• 12.11.2015
      19:20 Uhr
      Kulturzeit Das 3sat-Kulturmagazin von ZDF, ORF, SF und ARD | 3sat
       

      Themen:

      • Kulturzentrum in Athen
      • Roland Barthes / Gespräch mit Andreas Isenschmid
      • News
      • Tipps
      • Filmkritik "Steve Jobs"
      • 175 Jahre Auguste Rodin
      • Neil Young zum 70.

      Moderation: Andrea Meier

      Donnerstag, 12.11.15
      19:20 - 20:00 Uhr (40 Min.)
      40 Min.
      Stereo

      Themen:

      • Kulturzentrum in Athen
      • Roland Barthes / Gespräch mit Andreas Isenschmid
      • News
      • Tipps
      • Filmkritik "Steve Jobs"
      • 175 Jahre Auguste Rodin
      • Neil Young zum 70.

      Moderation: Andrea Meier

       
      • Genie und Arschloch - Danny Boyles biografischer Film "Steve Jobs"

      Was für ein Stoff! Ein Mann steht im schwarzen Rollkragenpullover auf einer Bühne, präsentiert einen Computer und Millionen Menschen sind live dabei, weltweit. Danny Boyle setzt Apple-Gründer Steve Jobs im gleichnamigen Film virtuos in Szene. Der Raum erzittert, ein dumpfes Dröhnen ist zu hören. Umschnitt auf Großaufnahme trampelnder Füße, Apple-Jünger in freudiger Erwartung. Nur für einen kurzen Augenblick ist auf der Leinwand der Hype zu erahnen, den Apple-Gründer Steve Jobs zeitlebens erzeugte. Der Film "Steve Jobs" wählt einen anderen Focus - er geht backstage, in improvisierte Räume, schäbige Gänge, Foyers, in denen sich Stühle stapeln. Wenn man eine Ikone zu fassen kriegen möchte, muss man sie vom Sockel stoßen, dort hinsehen, wo das Blattgold schon abgeblättert ist.

      Oscar-Preisträger Danny Boyle hatte den Mut, aus dem Messias einen Menschen zu machen, und beginnt damit, ihn als Unmenschen zu präsentieren. "Steve Jobs" ist ein filmisches Tryptichon, das um drei Produkt-Präsentationen - 1984 Macintosh, 1988 Next Cube, 1998 iMac - kreist. Drei große Inszenierungen. Adrenalin liegt in der Luft, alles kann noch schiefgehen. Aus dieser Ausgangssituation bezieht der Film seine Spannung. Er verdichtet die Minuten vor Jobs Auftritten zu einem Kammerspiel auf höchstem Niveau mit großartigen Dialogen und einer hochkarätigen Darstellerriege.

      Michael Fassbender brilliert als arrogant-abweisender Steve Jobs, ein Typ, der so ist, wie seine Apple-Produkte: nicht kompatibel - mit niemandem. Wir lernen einen Mann kennen, der ein Meister darin ist, Menschen vor den Kopf zu stoßen. Er weist sie alle ab: die Mutter seiner Tochter, seine Marketingchefin Joanna, seinen genialen Programmierer Steve Wozniak. Es ist, als wolle er sich förmlich die Welt vom Leib halten. Als erste bekommt es seine Tochter Lisa zu spüren, die er trotz erdrückender Evidenz durch Gentests nicht anerkennt. Was ist das für ein Mann, der einem niedlichen Mädchen ins Gesicht sagt, es sei nicht seine Tochter? Tiefer kann eine Filmfigur kaum fallen. Dass es dem Film trotzdem gelingt, irgendwie Sympathie oder wenigstens Verständnis für das Genie zu wecken, ist ein großes Kunststück.

      Die These des Films: Jobs ist so ein Scheusal, weil er selbst ein Zurückgewiesener ist, den die leiblichen Eltern zur Adoption freigaben. Aber reicht ein wenig Küchenpsychologie aus, um einen schwierigen Charakter zu fassen? Wohl kaum. Danny Boyle und sein Drehbuchautor Aaron Sorkin wissen das und versuchen daher, die Obsession des Steve Jobs verständlich zu machen. Und genau hier wird der Film präzise und klug. Er fokussiert auf Jobs, den Perfektionisten, den Besessenen, der um einer perfekten Linie, um des richtigen Winkels Willen alles und jeden zu verraten bereit war. Er ist so sehr in die Sache vernarrt, dass er darüber zum Arschloch wird. Am Ende ist auch Wosniak, der Kumpel, der mit ihm in der Garage Apple gründete, von ihm abgerückt.

      Die Leidenschaft aber ist der Schlüssel zum Verständnis des Apple-Gründers, nur so wird begreiflich, dass ein Mann, der weder Programmierer noch Designer oder Wirtschaftswissenschaftler war, zum genialen Marketingstrategen aufsteigen konnte. Er hatte verstanden, dass er nicht Dinge, sondern Lebensentwürfe verkaufte, Träume. Weil er selbst so bedingungslos in die Sache vernarrt war, hingen die Menschen an seinen Lippen und kauften seine völlig überteuerten Träume. Eine Erfolgsgeschichte mit einem sehr dunklen Schatten. War es das alles wert?, fragt der Film. Und in einer zentralen Szene gibt Steve Wosniak die Antwort: "Es ist nicht binär. Man kann zugleich genial und anständig sein", schleudert er Steve Jobs entgegen, dreht sich um und geht.

      • In neuem Licht - Rodin-Museum wieder eröffnet

      Zum 175. Geburtstag des französischen Bildhauers Auguste Rodin erstrahlt sein Pariser Museum in frischem Glanz. Dabei wirft es nicht nur im wörtlichen Sinn neues Licht auf seine Werke. "Der Denker", "Der Kuss", "Der Schreitende": Auguste Rodins Skultpuren sind weltberühmt. Und "sein" Museum in der Nähe des Eiffelturms ist eines der beliebtesten Pariser Sehenswürdigkeiten. Man fühlt sich dort fast wie ein persönlicher Gast des Bildhauers. Rodin hatte 1908 einen Teil des mondänen Stadthauses angemietet, um auszustellen, seine Sammler zu empfangen und zu arbeiten. Für rund 16 Millionen Euro wurde nun das "Hôtel Biron" aus dem 18. Jahrhundert einer Rundum-Erneuerung im Inneren unterzogen, sicherheitstechnische Mängel behoben, ein Aufzug für die Werke eingebaut. Denn das Museum mit seinen mehr als 6500 Skulpturen gehört zu den großzügigsten Leihgebern in Paris.

      • Der Musikveteran - Neil Young zum 70. Geburtstag

      "Ouevre" und Neil Young, das klingt irgendwie seltsam zusammen. Und doch gehört der Kanadier zu den wenigen Superstars, deren musikalisches Werk schon zu Lebzeiten mit dem wohlklingenden französischen Wort bezeichnet wird. Der mehrfache Grammy-Gewinner feiert am 12. November 2015 seinen 70. Geburtstag. Mit Neil Young sind bestimmte Begriffe verbunden. "Harvest" etwa, das legendäre Album von 1972, das den kommerziellen Höhepunkt seiner Karriere markiert. Seine Band "Crazy Horse", mit der er heute noch tourt - 1968 gegründet. Oder "Crosby, Stills, Nash and Young", das freakige Quartett 1969 auf der Bühne von Woodstock. 2014 in der PBS-Show "Charlie Rose" erzählt Neil Young, was ihm von Woodstock am meisten im Gedächtnis geblieben ist. "Noch nie hatten wir so ein Riesen-Publikum gehabt, eine halbe Million Leute. Uns wurde plötzlich klar: Wir sind jemand, wir sind eine Generation. Und zwar genau jetzt. Wir bewegen hier was."

      Neil Youngs Songs sind immer wieder auch politisch. In "Ohio" etwa protestiert er 1970 gegen die Machenschaften der damaligen US-Regierung unter Präsident Nixon - nachdem an der Kent State University im US-Bundesstaat Ohio vier Studenten von der Nationalgarde niedergemäht worden waren, weil sie gegen den US-Einmarsch in Kambodscha demonstriert hatten. Auch die Irak-Politik des George W. Bush bekommt ihr Fett weg: In dem Song "Let's Impeach The President" fordert er ein Amtsenthebungsverfahren. Crosby, Stills, Nash & Young müssen daraufhin 14 Konzerte absagen und werden von den Playlists etlicher Radiosender verbannt.

      In "Southern Man" und "Alabama" prangert Young den Rassismus der US-Südstaaten an - und erntet eine Retourkutsche von Lynnyrd Skynnyrd in deren Südstaatenhymne "Sweet Home Alabama", in der es heißt: "Ich hörte, dass Mr. Young über sie [Alabama, Anmerkung der Redaktion] sang. Ich hörte, Old Neil machte sie nieder. Ich hoffe, Neil Young wird sich daran erinnern, dass kein Südstaatenmann ihn braucht." Immer wieder nutzt Young seine Popularität, um auf Themen aufmerksam zu machen, die ihn berühren. Rassismus, Krieg, Umweltzerstörung. 2013 findet er krasse Worte, als er in Washington D.C. auf der National Farmers Union zum Thema Umweltzerstörung spricht. Es geht um eine Riesen-Ölsandlagerstätte in Fort McMurray, Alberta. "Fort McMurray sieht aus wie Hiroshima. Es ist eine Industriebrache", klagt er. "Die Treibstoff-Dämpfe sind überall. Und die Ureinwohner dort sterben an Krebs."

      Neil Young produziert zudem nicht nur ein Album nach dem anderen, sondern bringt außerdem 2015 "Pono" auf den Markt, einen Online-Musikdienst mit eigenem Abspielgerät - Musik in Best-Tonqualität. Die Idee dahinter beschreibt er 2012 in der US-Talkshow "David Letterman": "Digitale Musik heutzutage ist Content, nicht nur Musik. Musik soll einen doch dazu bringen, etwas zu fühlen, Gänsehaut zu kriegen. Musik ist eine wunderbare Art der Sprache, die Menschen berührt. Aber doch nicht in schlechter Qualität." Privat sorgt Young 2014 für Schlagzeilen: Der "Rolling Stone" berichtet, dass er und seine Frau Pegi nach 36 Jahren Ehe die Scheidung eingereicht haben. Das Paar hat zwei gemeinsame Kinder, eines davon schwer krank. Ruhestand geht anders. Es wird also wohl noch lange nicht still um Neil Young.

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