• 31.01.2021
      11:00 Uhr
      Der Sonntags-Stammtisch Bayerisch - Bissig - Bunt | BR Fernsehen
       

      Gäste:

      • Friedrich Ani, Schriftsteller
      • Joachim Herrmann, Bayerischer Innenminister, CSU

      Sonntag, 31.01.21
      11:00 - 12:05 Uhr (65 Min.)
      65 Min.
      Stereo

      Gäste:

      • Friedrich Ani, Schriftsteller
      • Joachim Herrmann, Bayerischer Innenminister, CSU

       

      Stab und Besetzung

      Moderation Hans Werner Kilz
      • Joachim Herrmann, Bayerischer Innenminister, CSU

      Angesichts der explodierenden Corona-Zahlen im europäischen Ausland hält der Bayerische Innenminister an stichprobenartigen Grenzkontrollen zu den bayerischen Nachbarländern fest. Seine Angst vor "Coronavirus-Importen" scheint nicht unbegründet, denn die Infektionszahlen in Tschechien und Österreich waren zuletzt sprunghaft angestiegen.

      Joachim Herrmann ist ein echter bayerischer Multikulti - der Vater war Oberpfälzer, die Mutter Münchnerin. Aufgewachsen in Erlangen, sieht er sich aber als echter Franke. Dass er nicht wie geplant Staatsanwalt wurde, sondern in der Politik Karriere machte, verdankt er keinem geringeren als Edmund Stoiber. 1984 ging er auf seine Anregung in das Referat für Wirtschafts- und Verkehrspolitik der Bayerischen Staatskanzlei.

      Von da an ging es weiter die Karriereleiter hinauf. 1997 machte ihn der damalige Parteivorsitzende Theo Waigel zum stellvertretenden CSU-Generalsekretär. 2007 übernahm er unter Ministerpräsident Günther Beckstein die Leitung des Innenministeriums. Nach dessen Landtagswahlniederlage 2008 bewarb sich Herrmann um die Nachfolge Becksteins als Ministerpräsident, zog dann aber zurück - und blieb unter Horst Seehofer Innenminister und einer seiner engsten Vertrauten. Kein Wunder, dass er fortan als möglicher Kronprinz gehandelt wurde.

      Bei der Bundestagswahl 2017 trat Herrmann als Spitzenkandidat der CSU an und wurde von vielen schon als künftiger Bundesinnenminister gehandelt. Infolge des schlechten Wahlergebnisses für die CSU zog er allerdings nicht in den Bundestag ein und überließ Horst Seehofer daraufhin das Feld in Berlin.
      Klare Kante in der Flüchtlingspolitik

      Bayern investiert viel Geld in Integration, in keinem Bundesland wird aber so konsequent abgeschoben wie im Freistaat. Der Bayerische Innenminister sieht es als Erfolg an, dass die Flüchtlingszahlen in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen seien:

      "Unser Ziel ist es, auf jeden Fall eine Situation wie im Jahr 2015 zu vermeiden."

      Auch ein Jahr nach dem ersten Corona-Ausbruch in Deutschland bleibt er der besonnene Strippenzieher im Hintergrund. Joachim Herrmann ist sich sicher, impfen ist eine der wesentlichen Strategien, um die Pandemie eines Tages zu besiegen. Das machte er auch beim Besuch des Impfzentrums der Stadt und des Landkreises Erlangen deutlich:

      "Wir haben die Corona-Pandemie noch lange nicht überwunden. Aber wir kommen diesem gemeinsamen Ziel mit jeder Impfung einen Schritt näher und ich ermutige alle, sich impfen zu lassen! Denn nur so können wir wieder einen Weg hin zur Normalität finden."

      • Friedrich Ani, Schriftsteller

      Er sieht sich selbst als "Chronist am Wegesrand". Die Figur des Fahnders Tabor Süden katapultierte Friedrich Ani vor zwanzig Jahren in die Riege der erfolgreichsten deutschen Krimiautoren. Auch in Corona-Zeiten schwieg seine Schreibfeder nicht. Mitte Mai erscheint sein neuester Roman "Letzte Ehre". Darin ermittelt seine neueste Figur, die syrische Oberkommissarin Fariza Nasri.

      Schreiben faszinierte den Sohn eines Syrers und einer Schlesierin, der im idyllischen Kochel am See aufwuchs, schon in jungen Jahren.

      "Ein Auslöser war sicher mein Deutschlehrer, der mir in der sechsten Klasse nicht geglaubt hat, dass ich den Aufsatz selber geschrieben habe. `Das gibt Rache´, hab ich gedacht. Seitdem hab ich nicht mehr aufgehört zu schreiben."

      Trotzdem vergingen über zwanzig Jahre bis zu seiner ersten Buchveröffentlichung. Dazwischen machte er ein Volontariat beim "Münchner Merkur" und arbeitete als Kulturredakteur und Polizeireporter beim Bayerischen Rundfunk. 1996 platzte dann der literarische Knoten, und sein erstes Buch mit dem Titel "Killing Giesing" erschien.

      "Die Klaviatur, auf der ich meine Geschichten spielen kann, habe ich sehr spät entdeckt. Ich hab vorher einfach nicht den Ton und das Koordinatensystem gefunden für das, was ich erzählen wollte. Aber nicht, weil ich dachte, Kriminalromane seien niedere Literatur oder ich

      bin was Besseres. Ich war einfach zu blöd zu erkennen, was gut für mich ist."

      Er entdeckte das Genre des Krimis für sich und schaffte mit der Figur des Tabor Süden, seines Zeichens Hauptkommissar in der Vermisstenstelle der Münchner Kriminalpolizei, den endgültigen Durchbruch. Was wenige wissen: Tabor Süden war Friedrich Anis Künstlername, als er als Jugendlicher Geschichten schrieb. Und auch sonst fühlt er sich seiner Hauptfigur wesensverbunden.

      "Ich wollte immer verschwunden sein. Ich wollte nicht in den Bergen und im Dorf sein. Ich wollte weg sein. Aber ich wollte nicht vermisst werden, sondern die Erfahrung machen, wie es ist, ungekannt zu sein. So wie in den Abenteuerbüchern, wo jemand auf einer Insel strandet oder sonst wo landet."

      Danach legte er einen literarischen Turbo ein. Mittlerweile hat der 62-Jährige über fünfzig Romane, Gedichtbände, Bühnenstücke, dazu Dutzende Drehbücher und Hörspiele geschrieben. Viele von ihnen sind preisgekrönt, unter anderem mit dem Bayerischen Fernsehpreis oder dem Grimme-Preis. Im letzten Jahr kam eine weitere Auszeichnung dazu: der Kulturehrenbrief seines Heimatlandkreises Bad Tölz-Wolfratshausen. Auch wenn er sich sehr über diese Würdigung gefreut hat, ist ihm das Landleben bis heute fremd.

      "Ich ziehe die Großstadt mit ihrer Anonymität und Unberechenbarkeit vor. Ein Leben wieder auf dem Land? Ich weiß gar nicht, ob ich als Kind und Jugendlicher tatsächlich auf dem Land gelebt oder einfach bloß existiert habe. Ich lebte in Romanen, Gedichten, Liedern, in den übermütigen Spielen meiner Freunde. Die reale Wirklichkeit musste halt geschafft werden."

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