• 05.02.2013
      02:45 Uhr
      Faszination Wissen: Massentierhaltung - Ist sie wirklich so schlimm? Moderation: Gunnar Mergner | BR Fernsehen
       

      Hochgezüchtete, kranke Tiere und vollgestopfte Ställe haben die Massentierhaltung in Verruf gebracht. Sind die Zustände bei der konventionellen Tierzucht wirklich so schlimm und haben sie Einfluss auf den Menschen? - Durchschnittlich verzehrt jeder Deutsche im Jahr 60 Kilogramm Fleisch. Das entspricht einem halben Schwein, zehn Hühnern und 30 Rindersteaks. Dazu kommen 200 Eier und 70 Liter Milch. Die Massentierhaltung macht es möglich. Der Großteil dieser tierischen Lebensmittel - 99 Prozent sind es beim Fleisch - stammt aus Massentierhaltung, die nicht gerade den besten Ruf hat.

      Nacht von Montag auf Dienstag, 05.02.13
      02:45 - 03:20 Uhr (35 Min.)
      35 Min.

      Hochgezüchtete, kranke Tiere und vollgestopfte Ställe haben die Massentierhaltung in Verruf gebracht. Sind die Zustände bei der konventionellen Tierzucht wirklich so schlimm und haben sie Einfluss auf den Menschen? - Durchschnittlich verzehrt jeder Deutsche im Jahr 60 Kilogramm Fleisch. Das entspricht einem halben Schwein, zehn Hühnern und 30 Rindersteaks. Dazu kommen 200 Eier und 70 Liter Milch. Die Massentierhaltung macht es möglich. Der Großteil dieser tierischen Lebensmittel - 99 Prozent sind es beim Fleisch - stammt aus Massentierhaltung, die nicht gerade den besten Ruf hat.

       

      Man denkt an BSE, Antibiotika-Missbrauch oder an Tierschutzskandale. Ist die intensive Tierhaltung wirklich so schlimm? Um das herauszufinden, hat "Faszination Wissen" das "System Massentierhaltung" genau unter die Lupe genommen: Moderator Gunnar Mergner und sein Team haben bei Züchtern, Bauern, Konzernen und Forschungsinstituten recherchiert, wie sich die Massentierhaltung auf Tier, Mensch und Umwelt auswirkt.

      • Kann Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung für den Menschen gefährlich sein? Ja. Der Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht kann die Entstehung und Verbreitung von sogenannten multiresistenten Keimen fördern. Verbreitet werden die Keime beispielsweise über die Stallabluft. Oder sie kommen über den Hühnermist aufs Feld. Eine Studie des Verbraucherschutzministeriums Nordrhein-Westfalen kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als neunzig Prozent der Masthühnchen Antibiotika verabreicht bekommen. Das Robert Koch-Institut gibt an, dass in Deutschland jedes Jahr etwa 15.000 Menschen an den gefährlichen Keimen sterben.

      • Kann Massentierhaltung tiergerechter werden? Ja. Zum Beispiel durch gute Luft im Stall, Tageslicht, Auslauf-, Beschäftigungs- und Rückzugsmöglichkeiten (Sitzstangen, Picksteine, Strohballen) sowie getrennte Bereiche, um sich auszuruhen und zu koten. Das sind Kriterien des neuen Tierschutzlabels, das Anfang des Jahres eingeführt wurde. Haltung und Fütterung der Zuchttiere entspricht zwar nicht Bio-Standards, ist aber artgerechter als die konventionelle Tierzucht.

      • Schlachten ist gleich schlachten, oder? Nein. Auch beim Schlachten kann man auf tiergerechte Zustände achten. Jedes hundertste Schwein lebt beispielsweise noch, wenn es im Schlachthof verbrüht wird, viele Rinder sind nicht vollständig betäubt. Tiergerechtes Schlachten stellt sicher, dass Tiere richtig betäubt werden und vollständig entblutet sind, bevor sie getötet und weiterverarbeitet werden.

      • Fazit: Massentierhaltung ist eine perfektionierte Industrie: Im Zeitraffer hochgezüchtete Masthühner, die sich nicht auf ihren eigenen Beinen halten können. Im Schlachthof lebendig verbrühte Schweine, die noch nicht richtig tot waren. Ferkel, die ohne Betäubung kastriert werden, damit ihr Fleisch nicht zu streng riecht. Zuchtstiere, die keine Weibchen mehr zu sehen bekommen, sondern in Besamungsstationen im Akkord Attrappen bespringen. Die Verhältnisse in der Massentierhaltung sind alles andere als natürlich. Meist werden die Tiere an die Zucht-Systeme angepasst und nicht anderes herum.

      Das hat auch Folgen für den Menschen: Durch den starken Antibiotika-Einsatz in der Tierzucht nehmen gefährliche multiresistente Keime zu. Allerdings: Nur Dank Massentierhaltung und ihrer optimierten Effizienz ist es heute allen Menschen möglich, häufig Fleisch zu essen. Es ist kein reines Luxusprodukt mehr. Die Effizienz sorgt auch dafür, dass das Kilo Fleisch aus konventioneller Haltung weniger Emissionen verursacht als das Kilo Fleisch aus der Biohaltung.

      "Faszination Wissen" ist eine 30-minütige Wissenssendung, in der jede Woche einer aktuellen und spannenden Frage aus der Wissenschaft nachgegangen wird. Moderator Gunnar Mergner nimmt die Zuschauer mit in die Welt der Forscher und Experten, wenn er Antworten sammelt, die er im Studio zusammenführt. Dabei wägt er konträre Meinungen gegeneinander ab, stellt kritische Fragen und erkundigt sich auch da, wo die Forschungsergebnisse schließlich zum Einsatz kommen.

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