• 16.05.2018
      20:15 Uhr
      Exakt - Das Nachrichtenmagazin Moderation: Annett Glatz | MDR FERNSEHEN
       

      Themen:

      • Streiks und Kündigungen - Wenn der Arbeitskampf eskaliert
      • Erdrutsche und Überschwemmungen - Welche Verantwortung trägt die Landwirtschaft?
      • EU-Fördermittel und Millionen-Rückforderungen - Was auf Sachsen-Anhalt zukommt

      Mittwoch, 16.05.18
      20:15 - 20:45 Uhr (30 Min.)
      30 Min.

      Themen:

      • Streiks und Kündigungen - Wenn der Arbeitskampf eskaliert
      • Erdrutsche und Überschwemmungen - Welche Verantwortung trägt die Landwirtschaft?
      • EU-Fördermittel und Millionen-Rückforderungen - Was auf Sachsen-Anhalt zukommt

       

      Zwischen Straßenrändern und Äckern verschwinden die Grünstreifen. Ohne Hecken und Bäume gibt es kaum Schutz gegen Bodenerosion. Außerdem fehlen Räume für Insekten, Milane oder Hasen. Ein Grund: eine Änderung bei der Agrarbeihilfe für die Landwirte.

      Ein Beispiel aus dem Landkreis Meißen: Jens Peschel aus Klipphausen pflanzt jedes Jahr Apfelbäume in die Lücken einer alten Allee. Doch jedes Jahr wächst die Sorge des Mannes. Denn der Landwirt pflügt jedes Jahr dichter an die Wurzeln heran – inzwischen bis auf 30 Zentimeter. Den Bäumen werden so die Wurzeln abgehackt, sie kippen leicht oder sterben ab. Von Peschels 24 neugepflanzten Bäumchen stehen nur noch 14. Er sucht Hilfe bei Leo Lippold, einem Schlossbesitzer aus der Nachbarschaft, der sich für mehr Grün in der Landschaft engagiert: "Ich finde es schon ein bisschen merkwürdig, wenn Agrar-Betriebe im Jahr 400.000 Euro strukturelle Förderung für Landschaftspflege erhalten und sich dann noch nicht mal an diese einfachsten Regeln halten."

      Dabei gehört der Grünstreifen neben der Straße der Gemeinde. Solange die Apfelbäume stehen, musste der Bauer Abstand halten. Wo sie weg sind, ackert er bis fast an die Straße. Der Geschäftsführer der zuständigen Saubachtaler Agrar AG bestreitet, dass dahinter Methode stecken würde. "Die kriegen die Anweisung, so, wie die Flächen sind, werden sie genutzt und gut", sagt Rene Münch.

      Dennoch: In der Großgemeinde Klipphausen sind sechs von zehn Straßenbäumen verschwunden. Im ganzen Landkreis Meißen fielen in nur sieben Jahren mehr als 4000 der Säge zum Opfer. Ein Kahlschlag mit Folgen. Denn Ackerrandgehölze bremsen auch Wind und Bodenerosion ab. Wo sie fehlen, rächt sich das.

      Beispiel Röhrsdorf: Im Juli 2017 hatten sich nach starken Niederschlägen an einem Hang neben der B6 Schlammmassen gelöst. Die Straße war komplett blockiert. Es entstand ein hoher Schaden.

      Doch der Kahlschlag trifft nicht nur den Landkreis Meißen. In Köthen will Jäger Karl-Heinz Ecke mit seinen Waidgenossen dem etwas entgegensetzen. "Also ich habe in meinem Leben so ungefähr 200 Kilometer Hecken und Windschutzstreifen gepflanzt, bin auch noch dabei, bis zum letzten Tag Hecken zu pflanzen", sagt der 75-Jährige.

      Die Jäger finanzieren das selbst – aus ihren Jagdabgaben. Sie sind so etwas wie die letzten Mohikaner. Denn sonst werde in der Köthener Feldmark nichts mehr neu gepflanzt. Dabei wüssten viele gar nicht, was solche Hecken leisten. Sie sind – je nach Größe - eine grüne Brücke für Tiere, mit reichlich Nahrung für Wildinsekten. Hier leben Feldlerchen und Nachtigall, der Milan und sogar die seltenen Fasane.

      An allen 35.000 Kilometern Feldweg in Sachsen-Anhalt wäre dafür Platz. Doch die Landwirte spielen nicht mit – oft hört Waidmann Ecke sogar lautstarke Proteste der Bauern gegen die neuen Hecken.

      Die Feldgehölze bedeuten für die Bauern und ihre großen Landmaschinen Umwege. Und – die Gehölze schmälern häufig die Agrarbeihilfen. Denn diese richten sich nach der Hektargröße des Betriebes. Bis 2017 zählten Feldgehölze mit. Heute gibt es nur noch Geld für bestelltes Land. "Es werden sämtliche Gehölzkronen, die in den Acker hereinragen, herausgerechnet", sagt Ecke. Damit verlieren die Landwirte Geld, wenn Hecken über die Feldränder wachsen. Die Ämter prüfen das anhand von Satellitenbildern – auf den Quadratmeter genau. Darum halten Landwirte die Feldgehölze kurz.

      "Wenn die Bäume eben rüberwachsen, gehen uns Flächen verloren", sagt der Saubachtaler Geschäftsführer. Die Lage ist ernst. Wenn nichts geschieht, werden noch mehr Bäume fallen. Jens Peschel fürchtet um seine Apfelallee und macht Druck beim Bürgermeister: "Wir sind dabei, ein Baum-Kataster zu erstellen, um auch nachzuweisen, dass der Baum da war, wenn er weg ist", sagt Gerold Mann. Wenn dann festgestellt werde, dass der Bauer einen Baum weggenommen hat, dann "kann ich dem eine vor den Latz geben".

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