• 21.06.2019
      11:30 Uhr
      Schöne neue Shoppingwelt Film von Franziska Mayr-Keber und Constanze Grießler | 3sat
       

      Unser Kaufverhalten hat sich durch das Internet radikal verändert: Ob Einkaufsbummel oder Weltreise, hier gibt es alles - zu jeder Zeit und zum vermeintlich kleinsten Preis. Während Traditionsunternehmen schließen und Ortskerne veröden, erobern Lieferanten und Paket-Abholstationen das Stadtbild. Der Film zeigt, was der digitale Umbruch für den Handel und das Konsumverhalten bedeutet.

      Freitag, 21.06.19
      11:30 - 12:30 Uhr (60 Min.)
      60 Min.
      Stereo HD-TV

      Unser Kaufverhalten hat sich durch das Internet radikal verändert: Ob Einkaufsbummel oder Weltreise, hier gibt es alles - zu jeder Zeit und zum vermeintlich kleinsten Preis. Während Traditionsunternehmen schließen und Ortskerne veröden, erobern Lieferanten und Paket-Abholstationen das Stadtbild. Der Film zeigt, was der digitale Umbruch für den Handel und das Konsumverhalten bedeutet.

       

      Unser Kaufverhalten hat sich durch das Internet radikal verändert: Ob Einkaufsbummel oder Weltreise, hier gibt es alles - zu jeder Zeit und zum vermeintlich kleinsten Preis.

      Während Traditionsunternehmen schließen und Ortskerne veröden, erobern Lieferanten und Paket-Abholstationen das Stadtbild. Der Film zeigt, was der digitale Umbruch für den Handel und das Konsumverhalten bedeutet.

      Den Einkaufsbummel erledigt man online, das Essen ordert man per App und Fahrradboten, mal hastig in der Mittagspause im Büro, mal ganz gemütlich am Abend auf der Couch: Willkommen in der Liefergesellschaft, wo Päckchen statt Menschen den Markt am Laufen halten und klassisches "Window-Shopping" schon als "Slow Shopping" gilt.

      Im Netz gibt es alles - und das sofort und tunlichst zum kleinsten Preis. Das freut nicht jeden, denn die "On-Demand-Economy" bringt so manches Traditionsunternehmen zum Straucheln. So muss auch das 1868 gegründete Wiener Haushaltswarengeschäft "Slama" seine Pforten schließen. "Viele lassen sich beraten, nutzen unsere Schauräume, um Produkte kennenzulernen, und bestellen dann einfach online, das ist heute Realität", klagt Claus Slama - und ist damit nicht allein. Mit der #echtshopper-Kampagne setzt die Wiener Wirtschaftskammer auf Kundenerziehung, mit launigen Sprüchen auf Tragtaschen wie "buntes Sackerl statt braunes Packerl".

      Aber warum konsumieren wir überhaupt? Der Historiker Frank Trentmann hält in seinem Opus Magnum "Herrschaft der Dinge", der Weltgeschichte des Verbrauchs vom 15. Jahrhundert bis heute, fest: "Konsum ist ein wesentlicher Teil unserer sozialen Identität. Über die Dinge drücken wir uns aus und treten mit anderen in Beziehung.

      "Das bestätigt auch Teleshopping-Queen Judith Williams: "Jeder Mensch hat sieben paar Schuhe? Na, ich hab ja alleine schon mal sieben schwarze High Heels!" Williams betreibt einen florierenden Homeshopping und Onlinehandel für Beautyprodukte, und auch sie selbst liebt Teleshopping: "In einem Geschäft hört man heute kaum noch mehr 'Guten Tag', bekommt keine Beratung. Bei mir bekommen das die Menschen. Ich bin authentisch.

      "Authentisch sein: Das machen auch sogenannte InfluencerInnen wie die Mode- und Lifestyle-Bloggerin Vreni Frost, die neuen Popstars im World Wide Web: Sie sind Orientierungsfiguren für Jugendliche in Sachen Konsum, erzählen aus ihrem Leben, von ihren Einkaufsbummeln auf Instagram und Co. Eigene Agenturen fädeln mittlerweile Deals zwischen Unternehmen und diesen Idolen des Konsums ein. Frost ist gut im Geschäft: Ein Facebook-Post inklusive Blog-Begleitung kostet derzeit 1780 Euro.

      Es gibt aber auch den gegenläufigen Trend: Unsere Konsumausgaben steigen pro Jahr stetig, und immer mehr wollen da nicht mehr mitmachen. Minimalistisch leben, bewusst Einkaufen, auf faire Produkte setzen, Online-Monopole boykottieren, all das hat heutzutage einen hohen "Lifestyle-Faktor." Und als der britische Künstler Michael Landy 2001 all sein Hab und Gut als 14-tägige Performance zerkleinern ließ, lockte das nicht nur 50.000 Menschen an, es machte ihn über Nacht berühmt.

      Dass der Konsument allein die Schattenseiten des Konsums - von der Ausbeutung von Mensch und Umwelt bis hin zur Steuerflucht der Online-Giganten - bewältigen kann, glaubt Frank Trentmann allerdings nicht: "Meiner Ansicht nach sollten wir Konsum als solchen nicht verteufeln - wohl aber überlegen, wie wir ihn besser steuern können, um die Umweltschäden zu verringern, die wir überall in der Welt sehen. Am Ende könnten Modelle stehen, wie wir Konsum in einer gesellschaftlich intelligenteren oder produktiveren Weise nutzen."

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      Freitag, 21.06.19
      11:30 - 12:30 Uhr (60 Min.)
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