• 06.02.2010
      21:00 Uhr
      natur exclusiv Wildes Böhmen | BR Fernsehen
       

      Entlang der Moldau, südlich der "Goldenen Stadt" Prag, liegt ein verborgenes Mosaik aus Seen, Teichen, Wiesen und Wäldern. Was auf den ersten Blick wie unberührte Wasserwildnis wirkt, ist ein von Menschenhänden gemachtes Paradies.

      Samstag, 06.02.10
      21:00 - 21:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Entlang der Moldau, südlich der "Goldenen Stadt" Prag, liegt ein verborgenes Mosaik aus Seen, Teichen, Wiesen und Wäldern. Was auf den ersten Blick wie unberührte Wasserwildnis wirkt, ist ein von Menschenhänden gemachtes Paradies.

       

      Stab und Besetzung

      Redaktionelle Zustaendigkeit Jiri Petr
      Michael Schlamberger
      Redaktion Udo Zimmermann

      Die Naturfilmer Jiri Petr und Michael Schlamberger zeichnen das stimmungsvolle Porträt einer Kulturlandschaft, die zum Rückzugsgebiet für viele Tierarten wurde. Kameramann Petr kennt diese Gegend im Herzen Europas seit frühester Jugend. Als Naturfilmer hat er hier jahrelang jeden Winkel durchstreift. Nun ermöglicht er den Zuschauern faszinierende Einblicke in eine Landschaft, die man mitten in Europa kaum vermuten würde. Natur und Kulturland sind hier seit Jahrhunderten eng miteinander verwoben. Im Mittelalter begann man, die unzugänglichen Sümpfe und Moore zwischen den Flüssen Moldau und Lainsitz im Süden Böhmens in ein Netzwerk von Teichen und Kanälen für die Fischzucht zu verwandeln. Die Natur wurde dafür nicht einmal zerstört. Im Gegenteil entstanden über die Jahrhunderte märchenhafte Landstriche und einmalige Tierparadiese. Die Geschichte der Region begann eigentlich mit einem Fisch, dem Karpfen. Die Römer führten die ursprünglich asiatische Art nach Europa ein. Von da an besiedelten die Fische die Seen und Flüsse des Donauraums. Mönche brachten den Karpfen im 12. Jahrhundert von der Donau nach Böhmen. Seit jeher war der Karpfen ein beliebter Speisefisch. In den Klosterküchen galt er als bevorzugte Fastenspeise. Da die Karpfen auch in Gewässern mit niedrigem Sauerstoffgehalt zurechtkommen, waren sie wie geschaffen für die Zucht in seichten Teichen. So begannen die Mönche damit, erste kleine Fischteiche rund um ihre Klöster anzulegen. Heute gibt es zwischen den Metropolen Wien und Prag an die 500 Fischteiche davon. Cesky Krumlov, das ehemalige Krumau, ist das größte zur Karpfenzucht genutzte Teichgebiet Mitteleuropas. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die künstlich geschaffene Landschaft in eine Art Wildnis aus zweiter Hand verwandelt. Heute ist die Teichlandschaft ein UNESCO-Biosphärenreservat und ein außergewöhnliches Beispiel dafür, wie Mensch und Natur in Harmonie miteinander existieren können. Mehr als 150 Vogelarten brüten hier. Überall in der Auwildnis wird hoch oben in den Baumkronen oder versteckt im Schilfdickicht für Nachwuchs gesorgt. Zwergdommel, Drosselrohrsänger und Rohrweihe finden im Schilfdschungel ideale Bedingungen für die Aufzucht ihrer Jungen, während die Blaumeise in bis zu 400 Jahre alten Eichen auf den Dämmen brütet. Das offene Wasser ist das Revier der Haubentaucher, die ihren Nachwuchs auf Schwimmnestern großziehen. Fischzucht mit Maß und Ziel lässt auch die Vogelwelt profitieren, sogar den raren Seeadler. Die stattlichen Vögel sind auf große Gewässer angewiesen, die ihnen ausreichend Nahrung bieten. Das Mosaik aus Teichen und Wäldern ist für sie ein idealer Lebensraum. Im Süden Böhmens hat sich ein stabiler Bestand entwickelt. Auch die Fischotter finden hier paradiesische Zustände. Tief im Dickicht hausen sogar Elche. Fast unbemerkt sind sie aus Polen in den sumpfigen Süden gewandert und haben es geschafft, eine erfolgreiche Population aufzubauen. Kein Wunder: Die Wiederkäuer lieben Gräser, Zweige, Blätter und Wasserpflanzen. Die Teichwildnis ist ein Eldorado für sie. Im Herbst wird es rund um die spiegelnden Wasserflächen ruhiger. Die Zeit der Fischernte naht. Die Technik des Abfischens ist seit Jahrhunderten unverändert, nur der Ertrag ist um ein Vielfaches gestiegen. Zurzeit werden in der Region pro Jahr 3 200 Tonnen Karpfen für Weihnachten produziert. Ende des 16. Jahrhunderts betrug die jährliche Fischernte nur 200 Tonnen. Das Abfischen bedeutet aber auch Fischernte für die Vogelwelt.

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      21:00 - 21:45 Uhr (45 Min.)
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