• 12.07.2018
      22:15 Uhr
      Das Institut - Oase des Scheiterns Titus der Weise | ONE
       

      Titus inszeniert "Nathan der Weise" mit kisbekischen Laien und bekommt kurz vor der Premiere die Anweisung, hygienische Aufklärung in das Stück einzubauen: Moskitonetze, sauberes Trinkwasser, Menstruationstassen. Der Regisseur ist außer sich und leistet hygienischen Widerstand. Indes hat Gmeiner endlich erreicht, dass Margarete gekündigt wird. Als Gmeiner allerdings erfährt, dass er künftig statt ihrer die Bibliothek leiten soll, setzt er alle Hebel in Bewegung, seine Erzfeindin doch noch zu halten.

      Donnerstag, 12.07.18
      22:15 - 22:40 Uhr (25 Min.)
      25 Min.

      Titus inszeniert "Nathan der Weise" mit kisbekischen Laien und bekommt kurz vor der Premiere die Anweisung, hygienische Aufklärung in das Stück einzubauen: Moskitonetze, sauberes Trinkwasser, Menstruationstassen. Der Regisseur ist außer sich und leistet hygienischen Widerstand. Indes hat Gmeiner endlich erreicht, dass Margarete gekündigt wird. Als Gmeiner allerdings erfährt, dass er künftig statt ihrer die Bibliothek leiten soll, setzt er alle Hebel in Bewegung, seine Erzfeindin doch noch zu halten.

       

      Titus inszeniert "Nathan der Weise" mit kisbekischen Laien und bekommt kurz vor der Premiere die Anweisung, Hinweise zu Seife, Sexualhygiene und Malariaprophylaxe ins Stück einzubinden: ein Sponsoring vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Der Regisseur ist außer sich über diesen hygienischen Affront - Dixi-Klos im "Nathan"! - und verweigert sich. Das allerdings auch nur so lange, bis ihm Haschim und Jördis klarmachen, wie schlimm es um die Gesundheit der Kisbeken bestellt ist.

      Gmeiner ist es nach langem Streben endlich gelungen, Margarete ein Dienstvergehen nachzuweisen, und Dr. Eckart folgt seiner Aufforderung, die Bibliothekarin deshalb fristlos zu entlassen. Margarete ist am Boden zerstört. Gmeiner jubelt - aber sein Jubel bekommt umgehend einen Dämpfer: Wenn Margarete fort ist, soll künftig er die Bibliothek leiten. Und dazu sieht er sich nicht imstande. Also rudert er volle Kraft zurück und setzt alle Hebel in Bewegung, um seine Erzfeindin doch noch am Institut zu halten.

      Die achtteilige Comedyserie "Das Institut - Oase des Scheiterns" schildert den Alltag eines deutschen Sprach- und Kulturinstituts in der Achselhöhle Zentralasiens. Ausgehend vom Standort Kallalabad (Hauptstadt der fiktiven Islamischen Volksrepublik Kisbekistan) versuchen sechs tapfere Mitarbeiter, den Einheimischen deutsche Sprache, Kultur und Lebensart zu vermitteln. Ihr größter Gegner ist das allgemeine Desinteresse: Die Kisbeken sind schärfer auf sauberes Trinkwasser, Antibiotika und Kalaschnikows als auf unregelmäßige Verben und das Werk von Werner Herzog.

      Geleitet wird das Institut von Dr. Eckart, einer Karrieristin mit phänomenal hoher Bildung und phänomenal niedriger Menschenkenntnis, die vor nichts zurückschreckt, um sich und ihr Institut im besten Licht darzustellen. Ihr Stellvertreter Gmeiner ist ein liebenswerter Zyniker, der sich auf die Fahnen geschrieben hat, möglichst vielen Menschen zu missfallen, seien es nun Mitarbeiter oder Muslime.

      Die junge Christin Jördis leitet die Abteilung Sprache und verzweifelt an den Zuständen in der Bürgerkriegsrepublik. Der junge Hipster Titus leitet die Abteilung Veranstaltungen und verzweifelt daran, dass sein iPhone nur zwei Balken Empfang hat. In den Tiefen der Bibliothek hält sich Margarete verborgen, eine standhafte Stalinistin mit steinharter Ostalgie. Der sympathische Kisbeke Haschim schließlich fungiert im Institut als "Lokaler Regionalkoordinator" (vulgo: Übersetzer, Hausmeister, Bombenentschärfer). Bei Licht betrachtet ist der Kisbeke der einzig Normale des Sextetts.

      An Kisbekistan sind bereits die Briten gescheitert, die Sowjets und die Amerikaner. Zwangsläufig werden also auch unsere Helden daran scheitern: Staub, Bomben und Ignoranz haben noch jeden in die Knie gezwungen. Lehnen wir uns also zurück und sehen ihnen beim Scheitern zu. Beim Kampf der Kulturen, beim Tanz in den Fettnäpfchen, bei den Beinahe-Katastrophen. Bei der Kollision von Schiller und Scharia, von Konjunktiv und Korruption, von Deutschland und Kisbekistan.

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© WDR | ARD.de | ARD Player-Out-Center || 16.12.2018