• 11.09.2012
      17:00 Uhr
      Fischer, Schily: 'Mein 11. September!' Als der Anschlag die deutsche Regierung traf | ONE
       

      Berlin, 11. September 2001, 15 Uhr. Außenminister Fischer kommt von einem Mittagessen mit dem jemenitischen Amtskollegen. Seine Mitarbeiter haben sich im Vorzimmer vor dem Fernseher versammelt und starren entsetzt auf den Bildschirm. Ein Flugzeug sei in das World Trade Center gestürzt. Das Telefon klingelt. Der griechische Außenminister will Fischer sprechen. Beiläufig fragt Fischer, ob Papandreou wisse, was in New York los sei. Nein. Zurück im Vorzimmer sieht Fischer, wie ein zweites Flugzeug in den Südturm kracht. "Da war mir klar, das ist ein Terroranschlag, das ist kein Unfall - und ich sagte: Gebt mir den Bundeskanzler!"

      Dienstag, 11.09.12
      17:00 - 17:45 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Berlin, 11. September 2001, 15 Uhr. Außenminister Fischer kommt von einem Mittagessen mit dem jemenitischen Amtskollegen. Seine Mitarbeiter haben sich im Vorzimmer vor dem Fernseher versammelt und starren entsetzt auf den Bildschirm. Ein Flugzeug sei in das World Trade Center gestürzt. Das Telefon klingelt. Der griechische Außenminister will Fischer sprechen. Beiläufig fragt Fischer, ob Papandreou wisse, was in New York los sei. Nein. Zurück im Vorzimmer sieht Fischer, wie ein zweites Flugzeug in den Südturm kracht. "Da war mir klar, das ist ein Terroranschlag, das ist kein Unfall - und ich sagte: Gebt mir den Bundeskanzler!"

       

      Zur gleichen Zeit erfährt Innenminister Schily zu Hause von dem Anschlag. "Ich bin sofort ins Auto gestürzt, ins Kanzleramt gefahren." Gleichzeitig versucht er verzweifelt, seine Tochter zu erreichen: Sie arbeitet unweit des World Trade Centers. Keine Verbindung.

      Zusammen mit Uwe-Karsten Heye und Peter Struck finden Fischer und Schily Bundeskanzler Schröder vor, wie er noch immer "fassungslos" vor dem Fernseher sitzt: Aus den brennenden Türmen springen Menschen in den sicheren Tod. Die deutschen Politiker empfinden gleichermaßen Entsetzen wie blitzschnell steigenden Druck zu handeln. Aber wie und was? So verwirrend beginnt diese dramatische Zeit deutscher Außenpolitik. Mit bislang unbekannten Details schildern die Autoren, was am Tag des Angriffs und den Monaten danach hinter den Kulissen der Berliner Regierung passierte.

      Schon kurz nach den Anschlägen gruppiert sich ein Krisen-Kabinett um Kanzler Schröder - es sind seine engsten Mitarbeiter. Sie haben Wochen und Monate höchster Anspannung und schlafloser Nächte vor sich. Otto Schily und Kanzleramtsminister Frank-Walter Steinmeier fürchten Anschläge im eigenen Land. Und müssen sich Vorwürfe der Amerikaner gefallen lassen, die Terroristen hätten schließlich in Hamburg gewohnt. Steinmeier: "Wir bekamen Fragen, unangenehme Fragen". Joschka Fischer fliegt rastlos zwischen Berlin und den USA hin und her, auch um die Rache-Pläne der Bush-Regierung in Erfahrung zu bringen. Aber es sind nur ungenaue, wenn auch bedrohliche Hinweise, die er mit nach Hause nimmt. Er signalisiert den Amerikanern, dass sich Deutschland an einem Afghanistan-Krieg beteiligen wird. Doch dann dämmert ihm, dass die Regierung von US-Präsident Bush mehr will. "Faktisch würde es einen Weltkrieg gegen den Terror geben".

      Fischer muss sich permanent mit Kanzler Schröder abstimmen. Doch die Kommunikation ist schwierig: Mal wird das Auswärtige Amt nach einem Bombenalarm geräumt; mal klingelt Kanzler Schröder seinen Außenminister in den USA aus dem Schlaf. Je näher der Angriff auf den Irak rückt, desto frostiger wird das Verhältnis zwischen den Regierungen in Berlin und Washington. Fischer über Vize-Präsident Richard Cheney: "Uns beiden war klar, wir werden nicht Freunde in diesem Leben." Bei einem Frühstück auf der Terrasse des Kanzleramts beschließen Schröder und Fischer schließlich: Deutschland wird sich weigern, den Amerikanern beim Angriff auf den Irak zu folgen. Eine Konfrontation mit dem wichtigsten Verbündeten. Joschka Fischer und sein UNO-Botschafter Gunter Pleuger sehen machtlos mit an, wie die Amerikaner Stimmung gegen den Irak machen. Und sie wissen: Die US-Regierung biegt sich die Wahrheit zurecht, ihre Wahrheit! Einige der Unterlagen, die US-Außenminister Colin Powell im UN-Sicherheitsrat der Weltöffentlichkeit präsentiert, sind falsch - und stammen ausgerechnet vom deutschen Geheimdienst. Gunter Pleuger: "Eine gespenstische Sitzung". Hinter den Kulissen läuft ein abenteuerliches Spiel um Vertrauen und Verrat, um Krieg und Frieden.

      Stephan Lamby und Michael Wech rekonstruieren die dramatischen Monate deutscher Innen- und Außenpolitik. Sie haben dabei nicht nur mit Mitgliedern der damaligen Bundesregierung gesprochen, sondern auch mit Spitzenpolitikern der damaligen US-Regierung.

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