• 21.06.2019
      12:30 Uhr
      Sehen statt Hören Wochenmagazin für Hörgeschädigte | 3sat
       
      • Ein Nachruf: Karin Kestner - Kämpferin für Gehörlose

      Sie war eine 24-Stunden-Frau, aktiv, temperamentvoll, laut, fröhlich – und die „Mutti“ der Gehörlosen: Karin Kestner hat sich als hörende Frau ihr halbes Leben lang für die Belange der Gehörlosen eingesetzt. Die Welt der Gehörlosen trauert um diese einzigartige Kämpferin.

      Freitag, 21.06.19
      12:30 - 13:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      • Ein Nachruf: Karin Kestner - Kämpferin für Gehörlose

      Sie war eine 24-Stunden-Frau, aktiv, temperamentvoll, laut, fröhlich – und die „Mutti“ der Gehörlosen: Karin Kestner hat sich als hörende Frau ihr halbes Leben lang für die Belange der Gehörlosen eingesetzt. Die Welt der Gehörlosen trauert um diese einzigartige Kämpferin.

       
      • Ein Nachruf: Karin Kestner - Kämpferin für Gehörlose

      Die „rote Sirene“ fiel auf. Optisch und durch ihre Art. Ihr Kampfgeist war legendär: Karin Kestner kämpfte lautstark gegen das CI oder die orale Erziehung – als Hörende . Angefangen hat alles vor über 25 Jahren: Karin hatte als junge Frau den Film „Gottes vergessene Kinder“ gesehen. Mindestens vier- oder fünfmal. Besonders eine Gebärde hatte sie sich daraus gemerkt: „Liebe“. Und dann wusste sie: sie muss Gebärdensprache lernen.

      • Erstes Engagement

      Ihren ersten Einsatz als Dolmetscherin hatte Karin Kestner für Knut Weinmeister. Sie war total aufgeregt und unsicher. Zu Beginn war es wohl auch eher LBG als reine DGS. Um ihre Grammatik und ihren Wortschatz zu verbessen empfahl Knut Weinmeister ihr, das Gehörlosenzentrum zu besuchen. Und dann saß sie dort dreimal in der Woche und hat alles in sich aufgesogen und ihre Gebärdensprache kontinuierlich verbessert. Bis zuletzt war sie Knut und seiner Familie eng verbunden – und fast so etwas wie seine „zweite Mutter“.

      • Immer im Einsatz für Kinder und Eltern

      Das Angebot für hörende Eltern war früher überschaubar. Und Karin Kestner fiel sofort auf, dass es zwar VHS-Kurse für Erwachsene gab, doch die betroffenen Kinder außen vor waren. Die Eltern sollten ihr frisch erworbenes Wissen an die Kinder zuhause weitergeben – ohne irgendeine Qualitätskontrolle. Hier kam der jungen Frau die erste Idee für eine Verbesserung: Warum nicht Gebärdensprachdozenten zu den Familien nach Hause schicken, um sie dort zu unterrichten? Karin Kestner wälzte verschiedene Gesetzesbücher, suchte die passenden Paragrafen heraus und warb mit ihrer Idee bei den Dozenten und Eltern. Die haben dann jeweils einen Antrag gestellt – mit Erfolg. Die Hausgebärdenkurse waren „geboren“. Bis heute zahlt das Sozialamt diese Kurse – auch wenn man sie in manchen Fällen immer noch erstreiten muss.

      • Immer dort aktiv, wo es nötig war

      Das war nur ein Startschuss für das Engagement und die Erfolge der aktiven Frau. Sie verfasste Bücher (z.B. „Das große Wörterbuch der Deutschen Gebärdenlexikon“) und sogar Computer-Lernprogramme für Kinder, in denen sie Gebärden auflistete und erklärte. Sie gründete ihren eigenen Verlag, um die Produkte zu vermarkten. Auf ihrer Webseite trug sie alle relevanten Informationen und vor allem rechtliche Grundlagen zusammen. Sie informierte auf Tagungen, wie das CI Familien beeinflusst. Und setzte sich dafür ein, dass gehörlose Kinder Regelschulen besuchen können. Kurzum: Sie sah hin und wurde dort aktiv, wo es klemmte. Betroffene konnten sie jederzeit um Unterstützung und Rat bitten. Und auch sonst motivierte sie die Gehörlosen, für ihre Rechte und Wünsche einzustehen – und dafür auch zu streiten.

      • Ein langsamer Rückzug

      Vor zweieinhalb Jahren dann der Schicksalsschlag: Bei Karin Kestner wird Bauchspeicheldrüsen-Krebs festgestellt. Das hieß OP und die ganze Bandbreite der Behandlungsmöglichkeiten. Ein Kampf, den sie nun verloren hat. Der Tod von Karin Kestner ist ein großer Verlust. Die Gehörlosenwelt braucht eine Kämpferin, die mutig und furchtlos das Recht der Gehörlosen verteidigt.

      Willkommen bei "Sehen statt Hören" - der einzigen Sendereihe in der deutschen Fernsehlandschaft, die im Bild sichtbar macht, was man sonst nur im Ton hört! Nicht im "Off", sondern im "On" werden hier die Inhalte präsentiert - mit den visuellen Mitteln des Fernsehens, Gebärdensprache und offenen Untertiteln.

      Zielpublikum sind vor allem die etwa 300.000 gehörlosen, spätertaubten oder hochgradig schwerhörigen Zuschauerinnen und Zuschauern in der Bundesrepublik, die ein solches Programm benötigen, das ihren Kommunikationsbedürfnissen entspricht und ihnen optimale Verständlichkeit ermöglicht, aber auch alle anderen, die sich von den Themen und der ungewöhnlichen Machart angesprochen fühlen.

      In wöchentlich 30 Minuten bringt das vom BR produzierte und in allen Dritten Programmen ausgestrahlte Magazin Informationen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, von Arbeitswelt, Familie, Freizeit, Sport über Kunst, Kultur, Bildung, Geschichte bis hin zu politischen, sozialen, rechtlichen und behindertenspezifischen Themen.

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