• 12.12.2018
      01:50 Uhr
      Menschen hautnah: 50 Kilo bei 1,89 Meter Wenn Männer magersüchtig sind | WDR Fernsehen
       

      Essstörungen gelten häufig als Mädchenkrankheit. Doch Schlankheitswahn und Körperkult lassen auch Männer magersüchtig werden. Bislang ist das oft ein gesellschaftliches Tabu. Die Betroffenen fühlen eine doppelte Stigmatisierung: Sie leiden an einer psychosomatischen Erkrankung und obendrein an einer Frauenkrankheit. Das führt dazu, dass die Krankheit leichter übersehen wird, die Dunkelziffer dementsprechend hoch ist. Der 15-jährige Tim aus Bayern war früher zu dick, dann hungert er sich ins Untergewicht. Nun muss es lernen, wieder selbstständig zu essen. Und der 27-jährige Raimund hat schon sein halbes Leben Magersucht.

      Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 12.12.18
      01:50 - 02:35 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Neu im Programm
      Stereo HD-TV

      Essstörungen gelten häufig als Mädchenkrankheit. Doch Schlankheitswahn und Körperkult lassen auch Männer magersüchtig werden. Bislang ist das oft ein gesellschaftliches Tabu. Die Betroffenen fühlen eine doppelte Stigmatisierung: Sie leiden an einer psychosomatischen Erkrankung und obendrein an einer Frauenkrankheit. Das führt dazu, dass die Krankheit leichter übersehen wird, die Dunkelziffer dementsprechend hoch ist. Der 15-jährige Tim aus Bayern war früher zu dick, dann hungert er sich ins Untergewicht. Nun muss es lernen, wieder selbstständig zu essen. Und der 27-jährige Raimund hat schon sein halbes Leben Magersucht.

       

      "Die Magersucht ist meine beste Freundin", sagt der 15-jährige Tim. Zusammen mit seiner Therapeutin soll er beim Bäcker ein Stück Kuchen bestellen. Doch Tim kann das Gebäck kaum anschauen, er findet es ekelhaft. "Ich habe Angst vor den Kalorien. Das ist pures Fett", sagt Tim.

      Magersucht - typisch Frau? Essstörungen gelten häufig als Mädchenkrankheit. Doch Schlankheitswahn und Körperkult lassen auch Männer magersüchtig werden. Bislang ist das oft ein gesellschaftliches Tabu. Die Betroffenen fühlen eine doppelte Stigmatisierung: Sie leiden an einer psychosomatischen Erkrankung und obendrein an einer Frauenkrankheit. Das führt dazu, dass die Krankheit leichter übersehen wird, die Dunkelziffer dementsprechend hoch ist.

      Der 15-jährige Tim aus Bayern war früher zu dick, dann hungert er sich ins Untergewicht. Im Februar kommt Tim in eine Klinik am Chiemsee - mit starkem Untergewicht. Die Ärzte sagen, er muss 15 Kilogramm zunehmen. In verschiedenen Therapien soll Tim lernen, wieder selbstständig zu essen.

      Nach mehr als vier Monaten in der Klinik darf Tim wieder nach Hause, soll bald wieder zur Schule gehen. Obwohl er gerne seinen Abschluss machen will, fürchtet er sich vor diesem Schritt. Auch Tims Mutter Tanja hat große Angst und sie plagen Schuldgefühle. Obwohl sie alles für ihren Sohn tun würde, fühlt sie sich ohnmächtig. Wie geht es zuhause für Tim und seine Mutter weiter? Kann Tim das, was er in der Klinik gelernt hat, im Alltag umsetzen? Oder wird er wieder an Gewicht verlieren?

      Raimund ist 27 Jahre alt und kommt aus Nordrhein-Westfalen. Seine Magersucht geht schon sein halbes Leben, erzählt er. Als er 13 Jahre alt ist, sieht er eine Werbung mit herausstehenden Wangenknochen - so möchte er auch aussehen. Es folgt ein jahrelanger Kampf mit sich selbst - mit guten und schlechten Phasen.

      Raimund fällt es schwer, Hilfe anzunehmen, seine Krankheit war jahrelang sein Geheimnis: "Ein Mann ist stark, hat keine Probleme", denkt er. Als Raimund schließlich doch von seiner Magersucht erzählt, erfährt er Unverständnis. "Magersucht können Männer doch gar nicht haben", habe man ihm gesagt. Doch in diesem Sommer beschließt der gelernte Koch sich endlich Hilfe zu holen - der Weg aus der jahrelangen Krankheit?

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