• 24.02.2012
      14:15 Uhr
      Menschen hautnah Zuhause in der Kälte - Wenn Frauen frieren müssen | WDR Fernsehen
       

      Heike ist 13 Jahre alt, als sie von zu Hause wegläuft. Drei Jahre lebt sie als obdachloses Mädchen auf der Straße. Nachts schläft sie in einem Zelt, versteckt hinter Büschen am Rheinufer.

      Freitag, 24.02.12
      14:15 - 15:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Heike ist 13 Jahre alt, als sie von zu Hause wegläuft. Drei Jahre lebt sie als obdachloses Mädchen auf der Straße. Nachts schläft sie in einem Zelt, versteckt hinter Büschen am Rheinufer.

       

      Damit sie nicht erfriert, legt sie in ein Tuch gewickelte heiße Steine in ihren Schlafsack. Heute ist Heike 42 Jahre alt und lebt allein im Zentrum von Düsseldorf. Obwohl sie ihre eigenen vier Wände hat, muss sie im Winter in ihrer schlecht isolierten Altbauwohnung frieren. Die veraltete Nachtstromspeicherheizung verbraucht sehr viel Strom, den sich Heike nicht leisten kann. Daher bleibt die Heizung meistens ausgeschaltet. Heike verhängt ihre Fenster mit dicken Decken, um sich vor der Kälte zu schützen und sitzt häufig in ihrer Winterjacke bei Kerzenschein in ihrem Wohnzimmer.

      So wie Heike geht es auch anderen Frauen, die wegen ihrer schwierigen Lebensumstände in Armut leben. Verlust der Partnerschaft, unterbrochene Erwerbstätigkeit durch Kindererziehung und eine unzureichende Altersversorgung sind die häufigsten Ursachen. Viele Wohnungen befinden sich in einem desolaten Zustand und sind ausgerüstet mit veralteten Heizungsanlagen, die enorme Kosten verursachen.

      Margret ist 75 Jahre alt und Rentnerin. Sie hat drei Kinder alleine großgezogen und zeitweise als Wasser- und Brandschutzbeauftragte gearbeitet. Bei einer Rente von 334 Euro im Monat zahlt ihr das Amt für Soziales und Senioren die Unterkunftskosten und bezuschusst ihre Rente mit 93 Euro. Die Kölnerin muss von diesem Geld neben dringend benötigten Medikamenten ihre neue Brille in Raten abzahlen und Stromkosten in Höhe von 156 Euro monatlich bestreiten. Ihr Geld reicht nicht aus, um sich eine warme Jacke oder orthopädische Winterschuhe kaufen zu können. Ihre Heizung schaltet sie meistens nur im Wohnzimmer an, um Strom zu sparen. Margret fühlt sich vom Staat im Stich gelassen. Doch trotz der Kälte lässt sich die leidenschaftliche Skatspielerin ihren Lebensmut nicht nehmen.

      Michaela hat in ihrer Zweizimmerwohnung gar keine Heizung. Als sie vor 10 Jahren einzog, störte das die damals 26-Jährige wenig, da sie sich hauptsächlich bei ihrem Freund aufhielt. Außerdem sicherte ihr die Wohnungsbaugesellschaft zu, die Wohnung innerhalb kürzester Zeit mit einer Heizung nachzurüsten. Bis heute ist das nicht geschehen. Die 36-jährige Altenpflegerin würde gerne ausziehen. Finanziell wäre sie dazu durchaus in der Lage. Doch ein negativer Schufa-Eintrag hindert sie, eine andere Wohnung zu finden. Sie hat sich jetzt ein beheizbares Wasserbett angeschafft, um wenigstens nicht mehr in klammer und kalter Bettwäsche schlafen zu müssen. Michaela hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, eines Tages in einer gemütlichen, warmen Wohnung zu leben.

      Film von Susanne Jäger

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