• 10.09.2011
      11:15 Uhr
      alpha-Campus Am Puls des Planeten - Erdbebenforschung / Spitzenforschung in Deutschland | ARD-alpha
       

      Gebirge entstehen, wo sich Kontinente gegeneinander verschieben. Die gleiche Dynamik erzeugt Erdbeben. Berge verraten Geophysikern viel über die Kräfte, die die Erde nie zur Ruhe kommen lassen.

      Samstag, 10.09.11
      11:15 - 11:45 Uhr (30 Min.)
      30 Min.
      Stereo

      Gebirge entstehen, wo sich Kontinente gegeneinander verschieben. Die gleiche Dynamik erzeugt Erdbeben. Berge verraten Geophysikern viel über die Kräfte, die die Erde nie zur Ruhe kommen lassen.

       

      Professor Heiner Igel, Seismologe am Geophysikalischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München, erforscht diese Dynamik - per Internet. Die Daten, die weltweite Überwachungsnetze von jährlich rund 20.000 Erdbeben aufzeichnen, sind überall abrufbar.

      Geologisch aktive Regionen in Bayern
      Häufig sind diese globalen Netze mit ihren rund 500 Stationen nicht dicht genug für die Forschung. Daher beobachtet der Münchner Seismologe mit seinen Studierenden geologisch aktive Regionen zusätzlich mit mobilen Erdbeben-Stationen. Wie beispielsweise in der Nähe von Bad Reichenhall, wo immer wieder Serien schwacher Erdbeben auftreten. Hier bietet der Hochstaufen Igels Studenten gute Bedingungen, um herauszufinden, wie sich Erdbebenwellen durchs Gestein verbreiten.

      Die vielen kleinen Erdbeben in jedem Jahr machen den Hochstaufen für die Seismologen vom Geophysikalischen Institut der LMU München besonders interessant. Genauso wie die Tatsache, dass die eigenartigen Erdbeben-Schwärme nur auftreten, wenn es vorher sehr viel geregnet hat. Die Forscher vermuten, dass die Erdkruste sich in einem so kritischen Zustand befindet und bereits kleinste Veränderungen Beben auslösen.

      Beben als Spannungsentladung
      Der Berg scheint unter Spannung zu stehen, weil die afrikanische Kontinentalplatte die Alpen nach Norden schiebt. Wenn viel Regenwasser ins Gestein dringt, wirkt es dem Druck entgegen, der die Felsmassen zusammenpresst. Spannungen können sich plötzlich entladen - und die Erde bebt.

      Freiluft-Labor im alpinen Kalkstein
      Neben den Seismologen forschen am Hochstaufen auch Wissenschaftler des Geologischen Landesamtes Bayern. Sie untersuchen so genannte kriechende Massenbewegungen. Denn die Südseite des Hochstaufen rutscht langsam weg, was langfristig gefährlich werden könnte. Die Experten schicken künstliche, durch Sprengung ausgelöste Erdbebenwellen durch die Erde. Aus den Stoßwellen wird mit Computer-Modellen errechnet, wie im Untergrund die Gesteinsgrenzen verlaufen.

      Ein Glücksfall für die Forschung
      Für die Forschung sind die Beben am Hochstaufen ein Glücksfall. Die Seismologen freuen sich über jede kleinste Erschütterung. Denn aus den praktisch harmlosen Beben am Hochstaufen entwickeln sie mathematische Modelle, die auch schwere Erdbeben in viel stärker betroffenen Regionen berechenbar machen sollen. Der Hochstaufen wird die Forscher noch länger beschäftigen: Mit jedem Stoß gibt der seltsame Berg wieder ein bisschen mehr von seinem Geheimnis preis.

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