• 02.06.2010
      23:30 Uhr
      Kontrovers extra Thema: Todesfalle Germanische Neue Medizin | tagesschau24
       

      Geerd Ryke Hamer: Todkranke Menschen suchen verzweifelt Rettung bei ihm. Er, der Begründer einer braunen Medizinsekte, macht ihnen Hoffnung. Verspricht Heilung abseits der Schulmedizin.

      Mittwoch, 02.06.10
      23:30 - 00:00 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Geerd Ryke Hamer: Todkranke Menschen suchen verzweifelt Rettung bei ihm. Er, der Begründer einer braunen Medizinsekte, macht ihnen Hoffnung. Verspricht Heilung abseits der Schulmedizin.

       

      Ein oft tödliches Versprechen, wie Recherchen für Kontrovers-Extra zeigen.

      An Heiligabend vergangenen Jahres stirbt die zwölfjährige Susanne aus dem Allgäu. Ein krebskrankes Mädchen, dem die behandelnden Ärzte der Uniklinik Ulm gute Überlebenschancen gegeben hatten. Aber die Eltern brechen die Chemotherapie ab - erhoffen sich Heilung durch die sogenannte Germanische Neue Medizin.

      Ferndiagnose ohne Untersuchung
      Geerd Ryke Hamer, Begründer dieser Bewegung, lebt heute in Norwegen. Er ist mehrfach vorbestraft und bereits seit 1986 ohne Approbation. Aus seinem Exil in Norwegen gibt er trotzdem Ferndiagnosen. So auch im Fall Susanne. Ohne das Mädchen je selbst untersucht zu haben, schreibt er in einem Gutachten, sie habe keinen Krebs, leide nur an einem unbewältigtem "Wasserkonflikt". Und: sie sei gesund. Ein tödlicher Irrtum. Susanne stirbt wenige Monate nach Abbruch der schulmedizinischen Behandlung an einem Tumor. Inzwischen ermittelt die Kemptener Staatsanwaltschaft gegen Hamer und die Eltern.

      Antisemitische Verschwörungstheorie
      Kontrovers-Reporter reisen nach Norwegen. Wollen von Hamer wissen, warum das Mädchen sterben mußte. Im Interview liefert Hamer abstruse Erklärungen: Im Krankenhaus sei dem Mädchen ein Todeschip implantiert worden. "Diese Chips haben Giftkammern und können per Satellit ausgelöst werden." Seine Ablehnung der Chemotherapie begründet er damit, dass sie eine Erfindung der Juden sei: "Sie möchten nicht, dass der Rest der Welt überlebt. Deshalb sind zwei Milliarden Menschen mit Chemotherapie umgebracht worden."

      Rechte Parolen unter dem Deckmantel Alternativer Medizin
      Für Hamers braune Medizinlehre ist antisemtische Hetze zentral. Er selbst und seine Anhänger werfen im Internet und auf zahlreichen Vorträgen den Juden Genozid durch Chemotherapie vor. Für den evangelischen Pfarrer und Sektenexperten Bernhard Wolf nutzt die sogenannte Germanische Neue Medizin die Not Schwerkranker und ihrer Angehöriger aus. Menschen mit Interesse an alternativen Heilmethoden würden so angelockt und "dann wird ihnen, ohne dass sie es merken, dieses rechtsextreme Gedankengut untergejubelt."

      Verzweiflung wird ausgenutzt
      Nur die Verzweiflung der Menschen kann erklären, warum so viele Menschen Hamer vertrauen - auch in Bayern. Der Andrang zu Vorträgen und Stammtischen der sogenannten Germanischen Neuen Medizin ist ungebrochen. Und das, obwohl Susanne nicht das erste Opfer der Medizinsekte ist. Für Hamer spielen diese Opfer keine Rolle. Im Kontrovers-Interview sagt er: "Wenn da wirklich hundert bei mir gestorben wären, die vorher schulmedizinisch behandelt waren, das wäre gar nichts."

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