren Kommunikationsbedürfnissen entspricht und ihnen optimale Verständlichkeit ermöglicht, aber auch alle anderen, die sich von den Themen und der ungewöhnlichen Machart angesprochen fühlen.
      In wöchentlich 30 Minuten bringt das vom BR produzierte und in allen Dritten Programmen ausgestrahlte Magazin Informationen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, von Arbeitswelt, Familie, Freizeit, Sport über Kunst, Kultur, Bildung, Geschichte bis hin zu politischen, sozialen, rechtlichen und behindertenspezifischen Themen.

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