• 16.04.2018
      01:30 Uhr
      Stadt der Gladiatoren - Carnuntum 3sat
       

      Ein Luftbild von 1981 fesselt den Archäologen Wolfgang Neubauer: Man sieht darauf mitten im Grünen einen Fleck. Mithilfe neuer Technologien entdeckt er eine kasernenartige Anlage.

      Es gibt eine kleine Trainingsarena, Unterkünfte, Küchen, Bäder und einen Friedhof. Was Neubauer und sein Team hier fanden, überstieg die größten Erwartungen der Forscher: Es ist die erste Gladiatoren-Schule, die jemals außerhalb Roms entdeckt wurde.

      Nacht von Sonntag auf Montag, 16.04.18
      01:30 - 02:20 Uhr (50 Min.)
      50 Min.
      Stereo HD-TV

      Ein Luftbild von 1981 fesselt den Archäologen Wolfgang Neubauer: Man sieht darauf mitten im Grünen einen Fleck. Mithilfe neuer Technologien entdeckt er eine kasernenartige Anlage.

      Es gibt eine kleine Trainingsarena, Unterkünfte, Küchen, Bäder und einen Friedhof. Was Neubauer und sein Team hier fanden, überstieg die größten Erwartungen der Forscher: Es ist die erste Gladiatoren-Schule, die jemals außerhalb Roms entdeckt wurde.

       

      Ein Luftbild von 1981 fesselt den Archäologen Wolfgang Neubauer: Man sieht darauf mitten im Grünen einen Fleck. Mithilfe neuer Technologien entdeckt er eine kasernenartige Anlage.

      Es gibt eine kleine Trainingsarena, Unterkünfte, Küchen, Bäder und einen Friedhof. Was Neubauer und sein Team hier fanden, überstieg die größten Erwartungen der Forscher: Es ist die erste Gladiatoren-Schule, die jemals außerhalb Roms entdeckt wurde.

      Und tatsächlich: Bei Grabungen finden sie das Loch, in dem der Palus verankert war - ein Holzpfahl, das wichtigste Trainingsgerät in der Gladiatoren-Ausbildung, dazu eine Metallschuppe von einem Gladiatoren-Panzer, Geflügelknochen und ein Grab mit einer wertvollen Grabbeigabe.

      Franz Humer, der Leiter des Archäologischen Parks Carnuntum, ließ die Trainingsarena der Gladiatoren-Schule mit Originalwerkzeugen und Original-Werkstoffen aus der Zeit der Römer nachbauen. Nun können die Trainingsmethoden der Gladiatoren genau erforscht werden - wie sie kämpften, wie sie lebten und wie sie zu tödlichen Kampfmaschinen ausgebildet wurden. Der Historiker Marcus Junkelmann räumt mit vielen gängigen Klischees auf: Gladiatoren waren zwar aus der bürgerlichen Gesellschaft ausgeschlossen, aber dennoch die Stars ihrer Zeit. Ihre Auftritte waren kein wildes Gemetzel, sondern streng reglementierter Kampfsport.

      Nicht alle Gladiatoren waren Gefangene oder Sklaven, manche meldeten sich freiwillig. Auf sie wartete eine beinharte Ausbildung, möglicherweise der Tod, aber auch die Hoffnung auf Ruhm, Ehre und Geld. Die Gladiatoren wurden von eigenen Trainern instruiert, hatten die beste medizinische Versorgung. Es gab eine Therme in der Gladiatoren-Schule, und die Kämpfer hielten eine strenge Diät. Knochenfunde aus Ephesus bringen dazu neue Erkenntnisse. Fabian Kanz von der Abteilung Forensische Anthropologie der Medizinischen Universität Wien sieht in ihnen ein wertvolles Archiv, in dem zahlreiche Informationen über die Lebensweise der Gladiatoren gespeichert sind. Zum Beispiel die, dass sich Gladiatoren hauptsächlich von Hülsenfrüchten oder Gerste ernährten.

      Aus all diesen Puzzlesteinen erwächst das fiktive Bild von Atticus, einem Nordafrikaner, der in Carnuntum unter den strengen Augen des Lanistas, des Leiters der Gladiatoren-Schule, seine Ausbildung zum Gladiator erhält. Atticus durchläuft alle Stadien des Trainings, bewährt sich und avanciert zum bewunderten Star, der männliche, aber auch weibliche Fans um sich schart. Nun ist er ein wertvoller Besitz seines Lanistas, eine "Cashcow" im Gladiatoren-Zirkus. Seine Kämpfe finden jetzt in der großen Arena in Carnuntum statt - unter dem Jubel der Massen. Doch seinen letzten Kampf überlebt er nicht. Es könnte seine Grabstätte sein, die neben der Gladiatoren-Schule entdeckt wurde - bezahlt von einer reichen Bewunderin, die ihm zum Abschied eine wertvolle vergoldete Fibel als Geschenk für die Götter mit ins Grab legte.

      Das Film-Team Klaus Feichtenberger, Heinrich Mayer-Moroni und Klaus T. Steindl, der auch Regie führte, entwickelte eine packende Story, die den aufsehenerregenden Fund der Gladiatoren-Schule mit fiktionalen Elementen verbindet. Die Geschichte von Atticus und seinen Kameraden berührt und geht unter die Haut. Gedreht wurde an Originalschauplätzen in Carnuntum, in der rekonstruierten Trainingsarena. Hier konnten Kamera, Kostüm, Maske, Ausstattung und vor allem die Darsteller den Geist der Kämpfer unmittelbar einfangen.

      Die aufwendigen Reenactments und Animationen lassen Carnuntum wiederauferstehen. Waffen, Ausrüstungen und Kampfstile der Gladiatoren wurden bis ins letzte Detail rekonstruiert. Die französische Truppe Acta beschäftigt sich seit Jahren damit, Gladiatoren-Kämpfe zu erforschen und sie praktisch zu erproben. Bei den Dreharbeiten arbeiteten sie "ohne Netz" - die Kämpfe vor der Kamera waren echt, wenn auch nicht mit scharfen Klingen geführt, und geben in Slow Motion Einblick in die Kampftechniken der Gladiatoren.

      Film von Klaus T. Steindl; (aus der ORF-Reihe "Universum History"); Erstsendung 22.12.2015

      Dokumentation

      Erstsendung 22.12.2015

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