• 24.08.2018
      03:45 Uhr
      Weinviertel - Weites Land Film von Alfred Vendl | 3sat
       

      Es ist die Weite, die den Besucher des Weinviertels in seinen Bann schlägt. "Das Viertel unter dem Manhartsberg", so genannt seit 1254, vermittelt ein Gefühl der Endlosigkeit. Seinen Namen trägt das Weinviertel nicht von ungefähr - der Weinbau bestimmt das Landschaftsbild in all seinen Kulturformen und ist seit jeher prägend für die Bewohner dieser Region. Ein sanftes, wärmebegünstigtes Hügelland, das von Menschen genutzt wird, aber noch viele ursprüngliche Eigenarten bewahrt hat, ein stilles Land mit viel Vergangenheit und verborgenen Schätzen.

      Nacht von Donnerstag auf Freitag, 24.08.18
      03:45 - 04:30 Uhr (45 Min.)
      45 Min.

      Es ist die Weite, die den Besucher des Weinviertels in seinen Bann schlägt. "Das Viertel unter dem Manhartsberg", so genannt seit 1254, vermittelt ein Gefühl der Endlosigkeit. Seinen Namen trägt das Weinviertel nicht von ungefähr - der Weinbau bestimmt das Landschaftsbild in all seinen Kulturformen und ist seit jeher prägend für die Bewohner dieser Region. Ein sanftes, wärmebegünstigtes Hügelland, das von Menschen genutzt wird, aber noch viele ursprüngliche Eigenarten bewahrt hat, ein stilles Land mit viel Vergangenheit und verborgenen Schätzen.

       

      Die Weiten des Weinviertels erstrecken sich nördlich der Donau am Ende der östlichen Ausläufer des Alpenbogens zwischen Eggenburg im Westen bis zur slowakischen Grenze im Osten. Im Norden umfassen Thaya und dann im Osten die March mit ihren Aulandschaften das Land. Es ist nicht so leicht, die Besonderheiten dieses flachen Landstrichs mit seinen sanften Hügelformationen auf den ersten Blick zu entdecken.

      Der Wein, der dem Land den Namen gab, wurde erst zu einer Zeit kultiviert, als das Weinviertel schon Tausende Jahre Siedlungsgeschichte hinter sich hatte. Wo sich heute idyllische Kellergassen an Hausberge schmiegen, jagten bereits in der Eiszeit Menschen Mammuts. Das war bereits zu jener Zeit, als aus den Flusstälern im Westen die Winde den Löss, der die Fruchtbarkeit des Weinviertels begründete, ins Land bliesen. Doch der Wein, der besonders gut auf diesem Lössboden gedeiht, kam erst viel später ins Land.

      Die fruchtbaren Ebenen lockten immer wieder Siedler an. Sie hinterließen bis heute geheimnisvolle Zeichen in der Landschaft: kreisförmige Muster in Feldern, die letzten Spuren von kultischen Anlagen, die ins fünften vorchristliche Jahrtausend zurückgehen - die sogenannten Kreisgrabenanlagen. Geheimnisvolle Hügel, sogenannte "Mugl" ragen aus der flachen Landschaft auf - sie sind Zeugen der keltischen Besiedlung im ersten vorchristlichen Jahrtausend. In der zweiten Hälfte dieses Jahrtausends dürfte auch der Wein ins Land gebracht worden sein - entweder als Rosinenimport aus dem Süden, oder aber bereits als Basis für die eigenständige Weinkultur, wie archäo-botanische Funde von Weinkernen aus dieser Zeit vermuten lassen. Seither steht das Weinviertel auf den beiden Beinen Getreide und Wein. Die Besiedlung nahm zu und schließlich wurden im Mittelalter zur Verteidigung Wehranlagen errichtet, deren Überreste bis heute Zeugnis geben.

      Trotz der scheinbaren Eintönigkeit dieses "weiten Landes" finden sich eine Menge Verschiedenheiten: "DAS Weinviertel gibt es nicht - es gibt viele Weinviertel", so beschreibt der Literat Alfred Komarek das Land. Alfred Komarek ist - nicht zuletzt als Autor der beliebten "Polt"-Romane und TV-Filme - eng mit dem Weinviertel verbunden. Oft zieht er sich in sein altes Presshaus zurück, das schon als Kulisse für die Polt-Filme gedient hat. Er führt uns durch das Weinviertel und lässt das Publikum an seinen Gedanken über das "weite Land" mit all seinen Verschiedenheiten teilhaben - bis hin zu dem unterirdischen Labyrinth von Weinkellern, das das Weinviertel durchzieht.

      Im Laufe von Jahrmillionen haben immer wieder Meere den Landstrich bedeckt. Entsprechende Sediment- und Muschelablagerungen erinnern noch heute daran. Der Zuschauer erlebt mit Hilfe aufwändiger 3D-Animationen die Veränderungen des Landes durch wechselnde Meeresbedeckung über Millionen Jahre hinweg, nimmt Teil an einem urgeschichtlichen Tsunami, der in der Gegend des heutigen Eggenburg einer Seekuhherde zum Verhängnis wurde. Knochenreste geben davon Zeugnis. Meere überfluteten immer wieder das Land - ein weiteres Zeugnis gibt eine riesige, vor kurzem erst entdeckte Austernbank bei Korneuburg.

      Spektakuläre Flugaufnahmen geben eine bisher kaum bekannte Übersicht über die heutigen Schönheiten dieses scheinbar eintönigen Landstrichs. Der größte zusammenhängende Eichenwald Mitteleuropas erstreckt sich zwischen Hollabrunn und Mistelbach. Er ist auf den Schotterablagerungen der Ur-Donau gewachsen. In den Auen der Ur-Donau tummelten sich Ur-Pferde, Ur-Elefanten und sogar Säbelzahntiger.

      Ein besonderer Schatz befindet sich tief in der Erde: Zu jener Zeit, als das Land von Meer bedeckt war und Meeressaurier die Gewässer beherrschten, bildete sich das Schwarze Gold - Erdöl und auch Erdgas. Während unter der Erde diese Schätze gefördert werden und Tag und Nacht nach neuen Vorkommen gesucht wird, säen, ernten und feiern die Weinviertler ihre oberirdischen "Schätze": Getreide, Kürbisse und vor allem den Wein.

      Das Weinviertel ist eines de

      r trockensten Gebiete Österreichs. Trockenwiesen bringen eine Vielfalt einmaliger Flora hervor. Die Getreidebauern überwinden die Trockenheit des Landstrichs mit Hilfe innovativer Technologien.

      Die Weinbauern kultivieren vor allem den grünen Veltliner, das weithin bekannteste Qualitätsprodukt des Weinviertels, aber immer mehr wachsen neben anderen Weißweinsorten auch "Rotweininseln" heran: Zweigelt und St. Laurent erobern sich langsam ihren Platz in der ersten Reihe.

      Während die Bevölkerung schon im Frühherbst ihren Wein bei den Kellergassenfesten feiert und den neuen Wein nach festlicher Tradition tauft, muss der Eisweinwinzer auf die Kälte mindestens 10 Grad unter Null - warten, bis er endlich die "Perle" der Weine, den Eiswein, ernten kann.

      Wenn das Jahr schließlich zu Ende geht, lässt die Schneedecke die Weite des Landes noch deutlicher spürbar werden. Alles ruht bis zum nächsten Frühjahr.

      Aus der ORF-Reihe "Universum"

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