• 06.11.2011
      16:30 Uhr
      Die Witwe und der Mörder Die vergessenen Opfer der RAF - Aus der Reihe "Gott und die Welt" | WDR Fernsehen
       

      Die Dokumentation von Irene Klünder stellt die Frage, wie die RAF-Opfer heute mit dem Leid leben, wie ein Täter mit seiner Schuld umgeht und welche Rolle Strafe und die Anerkenntnis persönlicher Schuld für eine Versöhnung spielen.

      Sonntag, 06.11.11
      16:30 - 17:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.

      Die Dokumentation von Irene Klünder stellt die Frage, wie die RAF-Opfer heute mit dem Leid leben, wie ein Täter mit seiner Schuld umgeht und welche Rolle Strafe und die Anerkenntnis persönlicher Schuld für eine Versöhnung spielen.

       

      "Immer wieder hat er die Pantoffeln seines Papas angezogen, ist damit durchs Haus gelaufen und hat nach ihm gerufen." 22 Monate alt war damals ihr Sohn und Joke Kranenburg selbst hochschwanger, als 1977 ihr Mann durch den RAF-Terroristen Knut Folkerts im holländischen Utrecht ermordet wurde. "In dem Moment ist mein Leben zerbrochen. Dabei stand ich kurz vor der Entbindung und musste alles vorbereiten. Und wie sollte das Kind heißen?". Bis heute leidet Joke Kranenburg an den Folgen der Gewalttat. Besonders schlimm für sie: Der Täter wurde in den Niederlanden zu 20 Jahren Haft verurteilt, hat aber seine Strafe bis heute nicht antreten müssen. Er lebt in Hamburg auf freiem Fuß. Doch Joke Kranenburg gibt nicht auf und kämpft dafür, daß Folkerts für den Mord doch noch ins Gefängnis kommt. "Für zwei Monate Untersuchungshaft gibt man seinen Mann nicht her."

      Vierundreißig Menschen sind durch die RAF ermordet worden. Nur die Prominenten unter ihnen sind im öffentlichen Bewusstsein geblieben. Die Mehrheit der Opfer wird meist nur Begleitperson, Fahrer, Polizist, GI oder Hausfrau genannt. Ist unter den Umständen dieser Zurücksetzung überhaupt ein innerer Frieden für die Opfer oder deren Angehörige möglich?

      Im Herbst 1978 üben nahe Dortmund drei RAF-Terroristen das Schießen und werden dabei von der Polizei überrascht. Einer der drei, Werner Lotze, erschießt Polizeiwachtmeister Hans-Wilhelm Hansen, und entkommt unerkannt. Ein Jahr später steigt Lotze aus der RAF aus. Nach der Wende in der DDR wird er festgenommen, legt ein umfassendes Geständnis ab und bekennt sich zu seiner Schuld. "Mord ist was Unumkehrbares und Absolutes. Einen Mord entschuldigen zu wollen, fände ich ziemlich schäbig".

      Seine Abrechnung mit der RAF und auch mit sich selbst ist unerbittlich. "Was wir da als revolutionäre Moral in Anspruch genommen haben, war nur Zynismus. Die Opfer waren für die RAF keine Menschen, sondern allein Funktionsträger." Mit seinem Bekenntnis zu seiner Schuld geht er weiter als fast alle Exterroristen. Er leidet unter seiner Tat und beschönigt nichts. "Man kann vielleicht sagen, es gibt Ex-RAF-Mitglieder, aber es gibt keine Exmörder."

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      Sonntag, 06.11.11
      16:30 - 17:00 Uhr (30 Min.)
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