• 14.03.2016
      23:30 Uhr
      SoKo Deutsche Einheit Ermittler in schwieriger Mission | Das Erste
       

      Mit der Gründung der ZERV, der Zentralen Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität, wurde 1992 eine "SOKO Deutsche Einheit" geschaffen mit einer historischen Aufgabe: Sie sollte Verbrechen des SED-Regimes aufklären und Straftäter im Kontext der Deutschen Einheit ermitteln. Mit der Ermittlungsstelle sollte ein Zeichen gesetzt werden: "Rechtsstaat vs. Unrechtsstaat", Politik fürs Geschichtsbuch, so wollte es Kanzler Helmut Kohl damals. Doch es kam alles ganz anders.

      • Geschichte im Ersten

      Montag, 14.03.16
      23:30 - 00:15 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo HD-TV

      Mit der Gründung der ZERV, der Zentralen Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität, wurde 1992 eine "SOKO Deutsche Einheit" geschaffen mit einer historischen Aufgabe: Sie sollte Verbrechen des SED-Regimes aufklären und Straftäter im Kontext der Deutschen Einheit ermitteln. Mit der Ermittlungsstelle sollte ein Zeichen gesetzt werden: "Rechtsstaat vs. Unrechtsstaat", Politik fürs Geschichtsbuch, so wollte es Kanzler Helmut Kohl damals. Doch es kam alles ganz anders.

      • Geschichte im Ersten

       

      Mit der Gründung der ZERV, der Zentralen Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität, wurde 1992 eine "SOKO Deutsche Einheit" geschaffen mit einer historischen Aufgabe: Sie sollte Verbrechen des SED-Regimes aufklären und Straftäter im Kontext der Deutschen Einheit ermitteln. Mit der Ermittlungsstelle sollte ein Zeichen gesetzt werden: "Rechtsstaat vs. Unrechtsstaat", Politik fürs Geschichtsbuch, so wollte es Kanzler Helmut Kohl damals. Doch es kam alles ganz anders.

      Rund 700 Ermittler kämpften neun Jahre lang gegen die Zeit und die Verjährung. Was bis zum Jahr 2000 nicht aufgeklärt ist, das würde nie mehr aufgeklärt! Tonnenweise Akten und Verdachtsmaterial sind zu sichten, Anzeigen zu bearbeiten. Kaum ein Verbrechen, das die Ermittler der ZERV aufzuklären hatten, entsprach dem, was sie bislang kannten: Tote an der innerdeutschen Grenze, Auftragsmorde, Währungsbetrug, Treuhandkorruption, verschwundenen Milliarden. Dazu ein komplex getarnter Waffenhandel und Devisenverbrechen aller Art.

      Die Ermittler kamen fast ausschließlich aus dem Westen, hatten bisher wenig mit dem Osten zu tun. Fast alle Bundesländer stellen Beamtinnen und Beamte ab. Voller Tatendrang reisen die ersten Westkommissare in Berlin an. Keiner hat eine richtige Vorstellung davon, was auf ihn zukommt. Die erste Euphorie weicht schnell einer kühlen Ernüchterung. Denn die ersten Dienstgebäude sind ehemalige DDR-Amtsstuben. Viele der Ermittler sahen ihre Schreibtische im Berliner Hauptquartier allerdings nur selten. Sie arbeiteten vor Ort, ermittelten auf einer Terra incognita.

      Alexander Schalck-Golodkowski wird zum Erzfeind der Ermittler, ihn wollen sie mit allen Mitteln "zur Strecke bringen". Doch im politischen Bonn verfolgt man die Ermittlungen inzwischen auch mit Sorge. Während der Blick in die Zeit vor 1989 zwar schmerzhaft aber politisch gewollt war, gestaltete sich die Arbeit in Sachen Vereinigungskriminalität deutlich schwieriger. Vor allem brachte sie Ergebnisse hervor, die den politisch gefeierten Einheitsprozess in anderem Licht erscheinen lassen. Politisch waren diese Ermittlungen wenig beliebt. Die Treuhand galt als sakrosankt und die großangelegte Wirtschaftskriminalität im Zuge des Einigungsprozesses galt als Kollateralschaden einer großartigen historischen Errungenschaft Deutsche Einheit.

      Es gelingt den Kommissaren einige Seilschaften in der Immobilien- und Treuhandszene zu enttarnen. Doch für viele andere Verbrechensfelder kommen sie zu spät. Nicht zuletzt weil zuständige Staatsanwaltschaften den Elan der Ermittler nicht teilen oder von oben ausgebremst werden. Die Ermittlungen gegen Schalck-Golodkowski werden eingestellt, die Embargobrüche westdeutscher Waffenlieferanten sollen nicht weiter ermittelt werden und die Suche nach dem DDR-Vermögen wird an eine Sondereinheit übergeben, denn da ist noch der BND, mit seinen ganz eigenen Interessen.

      Über 20.000 Fälle haben die Ermittler bearbeitet. Die ermittelten Schadenssummen gingen in den mehrstelligen Milliardenbereich und doch hätten sie noch mehr leisten können, mit etwas mehr politischer Unterstützung, sagen die Beteiligten heute. Die persönliche Bilanz der ZERV-Ermittler fällt heute fast ausnahmslos positiv aus, aber als Bürger und Beamte sind die meisten auch recht enttäuscht von den Entscheidungsträgern in ihrem Land. Die Jahre bei der ZERV haben ihren politischen Blick geschärft. Und sie haben ein Gefühl dafür entwickelt, wie die Menschen in den "neuen" Bundesländern ticken.

      Film von Andreas Wolter

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