• 16.11.2018
      00:10 Uhr
      Ein Schüler verklagt den Staat - Nenad und das Recht auf Bildung aus der Reihe "Die Story" - ARD-Themenwoche „Gerechtigkeit“ | WDR Fernsehen
       

      März 2017, Prozessbeginn am Kölner Landgericht: Der 22-jährige Nenad Mihailovic verklagt das Land Nordrhein-Westfalen. Elf Jahre lang ging Nenad auf eine Förderschule für Geistige Entwicklung in Köln, obwohl er gar nicht geistig behindert ist. Noch nie hat in Deutschland jemand versucht, für die Zeit auf einer Sonderschule zu klagen. Dieser einmalige Fall wirft viele Fragen auf: Wie konnte es passieren, dass ein normal begabtes Kind elf Jahre lang auf einer Schule für geistig Behinderte festgehalten wurde? Und ist Nenad vielleicht kein Einzelfall?

      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 16.11.18
      00:10 - 00:55 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      März 2017, Prozessbeginn am Kölner Landgericht: Der 22-jährige Nenad Mihailovic verklagt das Land Nordrhein-Westfalen. Elf Jahre lang ging Nenad auf eine Förderschule für Geistige Entwicklung in Köln, obwohl er gar nicht geistig behindert ist. Noch nie hat in Deutschland jemand versucht, für die Zeit auf einer Sonderschule zu klagen. Dieser einmalige Fall wirft viele Fragen auf: Wie konnte es passieren, dass ein normal begabtes Kind elf Jahre lang auf einer Schule für geistig Behinderte festgehalten wurde? Und ist Nenad vielleicht kein Einzelfall?

       

      März 2017, Prozessbeginn am Kölner Landgericht: Der 22-jährige Nenad Mihailovic verklagt das Land Nordrhein-Westfalen. Elf Jahre lang ging Nenad auf eine Förderschule für Geistige Entwicklung in Köln, obwohl er gar nicht geistig behindert ist. Noch nie hat in Deutschland jemand versucht, für die Zeit auf einer Sonderschule zu klagen. Dieser einmalige Fall wirft viele Fragen auf: Wie konnte es passieren, dass ein normal begabtes Kind elf Jahre lang auf einer Schule für geistig Behinderte festgehalten wurde? Und ist Nenad vielleicht kein Einzelfall?

      Als Nenad eingeschult wurde, konnte er kein Deutsch. Er sprach nur Romanes, die Sprache der Roma. So wie seine Eltern, die vor Krieg und Elend aus Serbien nach Deutschland geflohen waren. Die Lehrer beauftragten damals einen Sonderpädagogen, den verängstigten Jungen, der in der Klasse kein Wort sagte, zu begutachten. Das Ergebnis: Nenad habe einen IQ von 59. Damit galt der damalige Erstklässler als geistig behindert. Er kam auf eine Förderschule für geistige Entwicklung.

      "Ich wusste immer, dass ich da nicht hingehöre", sagt Nenad heute. Er habe auf der Schule keine Freunde gehabt und sich ständig unterfordert gefühlt. Doch niemand erkannte das. Weder seine Lehrer noch seine Familie. Erst mit der Unterstützung des Kölner Vereins "mittendrin" konnte Nenad die Schule verlassen und den lang ersehnten Schulabschluss machen. Sein Fall stellt das System in Frage, wie der Förderbedarf eines Schulkindes ermittelt wird.

      Sonderpädagogen sind die Experten für Kinder und Jugendliche, die geistig behindert, körperbehindert, verhaltensauffällig oder lernbehindert sind. Ihrer Expertise wird vertraut, wenn es um Schülerinnen und Schüler mit Handicaps geht. Wie konnten sich hochqualifizierte Experten im Fall Nenad so irren?

      Die Story-Autorinnen Cornelia Uebel und Gülseli Baur haben im Zuge ihrer Recherchen auch eine Dortmunder Schule für geistige Entwicklung besucht. Auch hier kennt man den Fall Nenad. Gemeinsam haben Schulleitung, Kollegium, Eltern und Schüler beschlossen, den Alltag an ihrer Schule einer breiteren Öffentlichkeit zu zeigen.

      Ein Film von Cornelia Uebel und Gülseli Baur

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      ARD-Themenwoche 2018 „Gerechtigkeit“

      Gerechtigkeit und Chancengleichheit in unserer Gesellschaft - darum geht es in der ARD-Themenwoche vom 11. bis 17. November 2018. "Gerechtigkeit ist ein Thema, das alle angeht", so NDR-Intendant Lutz Marmor, dessen Sender in diesem Jahr federführend für die Themenwoche ist. Volker Herres, Programmdirektor des Ersten, erklärt: "Eine Gesellschaft hält nur zusammen, wenn jeder sich in seiner Würde gerecht behandelt fühlt."
      Alle Fernseh- und Radioprogramme sowie die Online-Angebote der ARD beschäftigen sich vielfältig mit dem Thema und laden zur Diskussion ein. Die Genres reichen von dokumentarisch bis fiktional, von informativ und investigativ bis unterhaltsam und spielerisch. Die ARD-Themenwoche gibt es seit 2006 – ihr Ziel ist es, gesellschaftlich relevante Fragen breit und vielfältig aufzunehmen, viele Menschen damit zu erreichen und nachhaltig eine öffentliche, sachliche Diskussion anzustoßen.

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