• 14.12.2018
      22:00 Uhr
      Nachtcafé Familie verpflichtet? | SWR Fernsehen BW
       

      In der Familie hält man zusammen, komme was wolle, so die weitläufige Meinung. In den schlimmsten Krisen ist Familie füreinander da. Das gehört sich schließlich so, denn Familie verpflichtet.

      Was aber, wenn das Ganze größere Ausmaße annimmt? Wenn ein Familienmitglied schwer krank oder pflegebedürftig wird? Wenn man den Familienbetrieb übernehmen soll? Wenn man bereits zahllose Male von der Familie enttäuscht wurde?

      Wann ist es richtig und wichtig, sich von der Familie, von ihren Erwartungen und Forderungen zu lösen? Wie viel schuldet jeder seiner Familie und wo sollte man Grenzen ziehen?

      Freitag, 14.12.18
      22:00 - 23:30 Uhr (90 Min.)
      90 Min.

      In der Familie hält man zusammen, komme was wolle, so die weitläufige Meinung. In den schlimmsten Krisen ist Familie füreinander da. Das gehört sich schließlich so, denn Familie verpflichtet.

      Was aber, wenn das Ganze größere Ausmaße annimmt? Wenn ein Familienmitglied schwer krank oder pflegebedürftig wird? Wenn man den Familienbetrieb übernehmen soll? Wenn man bereits zahllose Male von der Familie enttäuscht wurde?

      Wann ist es richtig und wichtig, sich von der Familie, von ihren Erwartungen und Forderungen zu lösen? Wie viel schuldet jeder seiner Familie und wo sollte man Grenzen ziehen?

       

      In der Familie hält man zusammen, komme was wolle, so die weitläufige Meinung. In den schlimmsten Krisen ist Familie füreinander da. Das gehört sich schließlich so, denn Familie verpflichtet. Aber wo liegen die Grenzen?

      Innerhalb einer Familie gibt es zahlreiche Pflichten, die meist unausgesprochen für alle als selbstverständlich gelten. Man steht füreinander ein, ist füreinander da, hilft sich. So versucht man, im Alltag ein offenes Ohr zu haben, wenn die Mutter anruft. Oder macht sich auf zum Besuch, wenn man spürt, dass es dem Bruder nicht gut geht. Und wohl jeder würde wahrscheinlich beipflichten, dass man Familienmitgliedern in Notfällen zur Seite steht. Sei es bei Jobverlust oder Scheidung - die größten Tiefpunkte lassen sich besser überstehen, wenn man durch Eltern oder Geschwister aufgefangen wird.

      Was aber, wenn das Ganze größere Ausmaße annimmt? Wenn ein Familienmitglied schwer krank oder pflegebedürftig wird? Heißt es dann, das eigene Leben zurückzustellen und die Betreuung zu übernehmen? Sollte man dem Wunsch der Eltern, in ihre Fußstapfen zu treten und den Familienbetrieb zu übernehmen, Folge leisten, auch wenn man eigentlich selbst ganz andere Pläne hat? Und was, wenn man bereits zahllose Male von der Familie enttäuscht wurde? Gibt man ihr immer wieder eine neue Chance? Ist auch all das selbstverständlich? Oder wann ist es richtig und wichtig, sich von der Familie, von ihren Erwartungen und Forderungen zu lösen? Wie viel schuldet jeder seiner Familie und wo sollte man Grenzen ziehen?

      Achtzehn Jahre lang stellte sich Almut Laudien selbstlos in den Dienst der Familie. Sie pflegte sowohl ihre Schwiegereltern als auch ihren Vater, gab dafür mit ihrem Mann das gemeinsame Restaurant auf und war schließlich rund um die Uhr im Pflegeeinsatz. Doch für sie gab es keine Alternative: "Für mich hat es einen großen Stellenwert, für die Familie da zu sein."

      Von einem familiären Rückhalt kann Ermir Blum nur träumen. Als er seiner Mutter offenbarte, dass er schwul ist, hatte er mit vielen Reaktionen gerechnet, doch nicht damit, dass sie ihm den Tod wünschte. "Das zerstört alles", sagt Blum, der nach seinem Coming-Out verstoßen wurde. Doch er fand eine neue Familie. Die Mutter seiner besten Freundin bot ihm an, ihn zu adoptieren.

      Anne Schindler wurde bereits in jungen Jahren Mutter und erlebte zunächst eine glückliche Familienzeit. Doch das Leben als Hausfrau und Mutter in der bayrischen Provinz engte sie zunehmend ein. "Ich habe die stärkste Entscheidung meines Lebens getroffen, die mich in extreme Einsamkeit gestürzt hat" - sie zog nach Berlin und ließ die beiden Kinder bei ihrem Vater zurück.

      Seinen Vater lernte Ijoma Mangold erst mit 22 Jahren kennen. Als dieser sich mit einem Brief aus Nigeria bei ihm meldete, war er auf der Suche nach einem Erben - und die Erwartungen der afrikanischen Verwandtschaft waren groß: "Meine Familie hatte mir viel anzubieten, als Thronfolger, als neuer Chief." Doch das Erbe anzutreten hätte auch bedeutet, sein altes Leben aufzugeben.

      Ihr altes Leben aufgeben, das musste Gerda Wiesten. Sie war bereits 72 Jahre alt, als ihre Schwiegertochter bei der Geburt des zweiten Kindes starb. "Dann ging es um die Frage 'Was passiert jetzt?'" Um ihren Sohn, der nun als Witwer mit zwei Kindern und Vollzeitjob alleine dastand, zu entlasten, beschloss sie kurzerhand, das Neugeborene zu sich zu nehmen.

      "Familie ist etwas Großartiges, wenn sie gelingt. Sie ist aber auch etwas extrem Bedrohliches, wenn sie misslingt." Die Philosophin Dr. Barbara Bleisch beschäftigt sich intensiv mit den Beziehungen zwischen Familienmitgliedern und weiß, was diese Verbindungen so besonders macht und woraus sich eventuelle Verpflichtungen ergeben können - oder eben auch nicht.

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