• 12.12.2011
      01:15 Uhr
      Das Schreiben und das Schweigen Der Dokumentarfilm | hr-fernsehen
       

      Nach ihrem ersten Mayröckerfilm - "1 Häufchen Blume, 1 Häufchen Schuh", 1990 - hat die Filmemacherin Carmen Tartarotti sich 15 Jahre später entschlossen, einen zweiten Film mit der österreichischen Dichterin Friederike Mayröcker zu versuchen.

      Nacht von Sonntag auf Montag, 12.12.11
      01:15 - 02:45 Uhr (90 Min.)
      90 Min.

      Nach ihrem ersten Mayröckerfilm - "1 Häufchen Blume, 1 Häufchen Schuh", 1990 - hat die Filmemacherin Carmen Tartarotti sich 15 Jahre später entschlossen, einen zweiten Film mit der österreichischen Dichterin Friederike Mayröcker zu versuchen.

       

      Diesmal ohne inhaltliche und formale Erwartungseinschränkungen, Längen- und Terminvorgaben der Auftraggeber. Über mehrere Jahre hinweg hat sie die Dichterin in ihrer Wohnung und auf ihren Lesereisen so diskret wie möglich begleitet und befragt, großteils allein mit Kamera und Mikrofon, wie es sich die Protagonistin ausdrücklich gewünscht hat - entscheidend unterstützt allerdings von dem Schweizer Kameramann Pio Corradi. Eine der Voraussetzungen für das Zustandekommen des Films war die absolute Rücksichtnahme auf die derzeitige Lebenssituation der Schriftstellerin und auf ihre Arbeitsrhythmen. Das machte eine andere Methodik und Vorgehensweise erforderlich, als man es von gängigen Produktionen kennt: Die fragile Zimmerarchitektur in Mayröckers Wohnung lässt den Einsatz eines normalen Kamera- und-Lichtequipments auf keinen Fall zu. Über Monate hinweg war Tartarotti darauf bedacht, Aussagen der Dichterin zu erhalten, die keine Antworten auf Fragen darstellen, sondern Äußerungen der scheinbar selbstverständlichsten Art: unspektakulär und gerade deshalb von großer Anziehungskraft. Carmen Tartarotti hat eine eigene ästhetische Form gefunden, sich ihrem Gegenüber versuchsweise zu nähern und diesen Prozess der Annäherung filmisch mitzugestalten. Transparenz und Distanz sind der medienscheuen Schriftstellerin wichtig, und gerade deshalb öffnet sie sich in diesem Film auf überraschende Weise: Noch während die Unmöglichkeit des filmischen Unterfangens thematisiert wird, hat man Zugang erhalten zur Dichterpersönlichkeit und dem Raum, in dem sie arbeitet. Der Film zeigt das Chaos, das nur ein scheinbares ist, und schaut zu, wie Friederike Mayröcker den Titel des Films kreiert. Es ist zu hören, dass es ausgeschlossen ist, dabei zu sein, wenn sie an der Maschine sitzt, und versetzt dennoch in ihre Sprachkunst, zieht hinein in den Schreibprozess, so intim, als gäbe es die Kamera nicht. "Das Schreiben und das Schweigen" ist eine Reflexion der filmischen Möglichkeiten ihrer Darstellung.

      Ein Film von Carmen Tartarotti (Hessische Filmförderung)

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      Nacht von Sonntag auf Montag, 12.12.11
      01:15 - 02:45 Uhr (90 Min.)
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