• 09.03.2010
      23:25 Uhr
      Revanche Spielfilm Österreich 2008 - Zur Oscar-Verleihung 2010 | BR Fernsehen
       

      Der Ex-Knacki Alex arbeitet als "Mädchen für alles" im Bordell von Konecny. Mit der ukrainischen Prostituierten Tamara will er raus aus dem Rotlichtmilieu. Ein Banküberfall soll das nötige Geld abwerfen - aber dann geht alles schief...

      Dienstag, 09.03.10
      23:25 - 01:20 Uhr (115 Min.)
      115 Min.
      VPS 23:24
      Neu im Programm
      Stereo

      Der Ex-Knacki Alex arbeitet als "Mädchen für alles" im Bordell von Konecny. Mit der ukrainischen Prostituierten Tamara will er raus aus dem Rotlichtmilieu. Ein Banküberfall soll das nötige Geld abwerfen - aber dann geht alles schief...

       

      Stab und Besetzung

      Alex Johannes Krisch
      Tamara Irina Potapenko

      Obwohl vom Chef streng verboten, verlieben sich die ukrainische Prostituierte Tamara und Alex ineinander und treffen sich heimlich in Alex' Absteige. Als sich aber Konecny an Tamara heranmacht, sie unter seinen persönlichen "Schutz" stellen will und sie zusammenschlagen lässt, weil sie auf seine Pläne nicht eingehen will, wird die Situation unhaltbar.
      Schon seit Längerem hat Alex einen bombensicheren Banküberfall in dem verschlafenen Nest geplant, in dem er aufgewachsen ist und in dem der Großvater allein auf dem kleinen elterlichen Hof lebt. Tamara willigt, wenn auch zögernd und ängstlich, in Alex' Plan ein. Aber sie will ihn unter allen Umständen begleiten, zumindest will sie im Auto warten, während er die Bank ausraubt. Alex marschiert hinein, alles verläuft nach Plan, doch als er zum Auto zurückkommt, sieht er, dass ein Polizist am Auto steht und mit der verzweifelt wirkenden Tamara spricht. Kurz entschlossen stellt er den maskierten Polizisten, bedroht ihn und zwingt ihn, sich niederzulegen. Als die beiden im Wagen davonrasen, schießt der Polizist - und trifft Tamara tödlich. Wie versteinert lenkt Alex das Auto in den nahe gelegenen Wald, verlässt ihn und geht zum Hof seines Großvaters.
      In der Zwischenzeit hat der Polizist den Überfall gemeldet. Robert gehört zum örtlichen Polizeirevier. Er wohnt ganz in der Nähe des Hofes, auf dem Alex Zuflucht gesucht hat. Er hat ein Haus gebaut mitten im Grünen, eine hübsche junge Frau namens Susanne, nur der Kinderwunsch geht nicht in Erfüllung. Susanne besucht den alten Nachbarn oft. Dass der Enkel Alex gekommen ist, um dem Großvater endlich unter die Arme zu greifen, findet sie gut - und sie findet immer häufiger einen Grund, auf dem Hof aufzutauchen. Der wortkarge Enkel scheint von ihr angetan zu sein. Ihr Mann Robert kann den Tod der jungen Frau, die er aus Versehen erschossen hat, nicht verwinden, verfällt in Depressionen. Nur das tägliche Joggen behält er bei. Und er wundert sich nicht über den Mann, der ihm auf seiner Route am Teich vorbei immer wieder begegnet. Die beiden kommen sogar ins Gespräch, Alex spricht ihn auf den Schusswechsel an. Robert stellt (sich) die Frage, warum um Himmels willen der Bankräuber das Mädchen mitgenommen hat, nur deshalb kam es zu diesem sinnlosen Tod. Alex verstummt. Es ist der Beginn eines Katz- und Mausspiels zwischen dem potenziellen Rächer und seinem avisierten Opfer.

      Mit "Revanche" schuf der österreichische Regisseur und Drehbuchautor Götz Spielmann das Meisterwerk seiner bisherigen Karriere. Spielmann begann schon in der Schulzeit, Drehbücher zu schreiben und Kurzfilme zu drehen. Nach dem Abitur ging Spielmann für einige Monate nach Paris und begann anschließend 1980 ein Regie- und Drehbuch-Studium an der Filmakademie Wien, u. a. bei Axel Corti. Für seinen Abschlussfilm "Vergiss Sneider!" (1987) erhielt er 1988 den Sonderpreis des Max-Ophüls-Festivals. 1990 brachte ihm das Drama "Erwin und Julia" eine Nominierung für den "Goldenen Leoparden" von Locarno ein. Drei Jahre später gewann er für seinen Film "Der Nachbar" den Wiener Filmpreis auf der Viennale.
      Schon vor "Revanche" wurden zwei seiner Arbeiten von Österreich für den Oscar-Wettbewerb als bester fremdsprachiger Film eingereicht: "Die Fremde", 2000, und "Antares", 2004, (außerdem Nominierungen in Locarno und Mar del Plata). Beide Filme sind wie "Revanche" bestimmt von einem faszinierend kargem Sprachduktus, und der minimalistischen Gestik und Mimik der Protagonisten.
      2006 gründete er seine eigene Filmproduktion, die "Spielmannfilm". Außerdem ist er Vorstandsmitglied des Verbandes der Filmregisseure Österreichs. 2006 eroberte er auch zum ersten Mal als Regisseur die Bühne. Anfang 2007 erlebte mit "Imperium" sein erstes Theaterstück Premiere in den Linzer Kammerspielen.
      2008 präsentierte Spielmann die beklemmende Mischung aus Thriller und Psychodrama "Revanche", bei der Berlinale 2008 uraufgeführt und mit dem "Art-Cinéma-Award" sowie dem "Label Europa Cinemas" ausgezeichnet.
      "Hier werden keine Muster bedient, es geht um Vergebung, um Menschlichkeit, um Heimat und um inneren Frieden. Dies ist europäisches Kino, realistisches modernes Erzählkino in reinster, schönster Form. Indem Regisseur Götz Spielmann auf jede, aber wirklich jede Effekthascherei verzichtet, erreicht er den größten Effekt: atemberaubende Spannung, höchstmögliche Aufmerksamkeit, Bilder und Szenen, die sich im Kopf festsetzen und lange nachwirken. Ein großer Film, eine beeindruckende Ensemble-Leistung, ein Meisterwerk", urteilte die Jury des Filmkunstfests Mecklenburg-Vorpommern.

      Kritik:
      "Die Wege zweier Paare, eines aus dem Wiener Rotlicht-Milieu, das andere aus der österreichischen Provinz, kreuzen sich, ... . In klaren Tableaus (Kameramann Martin Gschlacht) entwickelt der Film ein moralisch vielschichtiges und tiefenwirksames Bild der inneren und äußeren Wege seiner Figuren. In kleinen szenischen Details und punktgenauen Dialogen scheinen Veränderungen auf, wobei die Rachegeschichte letztlich hoffnungsvoll-humanistische Züge annimmt" (LIF).
      "... Die Dialoge des Autors Spielmann stimmen auf den Punkt genau, nie wird zu viel gesagt oder zu wenig. So lakonisch das Verhältnis zwischen Alex und seinem Großvater auch ist, so scheint doch in den wenigen Worten, die beide täglich am Tisch in der Stube wechseln, die fundamentale Veränderung in dieser Beziehung auf: Aus Gleichgültigkeit und Enttäuschung wird Zuneigung, Verantwortung und Respekt. Entsprechend zurückgenommen agieren die Schauspieler, so dass die großen, existenziellen Gefühle nie Gefahr laufen, in der Übertreibung unterzugehen ..." (Julia Teichmann).
      "Eindrucksvolle Kameraarbeit von Martin Gschlacht, der Schlüsselfigur unter Österreichs jungen Kameramännern, sorgt für Einfachheit und Klarheit, während der präzise Schnitt von Karina Ressler keine überflüssigen Momente in einem Film, der knapp über zwei Stunden läuft, erlaubt. Mit Revanche, seiner stärksten Arbeit bisher, kreiert Spielmann hohe Erwartungen für die Zukunft" (Alissa Simon, Variety).
      "'Revanche' dagegen ist ein großer Spielfilm und bisheriger Höhepunkt in der Entwicklung des Filmemachers Götz Spielmann. Seine Geschichte von den durch einen Todesschuss zusammengeführten Schicksalen zweier unterschiedlicher Paare ist effektiv aufs Wesentliche reduziert, erinnert nicht nur damit an die Hochblüte des französischen Qualitätskrimis" (Christoph Huber, Die Presse).

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