• 11.09.2014
      19:15 Uhr
      Kofferkinder Zurückgelassen in der Türkei | PHOENIX
       

      Die historische Dokumentation arbeitet erstmals ein Tabu der Migrationsgeschichte auf. Bilge Toyran, Menekse Toprak und Ayhan Zeytin teilen das traurige Schicksal von rund 700.000 Kindern türkischer Gastarbeiter. Ihre Eltern suchten in den 1960er- und 1970er-Jahren Wohlstand und Arbeit in Deutschland und ließen die Kinder in der Türkei zurück. Verlassen von den Eltern wuchsen sie dort bei Verwandten auf. Begegnungen mit Vater und Mutter waren so selten wie unvorhersehbar und endeten in erneuten Trennungserfahrungen, die für viele Kinder traumatisch wirkten. Sie wurden zu sogenannten Kofferkindern.

      Donnerstag, 11.09.14
      19:15 - 20:00 Uhr (45 Min.)
      45 Min.
      Stereo HD-TV

      Die historische Dokumentation arbeitet erstmals ein Tabu der Migrationsgeschichte auf. Bilge Toyran, Menekse Toprak und Ayhan Zeytin teilen das traurige Schicksal von rund 700.000 Kindern türkischer Gastarbeiter. Ihre Eltern suchten in den 1960er- und 1970er-Jahren Wohlstand und Arbeit in Deutschland und ließen die Kinder in der Türkei zurück. Verlassen von den Eltern wuchsen sie dort bei Verwandten auf. Begegnungen mit Vater und Mutter waren so selten wie unvorhersehbar und endeten in erneuten Trennungserfahrungen, die für viele Kinder traumatisch wirkten. Sie wurden zu sogenannten Kofferkindern.

       

      Die historische Dokumentation arbeitet erstmals ein Tabu der Migrationsgeschichte auf. Bilge Toyran, Menekse Toprak und Ayhan Zeytin teilen das traurige Schicksal von rund 700.000 Kindern türkischer Gastarbeiter. Ihre Eltern suchten in den 1960er- und 1970er-Jahren Wohlstand und Arbeit in Deutschland und ließen die Kinder in der Türkei zurück. Verlassen von den Eltern wuchsen sie dort bei Verwandten auf.

      Begegnungen mit Vater und Mutter waren so selten wie unvorhersehbar und endeten in erneuten Trennungserfahrungen, die für viele Kinder traumatisch wirkten. Sie wurden zu sogenannten Kofferkindern. Sie wurden hin- und hergeschickt - zwischen zwei Ländern, zwischen leiblichen Eltern und Ersatzmüttern. Sie wurden zu sogenannten Kofferkindern. Die seelischen Narben sind bis heute nicht verheilt. "Wir haben sie Mama und Vater genannt, aber wir waren uns fremd." Bilge Toyran (48) war zweieinhalb Jahre alt, als ihre Eltern nach Berlin zogen und sie mit ihrer Schwester in Istanbul zurückließen. Sie hat heute keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern. "Es ist schwer, ohne Eltern aufzuwachsen. Wir waren nicht liebelos, aber die Mutter- und Vaterliebe, die fehlte."

      Zehn Jahre lang lebte der Stahlwerker Ayhan Zeytin (48) getrennt von Mutter und Vater in einem kleinen türkischen Dorf. Erst als Erwachsener kann er offen mit den Eltern über seine traurige Kindheit sprechen. "Nicht genug geliebt zu werden, das trage ich immer noch mit mir. Das hat viel mit dieser Kindheit zu tun."

      Menekse Toprak wächst mit ihren Geschwistern in einem anatolischen Dorf auf. Sieben Jahre lang sieht sie ihre Eltern nur in den Sommerferien. Einziger Kontakt sind Briefe. Heute ist Menekse Toprak eine erfolgreiche Journalistin und Schriftstellerin, die sowohl in Berlin als auch in Istanbul lebt. Die drei Gastarbeiterkinder sind die Hauptprotagonisten der Radio-Bremen-Dokumentation und brechen in diesem Film als Erwachsene das Schweigen über ihre schmerzhaften Kindheitserfahrungen.

      Fast jede türkische Familie, die heute in Deutschland lebt, ist betroffen. Denn der Nachzug von Familienangehörigen war im 1961 geschlossenen Anwerbeankommen zwischen Deutschland und der Türkei zunächst ausdrücklich ausgeschlossen worden. Erst Jahre später durften auch Familienangehörige nachkommen. Dann verschärfte der Anwerbestopp von 1973, vor 40 Jahren, die Situation der Kinder. Die gerade in Deutschland halbwegs heimisch gewordenen Jugendlichen mussten nun wieder die Koffer packen und mit der ganzen Familie zurück in die fremd gewordene Türkei ziehen.

      Die Autorin Anke Kültür begleitet Ayhan Zeytin auf seiner Reise von Delmenhorst ins türkische Dorf zu seinen Eltern, trifft Bilge Toyran mit ihren Söhnen in Berlin und lernt das Leben der Schriftstellerin Menekse Toprak zwischen Istanbul und Berlin kennen. Nur in einem Fall sprechen die Eltern mit ihren nunmehr erwachsenen Kindern und vor der Kamera über ihre Beweggründe von damals und ihre Schuldgefühle von heute.

      Film von Anke Kültür

      50. Jahrestag der Ankunft des Millionsten Gastarbeiters

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      Donnerstag, 11.09.14
      19:15 - 20:00 Uhr (45 Min.)
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