• 17.01.2022
      23:35 Uhr
      ttt - titel thesen temperamente Moderation: Max Moor | Das Erste
       

      Geplante Themen:

      • Kimchi, K-Pop, Kino – Wie Südkorea die Popkultur erobert
      • Abschied vom Provokateur? – Michel Houellebecqs neuer Roman "Vernichten"
      • Der Teufel, die Hölle und das Paradies – Der wunderbare „Atlas des Teufels“ über die Vorstellungen vom Jenseits
      • Der amerikanische Alptraum – Guillermo del Toros Neo-Noir-Kinofilm "Nightmare Alley"

      Nacht von Sonntag auf Montag, 17.01.22
      23:35 - 00:05 Uhr (30 Min.)
      30 Min.

      Geplante Themen:

      • Kimchi, K-Pop, Kino – Wie Südkorea die Popkultur erobert
      • Abschied vom Provokateur? – Michel Houellebecqs neuer Roman "Vernichten"
      • Der Teufel, die Hölle und das Paradies – Der wunderbare „Atlas des Teufels“ über die Vorstellungen vom Jenseits
      • Der amerikanische Alptraum – Guillermo del Toros Neo-Noir-Kinofilm "Nightmare Alley"

       

      Stab und Besetzung

      Moderation Max Moor
      • Kimchi, K-Pop, Kino – Wie Südkorea die Popkultur erobert

      Ein Film über soziale Ungleichheit und Klassenkampf in Südkorea, eine androgyne Boyband, die in ihren Musikvideos Friedrich Nietzsche zitiert – nein, das sind keine kulturellen Randphänomene, sondern fast unglaubliche Welterfolge. "Parasite" war der große Gewinner der Oscars 2020 und als nicht-amerikanischer Film so erfolgreich, dass es sogar Donald Trump erzürnte. Die Gruppe "BTS" wird auf YouTube milliardenfach geklickt und ist dabei nur die bekannteste der vielen neuen, auch hierzulande sehr erfolgreichen K-Pop Bands. Spätestens seit auf jedem Schulhof das ultrabrutale "Squid Game" (die meistgesehene Netflix-Serie aller Zeiten) nachgespielt wird, ist klar: Südkorea ist zu einer kulturellen Supermacht geworden.

      "Hallyu", den "koreanischen Stil" oder die "koreanische Welle", nannte man in China das Phänomen schon in den Neunzigerjahren. Heute ist Korea in vielen Ländern Asiens bereits die tonangebende Popkultur.

      Für Beobachter im Westen ist der Erfolg von K-Pop, K-Cinema und K-Food nicht selten ein Beleg für ein sich abzeichnendes Ende der kulturellen Hegemonie Amerikas. Dabei war das kleine Südkorea, das oft genug unter den benachbarten Großmächten China und Japan zu leiden hatte, doch bis vor wenigen Jahrzehnten bitterarm. Wie konnte das also passieren?

      Die Antwort darauf hat mit der Asienkriese der Neunzigerjahre zu tun, dem damaligen südkoreanischen Präsidenten Kim Dae-jung und dem besonderen Verhältnis der Südkoreaner zu den USA. Und mit Kimchi.

      "ttt" geht dem weltweiten Phänomen "Hallyu" nach und spricht darüber mit dem Spezialisten für K-Culture Kyung Hyun Kim, der Koreanistin CedarBough T. Saeji und dem Frankfurter Gastronomen und Unternehmer Ho-Seong Kim.

      • Abschied vom Provokateur? – Michel Houellebecqs neuer Roman "Vernichten"

      Er ist zweifellos einer der größten Schriftsteller unserer Zeit: Michel Houellebecq. Spätestens seit er 2015 die islamistischen Terroranschläge vorwegnahm, wird er von manchen als Prophet verehrt, als Seismograf unserer Gegenwart. Dabei sorgt er selbst gerne für heftige Beben und wird dafür von anderen glühend verachtet: für seine als reaktionär empfundenen Anwandlungen in Interviews und Texten, seine stereotyp gezeichneten Frauenfiguren, sein 68er-Gebashe oder seine islamkritischen Aussagen. Dass er diese Provokationen kalkuliert setzt und ein Meister der Inszenierung und Ambiguität ist, macht die Aura des Skandalautors vollends perfekt. Allerdings: An seinen literarischen Qualitäten zweifelt dabei kaum jemand.

      "Vernichten" heißt nun sein achter, gerade parallel in Frankreich und Deutschland erschienener Roman. Der Titel ist an Düsternis kaum zu überbieten und doch schlägt Chef-Apokalyptiker Michel Houellebecq in diesem Alterswerk einen komplett neuen Ton an – es ist eine echte Überraschung und vielleicht auch eine Verabschiedung.

      "ttt" spricht mit der französischen Autorin Agathe Novak-Lechevalier sowie den Literaturkritikerinnen Julia Encke und Iris Radisch darüber, warum Houellebecqs neuer Roman wieder mal eine lesenswerte Herausforderung ist.

      • Der Teufel, die Hölle und das Paradies

      "Seit wir auf dieser Welt leben, beschäftigen wir uns mit der nächsten", sagt Edward Brooke-Hitching. Das gelte für alle Religionen und alle Kulturen und durch alle Zeiten. Das Nachdenken über ein mögliches Jenseits sei dem Menschen eingeschrieben.

      Aber wohl wenigen so sehr wie dem britischen Autor Edward Brooke-Hitching, der eine regelrechte Obsession für den Himmel, die Hölle, das Fegefeuer und das dazugehörige Personal entwickelt hat. Zehn Jahre lang hat er in Museen, Bibliotheken, privaten Sammlungen und Antiquitätenläden schriftliche und gemalte Zeugnisse gesammelt, die den Versuch unternehmen, das Unbeschreibliche zu beschreiben. Aus ihnen hat er den "Atlas des Teufels" kompiliert.

      Herausgekommen ist ein wunderbarer Reiseführer in das "unentdeckte Land, von des Bezirk kein Wandrer wiederkehrt", wie es Shakespeare in "Hamlet" sagt

      . Über Engel, Dämonen, blutende Flüsse, die Inferno-Kartografien der Renaissance, islamische Paradiesvorstellungen und die bürokratischen Höllen des Buddhismus bis hin zu realen Orten, an denen der Versuch unternommen wurde, das Paradies auf Erden zu schaffen. Leider – natürlich – ohne Erfolg!

      "ttt" hat sich mit Edward Brooke-Hitching auf den Weg in die Unterwelt begeben – die Reise beginnt in der Nähe von London.

      • Der amerikanische Alptraum – Guillermo del Toros Neo-Noir-Kinofilm "Nightmare Alley"

      Woher kommt das Bedürfnis des Menschen, an etwas außerhalb seiner selbst und unserer Welt zu glauben? Und woher rührt die Verführungskraft, sich größer, mächtiger und bedeutender zu machen als man eigentlich ist?

      Star-Regisseur Guillermo del Toro blickt mit seinem neuen Film "Nightmare Alley" wieder tief in die menschliche Seele. Nach seinem vierfachen Oscar-Erfolg mit "Shape of Water – Das Flüstern des Wassers" hat er jetzt den amerikanischen Roman "Nightmare Alley" aus dem Jahr 1946 verfilmt, den er der Filmindustrie bereits vor Jahren vergeblich angeboten hatte. Doch auf das Gespür del Toros ist Verlass: Mit "Nightmare Alley" erzählt er nicht nur eine alte, aber hochaktuelle Geschichte, sondern interpretiert das Genre des "Film Noir" für die Gegenwart – bildgewaltig, alptraumhaft und mit großem Staraufgebot.

      Im Zentrum der Geschichte steht Stanton Carlisle (Bradley Cooper), der seine Seele an die Kunst des Betrugs verkauft. Angesiedelt im Amerika der Jahre 1939 bis 1941 spielt der Film in der Endphase der Großen Depression und in einem besonderen Teil der damaligen Gesellschaft: "Nightmare Alley" taucht ein in die Welt des Jahrmarkts, der Wahrsager und Mentalisten. Doch Carlisle reicht es nicht, das Kunststück des Gedankenlesens auf dem Rummel zur Schau zu stellen, er vollzieht einen steilen Aufstieg in die New Yorker High Society – in der er gemeinsam mit einer Psychiaterin (Cate Blanchett) der reichen Elite den Kontakt ins Jenseits ermöglicht. Mit fatalen Folgen.

      Es sei das, was er am amerikanischen Traum als so quälend empfinde, sagt del Toro: Diesen unersättlichen Hunger, den ein Mensch verspüren könne, immer mehr zu erreichen – koste es, was es wolle…

      Mit "Nightmare Alley" will del Toro den Film Noir neu beleben. Und ihm ist ein berührendes Antimärchen gelungen, dass die typischen Noir-Motive Kriminalität, menschliche Abgründe und Sozialkritik aufgreift, um in historischer Kulisse ins Heute zu verweisen. Die Gesellschaft sei gerade unter Spannung ganz so wie zu Zeiten der Großen Depression, sagt del Toro im "ttt"-Interview. Die Spaltung zwischen Arm und Reich nehme immer extremere Züge an und befeuere die große Angst, ganz plötzlich alles verlieren zu können. Zeiten, in denen Lügen und Populismus Konjunktur haben.

      "ttt" hat mit Guillermo del Toro über die grausame Vorhersehbarkeit der menschlichen Natur gesprochen und darüber, wie ganze Systeme entwickelt wurden, um sie auszubeuten.

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programm.ARD.de © rbb | ARD Play-Out-Center || 03.07.2022