• 18.09.2014
      21:00 Uhr
      alpha-Österreich: Ruhig gestellt und angepasst Warum 80 Millionen ADHS-Kinder weltweit Drogen nehmen sollen | ARD alpha
       

      Früher hießen sie "Zappelphilipp", heute ist es ein medizinischer "Befund", denn so ein Verhalten passt offensichtlich nicht in unsere Leistungsgesellschaft: ADS oder ADHS wird mittlerweile bei mehr als einer halben Million (!) Kindern allein in Deutschland attestiert. Etwa drei bis fünf Prozent aller Kinder in Österreich leiden an diesen Aufmerksamkeitsstörungen bzw. am sogenannten hyperkinetischen Syndrom. Buben sind davon deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Gemeint ist dabei ein "Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom", das wahlweise ohne oder mit Hyperaktivität auftreten kann.

      Donnerstag, 18.09.14
      21:00 - 21:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo

      Früher hießen sie "Zappelphilipp", heute ist es ein medizinischer "Befund", denn so ein Verhalten passt offensichtlich nicht in unsere Leistungsgesellschaft: ADS oder ADHS wird mittlerweile bei mehr als einer halben Million (!) Kindern allein in Deutschland attestiert. Etwa drei bis fünf Prozent aller Kinder in Österreich leiden an diesen Aufmerksamkeitsstörungen bzw. am sogenannten hyperkinetischen Syndrom. Buben sind davon deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Gemeint ist dabei ein "Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom", das wahlweise ohne oder mit Hyperaktivität auftreten kann.

       

      Früher hießen sie "Zappelphilipp", heute ist es ein medizinischer "Befund", denn so ein Verhalten passt offensichtlich nicht in unsere Leistungsgesellschaft: ADS oder ADHS wird mittlerweile bei mehr als einer halben Million (!) Kindern allein in Deutschland attestiert. Etwa drei bis fünf Prozent aller Kinder in Österreich leiden an diesen Aufmerksamkeitsstörungen bzw. am so genannten hyperkinetischen Syndrom. Buben sind davon deutlich häufiger betroffen als Mädchen. Gemeint ist dabei ein "Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom", das wahlweise ohne oder mit Hyperaktivität auftreten kann.

      Ohne Zweifel: Solche Kinder sind sehr anstrengend und können ihre Eltern, Erzieher und Lehrer durch ihren ständigen Bewegungsdrang und unkontrollierte Impulse systematisch in den Wahnsinn treiben. Doch seit das Symptom einen richtigen Namen hat, wird auch immer hemmungsloser die chemische Keule dagegen eingesetzt. Die "segensreichen Pillen" für bzw. gegen die scheinbar nicht mehr zu bändigenden Kinder sind Ritalin oder Generika mit dem gleichen Wirkstoff - Methylphenidat. Das Betäubungsmittel wurde schon vor über 70 Jahren erfunden, erlebt aber erst jetzt einen kometenhaften Aufstieg. Es wird mehrmals täglich verabreicht und stellt je nach Dosis auch den nervösesten Nachwuchs ruhig. Dabei sind zumindest einige schwerwiegende Nebenwirkungen von Ritalin & Co. seit Jahren bekannt und werden selbst von den Pharmaunternehmen und verschreibenden Medizinern nicht verschwiegen: Persönlichkeitsveränderungen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit bis zum Untergewicht, deutliche Wachstumsverzögerung von über 20 Prozent pro Jahr, Meldungen über plötzliche Todesfälle in USA, Herzrasen, Krampfanfälle u.v.m.

      Obwohl Ritalin seit über 70 Jahren auf dem Markt ist, gibt es keine einzige unabhängige Langzeitstudie, beklagen Kritiker wie der Göttinger Neurologe Gerald Hüther. Er befürchtet unter anderem, dass es durch Ritalin bald auch einen starken Anstieg von jungen Parkinson-Kranken geben könne. Doch der große Aufschrei, der laut Hüther im Interesse der betroffenen Kinder seit Jahren durch unsere Gesellschaft hallen müsste, bleibt aus. Zu viele Interessenten setzten lieber auf die schnelle Pille, die so viele verhaltensauffällige Kinder zum Funktionieren bringt, statt auf eine genaue, mühevolle Diagnostik und nötige Verhaltenstherapie. Ein süchtig machender, auf Rezept verordneter Teufelskreis für Millionen Kinder weltweit - mit unabsehbaren Langzeitfolgen. Tendenz steigend. Experten warnen mittlerweile vor einer zu hohen Medikation und empfehlen andere Methoden der Behandlung. Kinderärzte und -psychiater sowie betroffene Eltern und Kinder werden in dieser Reportage zu ihren Erfahrungen mit verschiedenen Behandlungsmethoden befragt. Auch die Ursachen der psychischen Störung sowie die Wirkungsweise der Medikamente (z.B. Ritalin) sind Thema dieses "treffpunkt medizin".

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