• 13.05.2013
      23:30 Uhr
      Die großen Kriminalfälle Die tödliche Liebe der Ingrid van Bergen | hr-fernsehen
       

      Juli 1977. Bereits neun Stunden vor Prozessbeginn warten Hunderte Schaulustige vor dem Münchner Justizpalast. Um 9 Uhr wird die Angeklagte Ingrid van Bergen durch einen Seiteneingang ins Gerichtsgebäude geführt. Sie soll ihren Geliebten Klaus Knaths erschossen haben: aus Eifersucht. Der "Fall Ingrid van Bergen" wird zu einem Sensationsprozess, ein Fall, der von Beginn an von Theatralik begleitet wird.

      Montag, 13.05.13
      23:30 - 00:15 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Juli 1977. Bereits neun Stunden vor Prozessbeginn warten Hunderte Schaulustige vor dem Münchner Justizpalast. Um 9 Uhr wird die Angeklagte Ingrid van Bergen durch einen Seiteneingang ins Gerichtsgebäude geführt. Sie soll ihren Geliebten Klaus Knaths erschossen haben: aus Eifersucht. Der "Fall Ingrid van Bergen" wird zu einem Sensationsprozess, ein Fall, der von Beginn an von Theatralik begleitet wird.

       

      Die beteiligten Personen sind prominent, die Umstände nahezu bühnenreif: die Täterin, eine Schauspielerin, die ehemals als blondes Kurvenwunder glänzte und nach wie vor die Rolle ihres Lebens sucht; das Opfer, ein zwölf Jahre jüngerer Familienvater und Finanzmakler, der sein finanzielles Überleben mit Verhältnissen zu reichen Frauen sichert und schließlich sterbend im verschneiten Rosenbeet gefunden wird. Eine Handvoll mehr oder weniger prominenter Zeuginnen, die ebenfalls Verhältnisse zum Opfer unterhielten, dazu Rolf Bossi als Staranwalt auf großer Bühne. Und schließlich die Mutter des Opfers, die die Tat am Telefon "live" mitverfolgte.

      Im Vorfeld hatten die Medien monatelang über den Fall berichtet. In der medialen Aufbereitung wurde aus dem Tötungsdelikt ein Boulevardstück im Milieu der Münchner Schickeria. Auch vor Gericht entsteht der Eindruck einer großen Inszenierung. In der Tatnacht hat sie stundenlang auf den Geliebten gewartet. Er trieb sich in Bars herum, wie so oft. "Das Ganze hat sich aufgebaut", sagt Ingrid van Bergen heute. "Ich war immer bereit, ihm zu verzeihen. Das ist doch klar. Wenn ein Mann zu mir sagt: 'Ich liebe dich, es gibt außer dir keine Frau und nichts anderes', glaubt man das doch allzu gerne." Doch als Klaus Knaths endlich nach Hause kommt, gibt es Streit.

      Sie habe gedacht, dies alles sei nur ein Spiel gewesen und der Revolver nicht geladen, erklärte Ingrid van Bergen den Polizisten, die in der Nacht vom 2. auf den 3. Februar 1977 als erste in der Starnberger Villa erschienen. Trotzdem feuerte sie drei Schüsse ab. Der erste ging durch ein Fenster, die beiden anderen trafen das Opfer. Und doch wollte sie bis zuletzt geglaubt haben, ihr Geliebter spiele nur, sei nur leicht verletzt. An den genauen Tathergang könne sie sich nicht erinnern: "Ich weiß nicht einmal, dass ich geschossen habe. Ich weiß gar nichts."

      Der Film von Ulrike Brincker und Rüdiger Liedtke rekonstruiert die Tatnacht und wirft einen Blick hinter die Kulissen der Münchner Schickeria. Die Dokumentation entwickelt das Psychogramm einer Täterin, die nach Liebe und Enttäuschung aus Eifersucht tötet. Den Autoren ist es gelungen, Ingrid van Bergen und deren Anwalt Rolf Bossi vor die Kamera zu bekommen und das "Liebesdrama aus Eifersucht" nach über dreißig Jahren mit ihnen gemeinsam noch einmal Revue passieren zu lassen.

      Ein Film von Ulrike Brincker und Rüdiger Liedtke.

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