• 14.01.2012
      01:15 Uhr
      WDR-dok Sidos Welt | WDR Fernsehen
       

      Sido, der im wirklichen Leben Paul Würdig heißt, ist der Protagonist der Dokumentation "Sidos Welt" - er erklärt und lebt seine Welt, er ist ihr Held und Darsteller gleichermaßen und er ist der Berichterstatter des Lebens auf der Straße.

      Nacht von Freitag auf Samstag, 14.01.12
      01:15 - 02:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Sido, der im wirklichen Leben Paul Würdig heißt, ist der Protagonist der Dokumentation "Sidos Welt" - er erklärt und lebt seine Welt, er ist ihr Held und Darsteller gleichermaßen und er ist der Berichterstatter des Lebens auf der Straße.

       

      "Sidos Welt" lässt auch seine Fans zu Wort kommen. Im Zentrum stehen Sophie und Steffi, zwei Freundinnen aus dem Berliner Märkischen Viertel, der Heimat Sidos. Mädchen, die alles für Sido tun würden und nicht verstehen können, wie man sich über seine Texte aufregen kann. "Er erzählt von dem, was uns bewegt." Auch sie kennen Gewalt in der Familie, wissen wie es ist, wenn das Leben wenig bereithält. "Seine Musik hat uns immer geholfen, wenn es uns schlecht ging."

      "Fickt euch! - Fick dich selbst!" mit diesen Worten begrüßt Sido, Deutschlands bekanntester Gangsta-Rapper aus Berlin seine Fans beim Konzert. Seine meist jugendlichen Fans liegen ihm zu Füßen, wenn er seinen berühmtesten Song, den "Arschficksong" als Zugabe zum Besten gibt. Sido ist nicht nur ein berühmter Rapper, er ist ein Phänomen, das sich vor allem Erwachsene kaum erklären können und er ist zum Helden der Generation des sozialen Ghettos geworden, einer Generation von Jugendlichen, die keine Chancen und wenig Perspektiven auf ein besseres Leben haben.

      Der Film begleitet Sido bei Proben, Konzerten, Backstage und beim Videodreh. Ist dabei, wenn er sich auf Experimente mit der "Zauberflöte" einlässt und in seinem Tattoo Studio von seinen Träumen erzählt. Sido packt aus, in seinen Texten und den langen Interviewsequenzen. Sido kam von ganz unten und hat sich nach ganz oben hochgearbeitet: mit Fleiß und Ehrgeiz und dem richtigen Marketing. Sido war der Mann mit der Maske, der sein Gesicht nicht zeigte: "Ich wollte sein wie Superman, der Mann, den man nicht erkennt." Mit seinem eigenen Plattenlabel, das er mit Freunden gründete, "Aggro Berlin", brachte er den gesamten deutschen Hip Hop-Markt durcheinander. Pornografisch, aggressiv und frauenfeindlich stellte er sich dar als ein Rapper dar, der sich nimmt, was er haben will, der Drogen und Gewalt nicht abgeneigt ist und der weiß, wohin die Reise geht: da wo es Geld gibt und möglichst viel davon. Sido wurde in wenigen Wochen mit Goldstatus gekrönt und landete gleichzeitig bei der Bundesprüfstelle für Jugend gefährdende Texte. "Wir wollten anders sein, wir wollten polarisieren, wir wollten zeigen, dass wir die Härtesten sind." erzählt Sido rückblickend, "dass wir damit Erfolg haben würden habe ich nicht geglaubt, bis der erste Scheck kam." Der Erfolg ist ihm gelungen. 900.000 Alben wurden bis heute bekauft, die Singles nicht mitgezählt. Sido ist mit seinem Rap zum Millionär geworden und damit zum Helden des sozialen Milieus - er ist einer von unzähligen anderen Jugendlichen gewesen, der die Schule schmiss, eine Lehre als Erzieher nie beendete, der Probleme mit der Polizei hatte und es dennoch geschafft hat. "Ich war nie einer der ganz Schlimmen, das war ich meiner Mutter schuldig. Sie stand immer zu mir."

      Heute zeigt sich Sido weitaus moderater und ohne Maske. Seine Verlobte Doreen berichtet, dass auch sie erst geschockt war von Sido, "doch das war eben sein Image und ich wäre doch nie mit einem solchen Typen zusammen. Der bringt auch mal den Müll runter." Die beiden stehen auch zusammen auf der Bühne, wie bei der Mannheimer Oper, als Sido sich auf dieses Experiment eingelassen hat. Auch Sidos Texte sind mit den Jahren wesentlich weicher und nachdenklicher geworden. Er berichtet von seinem Vater, den er nie wirklich kannte, von seinem Sohn, den er als 19jähriger bekam, von seinen Ängsten und Zweifeln und von seiner Ostvergangenheit und warum er diese jahrelang verheimlicht hat. "Ich wurde in der Schule immer nur fertig gemacht. Früher waren es die Brillenträger, dann war ich es, ein Brillenträger aus dem Osten. Dafür bekam ich Prügel." Diese Zeit liegt lange hinter dem heute 30jährigen. "Ich bin älter geworden, ich habe ein neues Leben. Das möchte ich nicht mehr verlieren."

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