• 14.04.2011
      13:30 Uhr
      Farbe des Herzens BR Fernsehen
       

      Kapstadt, 1967: Das erste menschliche Herz wurde erfolgreich verpflanzt. Das Team der ersten Herztransplantation wurde in der internationalen Presse als gänzlich weiß präsentiert. Aber ein schwarzer Arzt spielte vermutlich eine große Rolle.

      Donnerstag, 14.04.11
      13:30 - 15:00 Uhr (90 Min.)
      90 Min.
      Stereo

      Kapstadt, 1967: Das erste menschliche Herz wurde erfolgreich verpflanzt. Das Team der ersten Herztransplantation wurde in der internationalen Presse als gänzlich weiß präsentiert. Aber ein schwarzer Arzt spielte vermutlich eine große Rolle.

       

      Südafrika, 2003 - ein schwarzer Mann namens Hamilton Naki behauptet unerwartet, im Team der ersten Herztransplantation dabei gewesen zu sein, die am 3. Dezember 1967 in Kapstadt durchgeführt wurde. In einem Interview mit einem amerikanischen Fernsehsender erzählt Hamilton Naki, dass er das Herz der Spenderin Denise Darvall in den anliegenden Operationssaal gebracht und dem leitenden Arzt Dr. Barnard geholfen habe, es in die offene Brust des Patienten zu verpflanzen. Der internationalen Presse wurde das Team später jedoch als gänzlich weiß präsentiert.

      Naki starb 2005. Alle die ihn kannten, ob schwarz oder weiß, reden mit großem Respekt über ihn. Er war ein ehrlicher Arbeiter, ein sehr talentierter Chirurg, fleißig und bescheiden. Naki arbeitete jahrzehntelang im Tierlabor, wo Barnard richtungsweisende Experimente mit Hundeherzen durchführte. Naki behauptete erst nach Barnards Tod, dass er in dem Team war, das das erste menschliche Herz verpflanzte. Erst nach Ende der Apartheid und nach Barnards Tod wurde er "entdeckt" und wie Barnard als internationaler Held gefeiert. 2003, zwei Jahre bevor er starb, erhielt Naki den Ehrendoktor der Universität Kapstadt, und Präsident Thabo Mbeki persönlich verlieh ihm das südafrikanische Verdienstkreuz. Tatsächlich war es Naki, der Hunderte von Junior-Ärzten unterrichtete.

      Der Film "Farbe des Herzens" von Werner Schweizer ("Höllentour", 2004) und Christina Karrer ("Um der Trophäe willen", 2008) versucht ein Doppelporträt von Bernard und Naki, deren Leben unterschiedlicher nicht hätten sein können. Er erzählt zugleich ein Stück Medizingeschichte wie ein Kapitel aus der Zeit der Apartheid in Südafrika vor dem Hintergrund zweier faszinierender Lebensläufe, die ganz von ihrer Zeit geprägt waren. Es ist eine archetypische Erzählung von Ungerechtigkeit und von schlussendlicher Genugtuung. Dabei erwies es sich als Glücksfall, dass noch einige wichtige Zeitzeugen leben. Mit dem 1924 geborenen Filmemacher Dirk de Villiers konnte eine Erzählfigur gefunden werden, die Barnard und Naki sehr gut kannte. De Villiers hat mit Naki zwei bislang unveröffentlichte Interviews gedreht, das letzte Interview mit Barnard kurz vor dessen Tod, Szenen im Tierlabor mit Naki sowie die Verdienstkreuz- Ehrung mit Nelson Mandela und Thabo Mbeki, die er der Produktion exklusiv zur Verfügung stellte.

      "Klug lässt der Film erkennen, dass es auch hier nicht einfach eine einzige Wahrheit gibt und macht so die Verheerungen der Apartheidpolitik in einem kleinen gesellschaftlichen Teilbereich sichtbar." (NZZ).

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      Donnerstag, 14.04.11
      13:30 - 15:00 Uhr (90 Min.)
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